Harry Mergel trainierte einst bei Werder Bremen

Sport  Nicht alle wissen, dass die Bürgermeister Klaus Schifferer, Harry Mergel und Bernd Bordon eine sportliche Karriere hinter sich haben. Wir blicken zurück auf württembergische Karate-Meisterschaften, einem emotionalen Oberliga-Aufstieg und ein Probetraining bei Werder Bremen.

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46 Oberbürgermeister und Bürgermeister stehen im Landkreis Heilbronn den Städten, Gemeinden und Kommunen vor. Es ist ein zeitaufwendiger Job, der die Freiräume für private Unternehmungen mitunter stark einschränkt. Öffentliche Auftritte bei Ehrungsabenden, Weihnachtsfeiern oder Jubiläums-Veranstaltungen bei Vereinen gehören zum Alltag. Es bleibt wenig Zeit, um den eigenen Körper zu ertüchtigen. Und dabei blicken viele Rathaus-Chefs auf eine zum Teil erfolgreiche sportliche Vergangenheit zurück.

Klaus Schifferer: Kampferprobt ist Klaus Schifferer nicht durch seine Wahlkampfveranstaltungen seiner nunmehr 20-jährigen Amtszeit in Löwenstein. Als Bürgermeister besiegt er seine Kontrahenten in Anzug und Krawatte mit schlagkräftigen Argumenten. Als Heranwachsender und junger Mann warf er seine Gegner dagegen im weißen Kampfdress auf die Matte.

Klaus Schifferer trat mit 16 Jahren der Karateabteilung der SV Neckarsulm bei, die er später als Spartenleiter auch führte. Der heute 59-Jährige erkämpfte sich seine sportlichen Meriten in der Disziplin Goju-Ryu. "1978 wurde ich Vierter der baden-württembergischen Nachwuchsmeisterschaften", erzählt Schifferer.

Die Einstufung Nachwuchs habe weniger mit dem Alter zu tun, sondern mit dem unteren Gürtelstatus des Athleten. "Ich hatte damals den blauen Gürtel und zu meinen besten Zeiten trainierte ich viermal in der Woche." Es ging Schritt für Schritt im Farbenspektrum nach oben bis zum schwarzen Gürtel im 1. Dan.

1990 gründete Schifferer die Abteilung Karate beim TSV Binswangen und machte sich fortan als Trainer verdient, zog sich dann aber ab 1998 zurück, widmete sich mehr der Familie und der beruflichen Karriere. Und heute? "Ich bin Mitglied in einem Fitness-Studio, zahle dort zumindest den Beitrag und kicke gelegentlich noch in der Sportgemeinschaft der Bürgermeister des Landkreises Heilbronn", sagt Schifferer. In diesem Jahr gab es wegen Corona noch kein Spiel.

Der letzte Einsatz war im September 2019 in Emmendingen gegen die dortige Bürgermeisterauswahl. Personalbedingt war das Wechselkontingent beschränkt. "Gerd Kreider und ich mussten in der Abwehr durchspielen und waren hinterher völlig kaputt." Mit einem Augenzwinkern soll der Erlenbacher Amtskollege Uwe Mosthaf nach der Niederlage bemerkt haben, noch nie eine Abwehr gehabt zu haben, die so gestanden ist.

Bernd Bordon: Den Aufstieg in die Handball-Oberliga mit dem TSV Weinsberg im Jahr 2011 bezeichnet er als seinen größten sportlichen Erfolg: Bernd Bordon, der seit 2012 Bürgermeister von Untereisesheim ist. "Das war eine tolle Erfahrung", sagt Bordon über den Aufstieg. "Wir haben darauf viele Jahre hingearbeitet."

Mit dem Handball hat Bordon im Alter von etwa zehn Jahren angefangen. Zunächst in Neckarsulm. "Mit 19 Jahren war ich dann kurz in Oberstenfeld. Die spielten in der Regionalliga, da war ich aber mental und körperlich noch nicht so weit", gesteht Bordon.

Sportliche Bürgermeister: Vom Schwarz-Gurt bis zum Weinsberg-Treuen

Zur Halbsaison wechselte er deshalb in die erste Mannschaft des TSV Weinsberg, wo er bis zum Ende seiner sportlichen Karriere auch blieb. Knapp zehn Jahre Weinsberg, Vereinstreue ist heute ein seltenes Gut.

Das Handballspielen hat der 38-Jährige inzwischen komplett an den Nagel gehängt. "Der erste Grund aufzuhören war natürlich das Bürgermeisteramt", blickt Bordon auf das Ende seiner sportlichen Karriere Ende des Jahres 2011 zurück. "Aber auch mein Körper hat mir signalisiert, das es Zeit wird kürzer zu treten." Am meisten vermisse er das Adrenalin. "Es war das Privileg des Kapitäns, als erstes einlaufen zu dürfen. Bei einer vollen Halle bekommt man da schon eine Gänsehaut", erinnert sich Bordon.

Gänzlich sportlich inaktiv ist der Untereisesheimer deswegen jedoch nicht. "Coronabedingt hatte ich viel Zeit Rennrad zu fahren", so Bordon. Und auch im Fitnessstudio ist er oft anzutreffen. Die Aktivitäten des TSV verfolgt Bordon weiterhin, wenn auch primär in der Zeitung. "Aber meine zwei Töchter sind so langsam auch alt genug, um mal zu einem Spiel des TSV Weinsberg zu gehen", freut sich Bordon.

Harry Mergel: Bereits als Schüler spielte Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel für den VfR Heilbronn Fußball bis er 1974 zur Union Böckingen ging. "Den Wechsel über den Neckar habe ich nie bereut", erklärt Mergel. "Ich habe ihn meinem damaligen Förderer Alfred Finkbeiner zu verdanken." Der 1992 verstorbene Finkbeiner war Sportfunktionär sowie Rektor der Wilhelm-Hauff-Schule - Mergels Schule. "Aber ich hatte in beiden Vereinen eine wunderbare Zeit und pflege bis heute Freundschaften", sagt Heilbronns Bürgermeister.

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Mergels größter Erfolg fällt in die Böckinger Zeit. "Ein dreitägiges Probetraining bei Werder Bremen unter Sepp Piontek", ist sich Mergel sicher, war das Highlight seiner aktiven Fußballer-Zeit. Ihm und zwei Mitspielern sei ein Vertrag für die Amateur-Mannschaft angeboten worden - keiner hätte sie angenommen. "Man muss sagen, dass aus dieser Mannschaft Spitzenspieler wie Marco Bode oder Frank Ordenewitz hervorgegangen sind", erklärt Mergel. "Meine Entscheidung war aber richtig, aus mir ist ja dennoch was geworden." Von dem Probetraining geblieben ist ihm die Verbundenheit zu Werder Bremen. "Aber ich habe aber auch eine Dauerkarte für Hoffenheim", erklärt er, "denn guten Fußball schaue ich immer gerne, was dort ja meistens der Fall ist."

Selber auf dem Feld steht der 64-Jährige nicht mehr. "Das sage ich jetzt zum ersten Mal öffentlich", gibt er zu, "aber ich sage inzwischen nein, wenn Anfragen kommen. Das ist von der Belastung her eine spezielle Sportart, mit viel zu hoher Verletzungsgefahr."

Ganz auf Sport verzichtet der Heilbronner Bürgermeister deswegen jedoch nicht. So ist er regelmäßig beim Joggen auf seiner Heimstrecke am Gaffenberg anzutreffen und zählt auch Fahrradfahren zu seinen bevorzugten Sportarten. "Und Tennis", erzählt er, "aber dafür bleibt momentan leider zu wenig Zeit." Der Sport würde ihn bis heute prägen, so Mergel. "Ich habe dadurch Leistungswillen und Respekt vor anderen gelernt. Dinge die ich bis heute im Amt gebrauchen kann."

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

Draskovits

Katrin Draskovits

Volontärin

Katrin Draskovits arbeitet seit Oktober 2019 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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