Wer wird beim Neckar-Cup Nachfolger von Rekordsieger Krajinovic?

Tennis  Blick zurück: Die Titelträger von Heilbronn sind im Durchschnitt 23 Jahre alt und schaffen es in der Weltrangliste später irgendwann auf Platz 18. Doch es gibt eine Ausnahme.

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Hat 2017 und 2019 am Trappensee triumphiert: Filip Krajinovic.

Foto: Mario Berger

Wenn das der "Head of Men"s Tennis" im Deutschen Tennis Bund sagt, also der Nachfolger von Boris Becker, dann hat das Gewicht: "Die Siegerliste des Heilbronner Neckar-Cups liest sich sehr, sehr gut", hat Michael Kohlmann kürzlich im Stimme-Interview erklärt. Ein guter Grund, zurückzublättern, wenngleich die große Frage bei der siebten Auflage des Challenger-Turniers am Trappensee natürlich ist: Wer wird am 15. Mai als Nachfolger von Filip Krajinovic geehrt?

Die Erfahrung lehrt: Wer den Neckar-Cup gewinnt, macht Karriere - ist im Durchschnitt 23 Jahre alt, war in der Turnierwoche die Nummer 133 der Welt, wird sich im Ranking irgendwann einmal bis auf Platz 18 verbessern und 14 Davis-Cup-Spiele bestreiten. Aber keine Regel ohne eine Ausnahme.

Struff stieg bis auf Rang 29 empor

Der Auftakt war spektakulär. Bei der Turnier-Premiere 2014 glückte dem damals 24 Jahre alten und auf Platz 74 der Weltrangliste stehenden Jan-Lennard Struff als Nummer eins im Tableau ein glatter Durchmarsch. Es war sein erster Turniersieg auf Challenger-Ebene, eine Woche der Leichtigkeit. Wenige Monate später wurde der Warsteiner Davis-Cup-Spieler, schoss bis auf Platz 29 der Weltrangliste empor. Am Sonntag spielte Struff in München um den ersten Sieg bei einem ATP-Turnier. Vergebens: Es gab eine 4:6, 6:7-Niederlage gegen Nikoloz Basilashvili - mit dem gleichen Ergebnis hatte der Georgier das Finale beim Neckar-Cup 2016 gegen Struff gewonnen. Basilashvili war damals bei seiner anstrengenden Woche mit drei Dreisatzmatches ebenfalls 24 Jahre alt, die Nummer 125 der Weltrangliste, stand zwischenzeitlich auf Platz 16.

 

Keiner kommt an Zverev heran

Der Überflieger ist freilich Alexander Zverev. Als 18-Jähriger spielte er in Heilbronn sein letztes Challenger-Turnier, knackte mit seinem Turniersieg die Top 100 (in der Turnierwoche war er die Nummer 105) und ist längst die deutsche Nummer eins. Inklusive Grand-Slam-Final-Erfahrung und zwischenzeitlich Platz drei in der wöchentlich wechselnden Tennis-Hitparade.

Einen besonderen Platz in der Neckar-Cup-Geschichte wird für immer und ewig auch Filip Krajinovic innehaben. Der sympathische Serbe gewann 2017 und 2019. Unter völlig verschiedenen Voraussetzungen: Bei seinem Erstling war er 25 und Qualifikant, die Nummer 294 der Weltrangliste. Zwei Jahre später wurde der Wiederholungstäter auf Platz 69 notiert. Seine Topplatzierung: Rang 26. Was Krajinovic mit Basilashvili, Zverev und Struff gemeinsam hat: Sie alle sind Davis-Cup-Spieler, gehören zu den Besten ihres Landes.

Die große Ausnahme heißt Rudi Molleker

Bei den anfangs genannten Durchschnittszahlen der Neckar-Cup-Sieger wohlgemerkt nicht mitgerechnet ist die eine Ausnahme: 2018 gewann auf der Anlage des TC Heilbronn der 17 Jahre alte Wildcard-Spieler Rudolf Molleker, damals 497. der Weltrangliste. Dass der mittlerweile 20-Jährige (noch) nicht über Platz 146 hinausgekommen ist, hat einen Grund: Verletzungen.

Festzuhalten bleibt: Neckar-Cup-Sieger machen Karriere. Bestes Beispiel sind Kevin Krawietz und Andreas Mies. Die Doppelsieger von 2019 starteten anschließend bei den French Open richtig durch, sind mittlerweile zweimalige Grand-Slam-Sieger.

 

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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