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Die Tenniswelt ist besonders bunt

Vier Gründe, warum der 8. Neckar-Cup nicht ganz so deutsch ist wie gewohnt.

Lars Müller-Appenzeller
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Lesezeit 2 Min
Die Tenniswelt ist besonders bunt
Kommt aus Taiwan, trainiert in Düsseldorf: Chun-hsin Tseng. Der 20-Jährige hat seit Dezember bei fünf Challengern im Finale gestanden, drei gewonnen. Fotos: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Der Neckar-Cup ist wie immer bunt: 72 Spieler aus 26 Nationen schlagen in Heilbronn im Einzel und Doppel auf, angeführt von Deutschland (16 Profis), den USA (6) und Argentinien (5). Nicht zu vergessen die Schiedsrichter mit dem Australier John Blom und die Linienrichter-Familie (siehe Text rechts) mit ihren Mitgliedern aus Polen, Indien, Österreich der Ukraine und Griechenland. Doch manchen Zuschauern drängt sich der Eindruck auf, dass die Farben Schwarz, Rot und Gold diesmal etwas unterrepräsentiert sind. Stimmt.

Fünf deutsche Profis im Hauptfeld

Nach den Finals der Qualifikation am Montag steht fest, dass bei der achten Auflage des Challengers am Trappensee fünf deutsche Profis im Hauptfeld dabei sind - nur fünf: So wenige waren es noch nie. Die Spanne bewegte sich bisher zwischen sechs (2014, 2017) und 13 (2018). "Das hat vier Gründe", zeigt sich Metehan Cebeci wenig überrascht.

Die Tenniswelt ist besonders bunt
Mit Mühe in der ersten Runde: Bernabé Zapata Miralles aus Spanien.  Foto: Berger, Mario

"Wir haben zum einen mehr deutsche Spieler unter den Top 100", sagt der Turnierdirektor, "die die Chance haben, bei höheren Turnieren zu spielen." Stimmt. Derzeit sind es mit Alexander Zverev (Nummer 3), Oscar Otte (58), Daniel Altmaier (66), Dominik Köpfer (75), Jan-Lennard Struff (93) und Peter Gojowczyk (99) sechs - nur Gojowczyk war noch nicht beim Neckar-Cup dabei. Vor einem Jahr standen nur vier Deutsche in den Top 100 (Zverev, Struff, Köpfer und Yannick Hanfmann).

Zwei Verletzte

"Zweitens", fährt Cebeci fort, "haben wir einige Verletzte." Zum Beispiel schon länger Struff und Köpfer, seit vergangener Woche Mats Moraing (120) und Cedrik-Marcel Stebe (211), die für Heilbronn erst gemeldet, dann abgesagt haben. Am Trappensee erwischte es auf dem Platz in den Finals der Qualifikation gestern Julian Lenz (291) und Johannes Härteis (512).

Dritter Punkt: "Es gibt ein neues parallel ausgetragenes Challenger in Zagreb", sagt Metehan Cebeci. Dort starten Maximilian Marterer (207) und Daniel Masur (229). Am gewichtigsten dürfte Punkt vier sein: "Leider wird der Kader nicht größer", umschreibt Cebeci das Loch in der Weltrangliste - so viele Deutsche im Bereich zwischen 100 bis 300 in der Weltrangliste gibt es nicht mehr. Und Perspektive fehlt: Der beste deutsche Teenager Max Rehberg - der 18-Jährige schlägt dank einer Wildcard heute in der ersten Runde des Neckar-Cups auf - steht auf Platz 1062.

Die Tenniswelt ist besonders bunt
Druckvoll ins Achtelfinale: Daniel Elahi Galan aus Kolumbien.  Foto: Berger, Mario

Ziel: Lange dabeibleiben

Bundestrainer Michael Kohlmann hat natürlich Recht, wenn er auf Daniel Altmaier, Rudolf Molleker (467), Nicola Kuhn (258), Max Rehberg und Henri Squire (353) verweist und sagt: "Das sind ja fünf junge, aufstrebende Spieler, die hoffentlich in Heilbronn lange im Turnier bleiben."

Auch ein Faktor: Nationenwechsel. Der 27-jährige Deutsch-Libanese Benjamin Hassan aus Merzig ist 2020 deutscher Meister geworden, startet aber seit 2018 unter libanesische Flagge, weil er für den Libanon im Davis-Cup spielt. Dafür steht hinter Nicola Kuhn nicht mehr wie noch im Vorjahr beim Neckar-Cup "Spanien", sondern "Deutschland".

Wiedersehen im Fernsehen

Wie auch immer, Metehan Cebeci ist mit seinem Teilnehmerfeld sehr zufrieden und sagt: "Man sollte nicht große Namen erwarten, sondern sich die Namen der jungen Spieler merken. Viele von ihnen werden wir in den nächsten Monaten im TV wiedersehen." Er nennt zum einen den 19-jährigen Schweizer Dominic Stricker, zum anderen den 20 Jahre alten Taiwanesen Chun-hsin Tseng. Der zog gestern mit einem lockeren Zwei-Satz-Sieg ins Achtelfinale ein. "Wenn ich keine Turniere spiele, trainiere ich in Wiesbaden", sagt das Leichtgewicht mit Potenzial, das seit ein paar Monaten vom Deutsch-Iraner Benjamin Ebrahimzadeh trainiert wird. Ja, die Tenniswelt ist besonders bunt. "Er gibt mir sehr viel Rückhalt", sagt Tseng. "Seit ich mit ihm zusammenarbeite, läuft"s." Seit Dezember hat er bei fünf Challengern im Finale gestanden, dreimal ging er als Sieger vom Platz.

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