Interview
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DEL2-Talententwickler Marius Riedel: "Das Perspektiv-Camp ist aussagefähig"

DEL2-Talententwickler Marius Riedel spricht im Interview über die Ziele des Perspektiv-Camps in Heilbronn, wie die 48 Teilnehmer ausgewählt wurden und wie die Nachwuchsspieler an das Profigeschäft herangeführt werden sollen.

Stephan Sonntag
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Lesezeit 3 Min
DEL2-Talententwickler Marius Riedel: "Das Perspektiv-Camp ist aussagefähig"
DEL2-Talent- und Standortentwickler Marius Riedel am Mittwoch in der Heilbronner Eishalle zum Start des Perspektiv-Camps. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Am Mittwochmittag sind 48 der besten deutschen Nachwuchsspieler in Heilbronn eingetroffen. Die 15- bis 17-Jährigen nehmen bis Sonntag am dritten DEL2-Perspektiv-Camp teil. DEL2-Talent- und Standortentwickler Marius Riedel ist für die Durchführung federführend verantwortlich. Im Stimme-Gespräch erläutert der 33-Jährige den Ablauf und die Ziele des Camps.

 

Herr Riedel, warum fiel für die dritte Auflage des DEL2-Perspektivteams die Wahl auf Heilbronn als Ausrichter?

Marius Riedel: Entscheidend ist, dass die Verantwortlichen Lust auf die Durchführung haben. Mit Jan Hey und Martin Siskovic waren ja zwei Heilbronner Trainer bereits vergangenes Jahr in Weißwasser mit dabei. Das ist natürlich von Vorteil, weil sie wissen, was auf sie zukommt und worauf es ankommt. Das erleichtert die Aufgabe. Zudem hat sich HEC-Geschäftsführer Michael Rumrich sehr engagiert.

 

Was ist das Ziel des Camps?

Riedel: Ganz allgemein gesagt natürlich die Nachwuchsförderung. Konkret erfolgt die in zweierlei Hinsicht.

 

Erstens?

Riedel: Mit Blick auf die Vereine. Die DEL2-Clubs müssen im Jugendbereich ja bestimmte Vorgaben nach den Kriterien des Fünf-Sterne-Programms des Deutschen Eishockey Bundes erfüllt sein. Bisher mussten drei Sterne erreicht werden, ab der kommenden Saison sind es deren vier. Wer diese Bewertung nicht erreicht, muss eine Strafe an die Liga zahlen. Daraus wird unter anderem das Perspektiv-Camp finanziert. Ziel ist es aber nicht, möglichst viele Strafen einzukassieren, sondern die Clubs dazu zu bewegen, dieses Geld in die eigene Nachwuchsförderung zu investieren.

 

Und zweitens?

Riedel: Mit Blick auf die Spieler. Top-Talente aus den Clubs können kostenlos am Camp teilnehmen, werden hier auf- und abseits des Eises von 15 erfahrenen Trainern geschult und auf eine mögliche Profikarriere vorbereitet.

 

Wie wählen Sie die Kandidaten aus? Es durfte sich ja jeder bewerben.

Riedel: Das ist richtig. Wir haben 48 Plätze für 40 Feldspieler und acht Torhüter. Jeder DEL2-Club darf wenigstens zwei Spieler schicken. Wer nicht von einem DEL2-Club kommt, muss quasi Nationalspieler sein, also Top-Niveau mitbringen. Es sind auch Spieler von DEL-Clubs dabei.

 

Gibt es in der DEL ein Äquivalent zum DEL2-Perspektiv-Camp?

Riedel: Ja, es gibt die DEL-Future-Camps. Die richten sich allerdings an die Altersklassen U13 und U15, während wir auf die U17 abzielen.

 

Warum nimmt die DEL2 die älteren Jahrgänge in den Blick?

Riedel: Das hat mit der U21-Förderspielregelung in der DEL 2 zu tun. Jeder Verein muss zwei U21-Spieler auf dem Spielbericht stehen haben, die einen festen Vertrag besitzen. Das Camp dient auch dazu, dass die Vereine sehen können, welche Spieler für diese Stellen in Betracht kommen und wie gut der eigene Nachwuchs im Vergleich zur Konkurrenz da steht. Die Vereine können sich also durch das Camp einen Überblick über die Nachwuchssituation in Deutschland verschaffen.

 

So ein Camp bildet aber ja nur eine Momentaufnahme über das Leistungsvermögen eines Spielers ab.

Riedel: Einerseits ja, andererseits lässt sich nach fünf Tagen schon viel ablesen. Wer beißt sich angesichts der hohen Belastungen durch? Wer bringt auch am fünften Tag noch die Qualität aufs Eis? Wer sagt am dritten Tag, mir reicht's? Das Camp ist schon aussagefähig.

 

Wie viele der bisherigen Camp-Teilnehmer haben denn den Sprung ins Profigeschäft geschafft?

Riedel: Es gibt eine Menge Spieler, die in den ersten beiden Camps waren und jetzt einen Fördervertrag für die kommende Saison unterschrieben haben. Das haben die natürlich nicht geschafft, weil die in einem der Camps waren, sondern weil sie einfach gute Spieler sind.

 

Das Training auf- und abseits des Eises wird mit Vorträgen ergänzt. Worum geht es dabei?

Riedel: Der Verein "Hockey is Diversity" informiert über sein Engagement gegen Rassismus und Diskriminierung sowie seinen Einsatz für eine Willkommenskultur im Eishockey. Es gibt auch eine Schulung zum Verhalten in den sozialen Medien. Was kann man da posten, was sollte man besser nicht öffentlich machen? Die Schiedsrichter informieren über neue Regeln.

 

Es gibt ja im Rahmen des Camps auch einen Schnupperkurs für angehende Referees.

Riedel: Der ist tatsächlich eine Premiere. Wir haben in Deutschland eben nicht nur zu wenige Eishockeyspieler, sondern auch zu wenige Schiedsrichter.


Zur Person

Der aus Halle an der Saale stammende Marius Riedel lernte in seiner Heimatstadt das Eishockeyspielen und war für die Saale Bulls Halle in der Regionalliga aktiv. 2017 wechselte der ledige 33-Jährige als Nachwuchstrainer zu den Adlern Mannheim und gehörte auch zum Trainerstab des Deutschen Eishockey Bundes (DEB). 2020 übernahm er die neu geschaffene Stelle des Talent- und Standortentwicklers bei der DEL2. Ab 1. September wird Riedel Cheftrainer seines Heimatvereins in der Oberliga.

 

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