Reitsport
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Beim RV Bad Friedrichshall steigt mit zwei Jahren Verspätung die heiß ersehnte 50er-Party

Der RV Bad Friedrichshall richtet zum 50. Mal sein Reitturnier aus. Auch wenn Springprüfungen fehlen, werden von Freitag bis Sonntag 320 Pferde bei 13 Prüfungen erwartet. Auch hohe Temperaturen sind ein Thema.

Lars Müller-Appenzeller
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Lesezeit 3 Min
Beim RV Bad Friedrichshall steigt mit zwei Jahren Verspätung die heiß ersehnte 50er-Party
Ihr dritter Streich, der drei Jahre zurück liegt: Simone Kinzinger vom Hammberger Hof in der Nähe von Ittlingen hat 2019 mit Happy Harley die wichtigste Prüfung beim Turnier des RV Bad Friedrichshall zum dritten Mal gewonnen. Foto: Archiv/Müller-Appenzeller  Foto: Müller-Appenzeller, Lars

Wie wir alle wissen, kam alles ganz anders: Am dritten Juli-Wochenende 2020 hätte das 50. Reitturnier des RV Bad Friedrichshall stattfinden sollen. "Wir wollen das Springen dann wieder dabeihaben, die ganze Palette zeigen, die der Reitsport bietet", sagte Wolfgang Beger, der Erste Vorsitzende des umtriebigen Reitervereins, bei der 49. Auflage 2019. Aufgrund der Pandemie steigt die sportliche 50er-Party auf der Anlage am Mühlwörth nun zwei Jahre später, ab diesem Freitag bis zum Sonntag. Aber wie schon seit 2017 als reines Dressur-Turnier. Ohne die Springer-Familie.

Wolfgang Beger hat etwas zu sagen. Das liegt auch daran, dass der 75-Jährige ebenfalls stramm auf die 50 zu marschiert: "2024 werden es 50 Jahre im Ehrenamt beim RV Bad Friedrichshall sein: 1974 bis 1976 war ich Kassier - seither bin ich Erster Vorsitzender." Sagenhaft. Der ehemalige Bankdirektor, der 2024 sein Amt aufgeben wird, sagt: "Die Aufgabe hält mich fit: Man hat immer mit jungen Leuten zu tun." Und die Anforderungen verändern sich. So wie jetzt gerade.

320 Pferde werden bei 13 Prüfungen erwartet

Früher seien beim Turnier 700 bis 800 Pferde dabei gewesen, zum Teil habe man bereits am Donnerstag begonnen. "Ab 2016 kam der Einbruch", erzählt Wolfgang Beger. Zehn bis elf Starter im S-Springen stellten die Sinnfrage - die der RV Bad Friedrichshall mit der Spezialisierung auf den Dressur-Sport beantwortete. Das funktioniert. "Die M- und S-Dressuren laufen phänomenal", so Beger. 26 Paare hatten sich zuletzt im Juli 2019 der S*-Prüfung gestellt, die zum dritten Mal Simone Kinzinger von der RG Hammberger Hof in der Nähe von Ittlingen gewann. Damals dauerte der Wettkampf drei Stunden. Diesmal gibt es in der wichtigsten, am Sonntagnachmittag ab 15 Uhr ausgetragenen Prüfung 33 Nennungen (unter anderem von Nathalie Butz vom RV Ilsfeld und von Paulina Lou Herrmann vom RC Güglingen). 320 Pferde werden es in den insgesamt 13 Prüfungen von Freitagmittag bis Sonntagnachmittag sein.

Aber man darf sich in diesen nach wie vor schrägen Zeiten nicht täuschen lassen. "In den kleineren Prüfungen ist ein Einbruch zu beobachten", sagt Beger, von Haus aus ein Mann der Zahlen. "Im Springen ist es ganz schlimm." Weshalb keine Rückkehr der eindeutig (noch) mehr Zuschauer anziehenden Springer angedacht ist. Aber dafür, dass man zwei Jahre habe pausieren müssen, könne man vor dem Anläuten der ersten Prüfung sehr zufrieden sein. Auch wenn das Zeigen der ganzen Palette des Reitsports ausfällt.

Düstere Erinnerungen an Vielseitigkeitsmeisterschaften

Dass die Dressur derzeit in der Turnierlandschaft so gut funktioniert, verblüfft. Denn es wird über sie im Vergleich zum nachvollziehbareren Springen wenig im Fernsehen gezeigt. "Das ist ein Manko", sagt Wolfgang Beger. Der im Laufe der vielen, vielen Turniere auch von Landesponyturnieren und den baden-württembergischen Meisterschaften in der Mannschaftsvielseitigkeit von 1979 bis 1981 zu berichten weiß. Einem düsteren Kapitel: "1980 stürzte eine Reiterin, die später im Klinikum am Plattenwald verstarb. 1981 brach sich ein Pferd das Genick." Die Kriminalpolizei bei einem Reitturnier, das will und braucht niemand.

Dass es am Wochenende kriminell heiß werden soll, beschäftigt Wolfgang Beger und seine Helferschar natürlich. "Wir haben gerade 33,5 Grad auf dem Turnierplatz gemessen", sagt der Funktionär am Donnerstagmittag. "Aber wir haben drei Leitungen Wasser gelegt, damit mehr Reiter ihr Pferd abspritzen können. Und wir hoffen, dass wir doch nicht so eine Riesenhitze bekommen." Damit die heiß ersehnte 50er-Party nicht zu hitzig wird.

Der 60 x 20 Meter große Wunsch bleibt vorerst ein Traum

Beim RV Bad Friedrichshall geht was: "Wir haben sieben Schulpferde und 262 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren", sagt Wolfgang Beger, der die Mitgliederzahl mit 443 angibt. Im Kindergartenalter gehe es los. Wobei: "Von zehn Kindern, die sich mal angemeldet haben, bleiben Jahre später zwei." Was dem Verein in der Gemeinde mit dem Pferd im Wappen definitiv fehlt: "Wir haben immer noch keinen 60er-Platz", sagt Wolfgang Beger. Das Turnier findet wie gehabt auf einem 40 x 20 Meter großen Platz statt, die 60 x 20 Meter bleiben vorerst ein Traum: "Ich scheue mich in diesen schwierigen Zeiten, 100.000 bis 150.000 Euro für einen größeren Platz auszugeben."

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