Neckar-Cup
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Glück und Pech an einem Freitag, den 13., beim Neckar-Cup

Der 32-jährige Andrej Martin fordert im Finale des Neckar-Cups den 23-jährigen Daniel Altmaier heraus. Ein turbulenter Freitag liegt hinter den Akteuren des Tennis-Challenger-Turniers in Heilbronn.

Lars Müller-Appenzeller
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Lesezeit 3 Min
Glück und Pech an einem Freitag, den 13., beim Neckar-Cup
Das sieht nicht gut aus: Jonas Forejtek (rechts) kurz vor seiner Aufgabe.  Foto: Berger, Mario

Andrej Martin liebt Tattoos. Auf seinem linken Unterarm sind die Landkarte der Slowakei und sein Lebensweg abgebildet, auf dem rechten Unterarm geht es um Diversität, auf einem Finger sind die Olympischen Ringe zu sehen, unterhalb des Handgelenks seiner Schlaghand ist "100 %" zu lesen. An einem außergewöhnlichen Freitag hat er beim Neckar-Cup in Heilbronn 100 Prozent gegeben, erst im Halbfinale des Einzels, dann im Halbfinale des Doppels.

Dieser Freitag, der 13. hätte ein Tattoo verdient: Wegen der Aufgabe seines Gegners steht der 32-Jährige an diesem Samstag im Finale gegen Daniel Altmaier. Wegen der Aufgabe seines Partners hat er den Einzug ins Doppel-Finale aber verpasst.

Martin gewinnt, weil sein Gegner aufgibt

"Das war gerade sehr emotional", kommentierte Marathonmann Martin Sekunden nach seinem plötzlichen Sieg gegen Jonas Forejtek. Der 21-jährige Tscheche hatte beim Stand von 6:2, 6:7 (4:7), 1:0 und 0:40 aufgegeben - Hüftproblem, wie er schon am Tag zuvor angedeutet hatte. "So willst du nicht gewinnen", sagte Andrej Martin. So oder so ist dieser Sieg aber gut für das rund zwei Stunden später angesetzte Doppel-Halbfinale, oder? "Ja, das ist vor allem gut für meinen Doppelpartner Sam." Tristan-Samuel "Sam" Weissborn hatte eine schlechte Nacht, was später auf dem Platz offensichtlich war - der Österreicher, mit seiner Familie angereist, musste sich auf dem Platz übergeben. Ein Tennistag für Andrej Martin als Achterbahn. Glück und Pech an einem Freitag, den 13.

Andrej Martin hat eine bewegte Karriere hinter sich

Andrej Martin hat schon viel erlebt, ist seit 15 Jahren Profi. "An so einen Tag mit zwei Aufgaben in zwei Matches könnte ich mich nicht erinnern. Aber hey, das gibt es: Ich bin im Finale!" Es ist sein 30. auf der Challenger Tour - 27 der bisher 29 hat er gewonnen, zwölf im Einzel (zuletzt 2019), 15 im Doppel. "Das war mir gar nicht so bewusst. Danke für diese Information, das stärkt mein Selbstvertrauen." Der Blick auf die Matchbilanz gegen Daniel Altmaier lässt den 1,83 Meter großen Rechtshänder noch mehr wachsen: Die bisherigen beiden Vergleiche mit dem 23-Jährigen aus Kempen hat Martin gewonnen.

Daniel Altmaier nickte, angesprochen auf diese Statistik, sagte aber: "Der Blick geht ein bisschen zu weit nach hinten." Beim zweiten Spiel in Conception (Chile) vergangenes Jahr sei er nach seiner Corona-Infektion zurückgekommen, beim ersten 2019 in Como (Italien) "habe ich mir mit Doppel-Break in Führung liegend die Bänder gerissen". Andrej Martin als Profiteur einer Aufgabe - das gab es am Freitag natürlich nicht zum ersten Mal. Daniel Altmaier sagte selbstbewusst, nicht arrogant: "Ich glaube, dass ich mich weiterentwickelt habe." Was schon die ganze Woche, in seinen bisherigen vier Matches zu sehen war.

Selbstkritischer Altmaier ist auch selbstbewusst

Daniel Altmaier ist selbstkritisch. Nicht nur, weil seine Mutter Galina in seiner Box am Center Court saß. Das 6:3, 2:6, 6:4 gegen den Vorjahresfinalisten Daniel Elahi Galan (Kolumbien) sei nicht sein bestes Match in Heilbronn gewesen. Stimmt, erstmals musste er einen Satz abgegeben. Aber er hat gewonnen. "Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden mit Daniels Entwicklung", sagte sein argentinischer Trainer Francisco Yunis, der mit ihm seit drei Jahren zusammenarbeitet. Mit dem Finaleinzug beim Neckar-Cup, seinem letzten Challenger, wie Yunis am Freitag bestätigte, springt Altmaier in der am Montag erscheinenden Weltrangliste ziemlich sicher zumindest auf Platz 60 - so gut war er noch nie platziert.

Aber am Samstag soll es so ähnlich werden wie am Freitag: Ein Sieg vor vollem Haus mit begeisterten Zuschauern. Was für Daniel Altmaier spricht: Seine Zukunft, seine Jugend, seine Frische - 5:51 Stunden stand er in seinen vier Matches in Summe auf dem Platz. Was für Andrej Martin (144. der Weltrangliste) spricht: Seine Vergangenheit, seine (Final-)Erfahrung, seine Gelassenheit - bei ihm sind es aber 9:16 Stunden, 6:12 im Einzel, 3:04 im Doppel.

Klar, der Deutsche ist Favorit. Er will in Deutschland sein letztes Challenger nicht verlieren - und müsse es deshalb wie jedes andere Match angehen, so Francisco Yunis. Nicht, dass sich am Ende Andrej Martin "Neckar-Cup-Sieger 2022" auf den Körper tätowieren lässt.

Die Nummer eins lobt die Ballkinder

Glück und Pech an einem Freitag, den 13., beim Neckar-Cup
War auf Augenhöhe mit Daniel Altmaier: Daniel Elahi Galan aus Kolumbien.  Foto: Berger, Mario

Ohne sie ginge es auch, aber sie würden fehlen: die Ballkinder. 63 waren es während der Turnierwoche, am Donnerstagabend wurden die 25 benannt, die bei den Halbfinals und Finals sein dürfen.

Die Reduzierung hat eine schlichten Grund: "Am Freitag und Samstag wird statt wie bisher auf drei Plätzen nur noch auf einem gespielt", sagt Alessa Ladwig, die beim Neckar-Cup für die Ballkinder zuständig ist. Ballkinder seien bei Challengern nicht der Standard, sagt Daniel Altmaier, der nach jedem Match von den Schülerinnen und Schülern im roten Dress umlagert, um Autogramme und gemeinsame Fotos gebeten wird. Der 23-jährige Profi macht das stets gerne: "Durch die Corona-Phase haben wir den Kontakt zu den Ballkindern ein bisschen verloren, weil alles so distanziert gewesen ist." Altmaier lobt: "Sie machen hier einen fantastischen Job, sind sehr eingespielt. Super, wenn die Kids aus dem Tennis kommen, Tennis verstehen, Tennis leben.

Glück und Pech an einem Freitag, den 13., beim Neckar-Cup
Das sieht gut aus − zudem kraftvoll und elegant: Daniel Altmaier hat im Halbfinale erstmals im Turnierverlauf einen Satz abgeben müssen. Im heutigen Finale (nicht vor 16 Uhr) gegen Andrej Martin ist die Nummer 66 der Welt klarer Favorit. Fotos: Mario Berger  Foto: Berger, Mario
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