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Schiedsrichter-Schnupperkurs: Werbung für einen unsexy Job

Im Rahmen des Perspektivcamps in Heilbronn hat die DEL2 erstmals auch ein Schnuppertraining für Schiedsrichter angeboten. Wie in vielen anderen Sportarten herrscht auch im Eishockey ein Mangel an Unparteiischen.

Stephan Sonntag
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Lesezeit 2 Min
Eishockey-Schiedsrichter: Werbung für einen unsexy Job
Auch das Einwerfen beim Bully will gelernt sein: Profi-Schiedsrichter Dennis Menz (links) zeigt den Schnupperkurs-Teilnehmern die richtige Technik.  Foto: Veigel, Andreas

Rund 500 Regeln muss ein Eishockey-Schiedsrichter im Kopf haben. Die müssen auf dem Eis in Sekundenbruchteilen korrekt abgerufen werden. Beim schnellsten Mannschaftssport der Welt eine enorme Herausforderung. Zur kognitiven kommt die physische Herausforderung.

"Wir stehen 60 Minuten auf dem Eis - ohne Wechsel und zudem ständig noch in Unterzahl", macht Stefan Vogl deutlich. Der Leiter des DEL2-Schiedsrichterwesens hielt am Samstag beim Perspektiv-Camp in Heilbronn einen Vortrag und leitete das Schnuppertraining für fünf Interessierte an der verantwortungsvollen Tätigkeit.

Eishockey-Schiedsrichter müssen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Platz stehen

"Das Schiedsrichterwesen ist unsexy", läutete der 51-Jährige seinen Vortrag unverholen ein. Dann präsentierte er den 48 Teilnehmern das Video einer kniffligen Abseits-Szene. Sofort kam der Ruf aus dem Auditorium: "Können wir das nochmal sehen?" Natürlich. Doch selbst nach drei, vier Wiederholungen herrschte noch Uneinigkeit. "Auf dem Eis haben wir nur eine Chance", machte Vogl deutlich. Um diese Chance zur richtigen Entscheidung zu nutzen, sei die Position entscheidend. "Als Schiedsrichter muss man hart dafür arbeiten, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein."

Das merkten auch die Schiedsrichter-Anwärter beim Schnuppertraining. Bevor überhaupt daran zu denken war, das Spiel zu leiten, ging es erst einmal darum, sich auf dem Spielfeld so zu bewegen, das weder der Spielfluss gestört noch die Akteure behindert werden. "Der Perspektivwechsel überrascht viele ehemalige Spieler", weiß Vogl.

Viele Schiedsrichter pfeifen zwei Spiele an einem Tag

Das Schnuppertraining für Schiedsrichter fand erstmalig im Rahmen eines DEL2-Perspektivcamps statt. "Ich bin mit der Idee dazu offene Türen eingerannt", betonte Vogl. Natürlich ging es dem erfahrenen Referee, der mehr als 1000 Spiele in der DEL, DEL 2 und den DEB-Ligen geleitet hat, darum, Werbung für diese Aufgabe zu betreiben.

Doch wie in vielen anderen Sportarten herrscht auch im Eishockey inzwischen ein eklatanter Mangel an Unparteiischen. "Der ist regional unterschiedlich stark ausgeprägt. In Bayern haben wir aber bereits Schwierigkeiten, Spiele in den Top-Divisionen des Jugendbereichs zu besetzen. Viele Schiedsrichter pfeifen mittlerweile zwei Spiele am Tag", erklärt Vogl.

Sich als Schiedsrichter den Traum von Olympia erfüllen

Der aktuell herrschende Mangel an der Basis werde in den kommenden Jahren bis in den Profibereich durchschlagen. Daher soll schon bei den Jugendlichen, die natürlich alle den Traum der eigenen Profikarriere hegen, der Gedanke an den möglichen Rollenwechsel geweckt werden.

"Als Schiedsrichter ist es leichter, sich den Traum einer Olympia- oder WM-Teilnahme zu erfüllen", sagt Vogl. Das ist eine Option, wenn die eigene Karriere beendet ist, oder aber auf einem unbefriedigenden Level stagniert. "Als ich mich vor 30 Jahren als Schiedsrichter ausprobiert habe, hätte ich mir nie träumen lassen, was daraus wird. Ich bin heute aber sehr froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben", sagt Vogl.

 

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