Ausnahme-Amateure Speidel und Müller glänzen im kleinen Güglinger Feld
Sven Speidel und Jan Müller erfreuen auf dem Reiterhof Faller in der schwersten Springprüfung. Die Teilnehmerzahl sorgt hingegen für Bedauern.

Die Leckerlis hat sich Dawson verdient. Sven Speidel vom RV Ilsfeld hat für seinen elfjährigen Wallach eine Hand voll Freude. Die beiden waren die Besten in der schwersten Springprüfung des Reitturniers in Güglingen-Frauenzimmern, am Sonntag in der schweren M**-Prüfung mit Stechen nicht zu schlagen. Der 43-Jährige aus Sachsenheim ist Vollblutamateur, mit Dawson, seinem einzigen Pferd, das auf S-Niveau gehen kann, einer der besten Amateure in Deutschland. Das finale Springen auf dem Reiterhof Faller nahmen sie am Sonntag als Arbeitsprüfung.
"Mir war klar, dass Sven, wenn er im Stechen bei null Fehlern bleibt, nur ganz schwer zu schlagen ist", sagte Jan Müller (RV Ilsfeld), der mit Ciricu fast drei Sekunden mehr brauchte als sein Vereinskollege; Simona Sassi (RSG Oßweil) belegte mit Mister Jones und knapp zwei weiteren Extrasekunden Platz drei.
Müller ist mit seinem Hengst zufrieden
Jan Müller, ebenfalls ein ausgezeichneter Amateur, hätte wie vor einer Woche beim großen Turnier in Ilsfeld gerne gewonnen, war mit dem siebenjährigen Hengst aber mehr als zufrieden. Was der 42-Jährige bedauerte: "Es war sehr schade, dass wir so wenige Starter hatten." Nur neun Paare hatten sich im großen Finale den Aufgaben gestellt. "Schöner bekommt man es nicht", sagte Verena Kölz (SV Leingarten), die mit Quintino nach einem Fehler Fünfte wurde. Großer Sport, kleines Feld.
Stephan Faller und seine Helfer wurden in der Tat von allen Seiten für ihr mehr als 30 Jahre altes Turnier gelobt, vor allem für den Rasen. Seine Erklärung für die rückläufigen Zahlen in der Branche: "Das Niveau wird immer höher. Du musst besser reiten können als vor zehn Jahren", sagte Faller, der zufrieden Bilanz zog. Auch die Qualität der Pferde sei höher. Jan Müller bedauerte: "Wenn der Trend so bleibt, gibt es solche Turniere eines Tages nicht mehr." Reiten werde immer teurer. So komme es nicht auf das Talent an, sondern aufs Geld.
Talent Jonas Faller mit ärgerlichem Abwurf
Ein Talent ist zweifelsfrei Jonas Faller, der Neffe von Organisator Stephan Faller. Der 18-Jährige hatte mit seiner zehnjährigen Stute Wie eine Rakete den Parcours im Umlauf mit Bravour gemeistert, aber am letzten Hindernis mit der Hinterhand einen ärgerlichen Abwurf. "Trotzdem bin ich zufrieden", sagte der am Ende auf Rang vier platzierte junge Mann vom RC Güglingen. "Wir starten in zwei Wochen bei den baden-württembergischen Meisterschaften in Schutterwald, das Turnier hier war die perfekte Vorbereitung." Doch ab 1. Oktober geht ein Talent mehr oder weniger verloren: Dann beginnt Jonas Faller ein duales BWL-Studium in Heilbronn. "Das Studium geht klar vor, das Reiten lasse ich aber als Hobby weiterlaufen." Jonas Faller will sich dem Druck, vom Reiten leben zu müssen, nicht stellen.
Sven Speidel lebt auch nicht vom Reitsport - 150 Euro Preisgeld gab es am Sonntag. Im echten Leben ist der gelernte Industriemechaniker bei der Firma Bosch angestellt. Und am Wochenende auf Turnieren am Start. Dieses Jahr gibt es zwei große Ziele, so Speidel: Wie gehabt die Qualifikation für das Hallenchampionat in der Stuttgarter Schleyerhalle im November - schon bei der ersten von vier Qualifikationen haben Speidel/Dawson die Final-Teilnahme so gut wie gesichert, wurden Dritte. Zweites Ziel: Die Teilnahme an der Amateur-DM im September in Riesenbeck. Momentan belegt Jan Speidel Platz eins der Rangliste in Baden-Württemberg. "Mit dem Sieg hier habe ich die Position ein bisschen ausgebaut." Die Leckerlis hat sich Dawson verdient.
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