Beim Leuchtturmverein gehen die Lichter aus
Vlleyball-Oberligist TV Hausen meldet seine Mannschaft aufgrund von Spielermangel kurz vor dem Saisonstart ab. Es ist nicht der erste Rückzug des Vereins.

Bis vergangene Woche tauchte der TV Hausen im Spielplan für die Oberliga-Spielrunde auf. Jetzt steht vor der Platzierung in der Tabelle ein rotes X, das den Rückzug des Vereins markiert. Statt ab übernächster Woche den positiven Trend der vergangenen Rückrunde fortzusetzen, sind die Hausener raus aus der fünfthöchsten Liga. "Wir wussten, dass es knapp wird", sagt Ruben Link als Abteilungsleiter des TV Hausen.
In den vergangenen vier Wochen setzte eine Dynamik ein, die den Kader auf fünf Stammkräfte schrumpfen ließ: "Mit fünf Leuten macht es keinen Sinn, in die Saison zu starten", sagt Link. Schließlich stehen immer sechs gleichzeitig auf dem Spielfeld. Ein Trainingsbetrieb wäre unter den gegebenen Verhältnissen kaum möglich gewesen, wenn von 13 nur noch ein Quintett übrig bleibt. Einen Teil des Vorjahreskaders zieht es in die Heimat Sinsheim. Kahalil Al Helou (Knie) fehlt langfristig verletzt.
Der Sprung in die Oberliga ist für den Nachwuchs und Spieler der zweiten Mannschaft zu groß
Für die Spieler der zweiten Mannschaft aus der Spielgemeinschaft mit Kirchhausen wäre der Sprung aus der A-Klasse in die Oberliga zu groß, ebenso für die eigenen Nachwuchskräfte. "Da haben wir gerade ein Loch", sagt Ruben Link, das gewissermaßen aus dem ersten Rückzug, damals aus der 3. Liga im Jahr 2014, resultiert. Die angedachte Reaktivierung von Hausener Volleyball-Urgesteinen wie Fabian Buck oder Tobias Ballat als Retter in der großen Personalnot schlug fehl. Auch der angedachte Neustart in der Landesliga wurde verworfen. Zu groß ist die Gefahr, dass es am Ende gar keinen Volleyballsport beim TV Hausen mehr gäbe.
"Mir blutet das Herz, das tut sehr weh", sagt Gerhard Weeber, der als jahrzehntelanger Macher nicht mehr ins Tagesgeschäft involviert ist: "Für mich kommt es auch überraschend." Er erlebt nun schon zum dritten Mal einen unfreiwilligen Rückzug, einmal mit den Regionalliga-Frauen des TV Lauffen, nun zum zweiten Mal beim TVH.
In den vergangenen Jahren hat sich der TVH in der Oberliga etabliert
Jahrzehntelang waren die Zabergäuer der Volleyball-Leuchtturm der Region, mit ordentlicher Strahlkraft. Ganz oben mit dabei in der dritten Liga, bald zehn Jahre ist das her. Auf den damaligen Umbruch inklusive Rückzug in die Landesliga folgte in den vergangenen Jahren eine Etablierung in der fünftklassigen Oberliga.
Nun gehen die Lichter wohl endgültig aus, was Spitzenvolleyball anbelangt. "So ein Rückzug schmerzt uns als Verband", sagt Martin Walter, der Präsident des Volleyball-Landesverbands Württemberg. Klar ist auch ihm: "Das Niveau lässt nach, wenn Teams oben wegbrechen", sagt Walter. Verbandsintern wurde zuletzt viel diskutiert über kleinere Runden mit weniger Spielen oder Doppel-Spieltage. "Das hätte an unserer Situation allerdings nichts geändert", sagt Ruben Link.
Für den späten Rückzug sehen die Regularien eine Strafe von 200 Euro vor
Die Landesligisten aus Flacht und Waldenburg hatten zuletzt eine Relegation für die Oberliga ausgespielt, am Ende verpasste selbst Sieger Flacht den Sprung nach oben. "Die machen keine Vorwürfe, denn der TVH hat ja bis zum Ende darum gekämpft, am Spielbetrieb teilzunehmen", sagt der Bezirksvorsitzende Gerhard Weeber. Eine Strafe von 200 Euro sehen die Verbandsregularien für den späten Rückzug vor, denn Spielpläne waren bereits gemacht, Hallen und Schiedsrichter bereits eingeteilt.
Volleyball wird immer mehr zum Hobby- und Breitensport im Freizeitbereich mit Mixed-Teams. "Es ist zwar gut, dass die Leute nicht verloren gehen, aber für den Leistungssport ist es schlecht", sagt Martin Walter. Fakt ist: Für den Spitzensport mit Leistungsgedanke geht im Land der Volleyball-Hochburgen Friedrichshafen (Männer) und Stuttgart (Frauen) an mehr und mehr Standorten das Licht aus. "Wir werden dadurch zur Randsportart, die nur noch an Stützpunkten gespielt wird", sagt Gerhard Weeber als Bezirks-Vorsitzender.
Zwei Bezirksligisten
Langjährige Leistungsträger des TV Hausen wie Pascal Walter und Chris Geiger sind nun auf Vereinssuche und trainieren gerade bei Teams wie Ludwigsburg mit. Die höchstklassigen Unterland-Teams im Bezirk Nord sind nun die Bezirksligisten TSV Willsbach und SG TSV Talheim/TGV Abstatt. fhu
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