Wenn der Schlotterbeck starr vor Schreck ist

Fußball  Eine Seifert-Oper als Krippenspieltag 2.0. Nicht ganz ernst gemeinte Bundesliga-Besinnlichkeit mit Santamaria, Roussillon vom Agu-Rind und Boeuf Egloff.

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Illustration: lukbar/stock.adobe.com, HSt

Selten hat die Fußball-Bundesliga so viel Licht in die Welt gebracht, ihr Hygienekonzept war im verrückten Corona-Jahr 2020 globales Vorbild. An Heiligabend sendet die Deutsche Fußball Liga um Geschäftsführer Christian Seifert den nächsten Lichtblick aus: Die Bundesliga-Familie kommt in ihrer Blase zusammen, um mit einer Art Seifert-Oper, dem Krippenspieltag 2.0, die Herzen der Menschen zu erwärmen.

Seifert hat schnell einen Verbündeten gefunden, der nicht für Flick-Schusterei steht, sondern für Verlässlichkeit: Christian Streich sorgt für Lichte im Dunkel, koordiniert alles. Der Trainer des SC Freiburg bringt Santamaria mit - eine Schlüsselposition wäre also schon besetzt. "Gruezo Zeefuik", schimpft Streich, der Beier, "wer macht den Josef?"

Musiala- und Brandt-Wein

Es ist wie immer, die unwichtigen Dinge sind rasch geklärt: Sargent übernimmt die Security beim großen Treffen der Bundesliga-Familie, Geiger mit van der Hoorn die Musik, Rose die Tischdeko, Füllkrug den Getränkeservice, schenkt vorab beim Stevens-Empfang Musiala- und Brandt-Wein aus. Wer großen Dost hat, bekommt reines Wasser, Reyna geht"s nicht.

Zu essen gibt es Exotisches vom Grillitsch wie Mavropanos und Czichos, Roussillon vom Agu-Rind, Boeuf Egloff, Dabbur von der Samassekou, Niakhaté-Spieße, ein Zentner Marmoush-Hack mit Thuram nach Traoré-Art, ein Zuber Gulacsi aus dem Baku-Ofen, für die Fisch-Freunde Langer Uduokhai fangfrisch aus der Reus, Moukoko-Reis aus der Prietl-Pfanne mit einem Schöpf Akanji-Sosa, ein Leckie Wosz-Salat mit Sommer-Bellarabi von Halstenberg, Erlesenes vom Kohfeldt und zum Nachtisch Pavlenka auf einem Cissé-Beet mit Splittern von der Adamyan-Nuss sowie Griesbeck vom Becker. Herrlich! Als Absacker steht Bailey auf der Karte, dazu Kaffee von Jakobs in der genau richtigen Hitz mit Schlager-Sané - die Krönung.

St.Juste liegt im Haaland, mitten im Möhwald

Und die Location? Klar, St. Juste: Die großzügige Kirche liegt im Haaland, mitten im Möhwald, am Fuße des Forsberg, der im Stambouli gipfelt, einem Vulkan, auf dessen Hoeneß oft Nebel gibt. Ebenso unten um St. Juste - die Kirche liegt direkt am Katterbach. Ja, im Möhwald verirrt man sicher gerne. Ob alle Spieler den Weg finden? Aber Horst, Ndicka Wild-Hütter und Förster, ist quasi überall. Er ist ein viel nach dem Weg gefragter Mann, alle rufen ihn deshalb Weghorst. Er wird Hirte sein.

Streich und Seifert nicken sich zu. Das passt, aber sie haben Jedvaj Gefühl für die Zeit verloren. Onisiwo sagten sie: "Wer macht den Josef?" Da ertönen schreckliche Geräusche, Glas splittert. Bis zu diesem Moment war alles stimmig - elfstimmig, um genau zu sein. Denn es singt der Fischer-Kohr mit Klauss, Rudy, Heintz, Friedrich, Arnold, Herrmann, Gerhardt, Philipp, Burkardt, Anton, Massimo, Friedl, Steffen, Ludewig und Kilian. Richtig gezählt, das sind 15 Jungs - man braucht schließlich Auswechselsänger. Beim Singen des Hradecky-Marschs liegen sie alle eine Terzic daneben; nach der Probe muss der Glasner kommen. Seifert macht einen großen Seufert.

Ein Hahn, ein Wolf, doch leider ist der Oxford

Natürlich wirken am Krippenspieltag Tiere mit: ein Hahn, ein Wolf, Löwen, sogar Hummels, Professor Ginczek hätte seine wahre Freude. Aber leider ist der Oxford. "Egal", sagt Streich, "der kam ja nicht als Josef in Frage." Seifert überlegt: "Hm. Vielleicht haben die im Kölner Keller eine Idee?" Jeder, der über die Wendell-Treppe dort hinuntersteigenden Richter sei schließlich ein Weiser Mann. Streich tobt: "Ist das ein Groß Gikiewicz oder nur ein kleiner Witsel? Wendell-Treppe? Spitzbubenleiter wäre passender!"

"Und wie wäre es eigentlich", setzt Seifert nach, "mit Hilfe der Videoschiedsrichter das Fußball-Ballett wiederzubeleben?" Streich schnaubt: "Ich habe den Schlotterbeck darauf angesprochen. Er ist ein ängstlicher Typ, aber sehr beweglich, weil nur Haut und Gumny-Knoche. Er war Sarr vor Schreck: Er will nicht den Kampl-Mann machen und aufgezogen wie ein Mascarell-Hase herumhüpfen! Und wenn der Schlotterbeck nicht mitmacht, macht keiner mit." Seifert hat einen Klos im Hals, nickt und sagt: "Okay, du bist der Bosz!"

Die frohe Kunde: Nagelsmann macht den Josef

Streich beschließt, in der Kneipe neben der Kirche nach einem potenziellen Josef zu fragen, Kostic es, was es wolle - es ist ein Neuer Wirtz drauf, er heißt Matarazzo, Typ Kimmich heut" nicht, Kimmich morgen. Er bietet auch weiche Schlafgelegenheiten an, drüben in einem Stall mit einem Kaminski. Kein Palacios, aber ein Neuhaus. Jedenfalls ist Matarazzo gut gekleidet, hat Osako an, dazu eine Latza-Hose. Ja, das ist Schick! "Ihr sucht also einen Josef", sagt Matarazzo. "Ich kenne da jemanden, der ist zwar nicht Zimmermann, aber auch Handwerker, nämlich Nagelsmann!" Das ist die frohe Kunde: Der Nagelsmann macht den Josef, wenngleich er mit seinem knabenhaften Gesicht auch das Jesuskind spielen könnte. Aber die Rolle von Josefs Sprössling ist Finnbogason versprochen.

Es kehrt Ruhe ein, Seifert lächelt: Das Streich-Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Kamera läuft. Die Bundesliga als Silva-Streif am Horizont. Da ertönt ein gefühlvolles Boateng: Es ist Angelino, das Engelchen, mit dem Bellingham, dem Glöckchen. Fröhliche Weihnachten!

Wer suchet, der findet

Weihnachten ist diesmal wie Ostern: Wer mag, kann etwas suchen. Namen von 16 aktuellen Trainern der Fußball-Bundesliga sind in dieser wortwitzigen Geschichte versteckt. Zudem kommen 115 Spieler zum Einsatz, die an den bisherigen 13 Spieltagen der Saison 2020/21 auf dem Feld standen.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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