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"Wer es zur WM schafft, hat auch gute Chancen für Olympia"

Interview mit dem Lauffener Ralf Schneider, der bei der Ringer-Europameisterschaft von Montag an in Bukarest als internationaler Kampfrichter dabei ist.

Von Stefanie Wahl
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"Wer es zur WM schafft, hat auch gute Chancen für Olympia"
Ralf Schneider hofft, sich bei der EM schon für Olympia in Tokio 2020 zu empfehlen. Foto: Hans-Michael Raiser

Am Montag beginnt die Ringer-EM in Bukarest. Als Kampfrichter ist der Lauffener Ralf Schneider in Rumänien dabei. Für den 49-jährigen Plattform-Manager gilt es, sich mit guten Leistungen bereits für die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 zu empfehlen.

 

Herr Schneider, heute geht es in Rumänien auf der Matte mit den Freistil-Duellen los, Sie haben aber schon zwei Tage Trainingslager hinter sich.

Ralf Schneider: So könnte man das ausdrücken. Samstag und Sonntag hatten wir eine zweitägige Schulung, in der wir auf die aktuelle Regelauslegung eingeschworen worden sind. Mit diesem Regelset geht es dann auch Richtung Olympia 2020.

 

Ihr Kampfrichter-Chef beim Ringer-Weltverband ist Antonio Silvestri, der einst in Neckargartach gerungen hat.

Schneider: Genau. Mit seinem türkischen Stellvertreter hat er die Fäden in der Hand. Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Seit er im Weltverband UWW tätig ist, hat sich einiges verbessert. Es ist transparenter geworden und es wird klar nach Leistung entschieden. Wenn dir ein Fehler unterlaufen ist oder du schlecht warst, triffst es dich eben auch mal. Toni Silvestri hat mit dem Präsidenten Nenad Lalovic dafür gesorgt, dass lange nicht mehr so viele Kämpfe verschoben werden. Jeder muss fürchten, dass es rauskommt. Alles ist digitalisiert - und man gerät flugs auf die Abschussliste. Das mussten einige Kampfrichter Anfang des Jahres erfahren.

 

Hat jemals jemand versucht, Ihnen einen faulen Deal anzudrehen?

Schneider: Nein, zum Glück noch nicht. Ich wäre dagegen auch immun, denn ich muss jeden Morgen in den Spiegel schauen können. Das käme für mich nie in Frage.

 

Wie und was trainiert ein Kampfrichter?

Schneider: Ich gehe ins Training nach Lauffen oder Neckargartach. Vergangene Woche habe ich auch bei den baden-württembergischen Meisterschaften agiert und mich mit dem Schiedsrichter-Chef von Württemberg ausgetauscht. Seit 1992 habe ich auch meine Einsätze in der 1. und 2. Bundesliga. Zudem halte ich mich körperlich fit und beschäftige mich immer mit dem Regelwerk.

 

Kommt Ihnen zugute, dass Sie einst selbst gerungen haben?

Schneider: Es hilft schon, wobei aus einem ehemaligen guten Ringer nicht unbedingt ein guter Schiedsrichter wird. Antonio Silvestri ist da eher die Ausnahme. Aber fast alle haben früher mal gerungen, es hilft, den Kampf besser zu lesen. Ab und an tausche ich mich auch mit dem Bundestrainer aus oder bin mal bei einer Trainingseinheit dabei, um noch ein besseres Verständnis für die Technik zu haben.

 

Die Athleten blicken bereits Richtung Tokio 2020. Sie auch?

Schneider: Ja. Ich bin jetzt bei der EM, Anfang Juni bei der Junioren-EM in Spanien. Danach wird der Kader für die WM bestimmt. Wenn es schafft, da auf der Liste zu stehen, hat auch gute Chancen, bei Olympia nächstes Jahr dabei zu sein. Das entscheidet eine Kommission, deren Vorschlagsliste segnet dann der Präsident endgültig ab.

 

Und wie stehen Ihre Chancen?

Schneider: Aus Deutschland sind es drei Schiedrichter. Mit Uwe Manz ein sehr routinierter, ein junger Kollege aus der Nähe von Aschaffenburg und ich. Hierzulande haben wir ein sehr gutes Niveau, so dass es zwei schaffen könnten. Die Chance ist also da. Es gilt, in Rumänien eine sehr gute Leistung zu zeigen.

 

Könnten Sie theoretisch einen Kampf von Eduard Popp leiten?

Schneider: Nein, das ist ausgeschlossen. Es gibt inzwischen ein elektronisches System, das auslost. Ich bin darin für alle Kämpfe deutschsprachiger Nationen gesperrt - und das ist auch gut so.

 

Infos zur Ringer-EM unter www.ringen.de/europameisterschaften

 

 

 

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