Wenn der Kopf frei ist: Luca Jung klettert zu Bronze, Helena Waltz auf Platz neun

Klettern  19-Jähriger aus Cleebronn überrascht bei den süddeutschen Meisterschaften. Waltz ist im Abitur-Stress und legt eine Punktlandung hin, ist für die DM qualifiziert.

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Luca Jung (links) und Helena Waltz hatten bei den süddeutschen Meisterschaften in der Kletterarena Heilbronn ein Heimspiel. Nun geht es für das Duo Anfang Juni zu den deutschen Titelkämpfen nach Bochum. Fotos: Alexander Bertok

Verletzungspech, daraus resultierend nur wenige Trainingseinheiten und dazu noch Abiturstress - Helena Waltz hatte den Kopf für ihren Sport nicht frei. Die süddeutschen Meisterschaften in der Disziplin Bouldern waren für die Kletterin der Sektion Heilbronn des Deutschen Alpenvereins denkbar ungünstig terminiert. Es reichte dennoch zu Rang neun. "Ich bin damit für die deutschen Meisterschaften qualifiziert, das war auch mein Ziel", sagte Waltz nach ihrer Punktlandung trotz aller Widrigkeiten - Platz zehn hätte nicht gereicht. Was möglich ist, wenn der Kopf frei ist und man sich perfekt auf einen Wettkampf vorbereiten kann, zeigte Teamkollege Luca Jung als Drittplatzierter, der ebenfalls zur DM fahren darf. Rang 27 wurde es für den dritten Vertreter aus der Region, Ulli Degel aus Eppingen.

Erstmals seit dem sportlichen Lockdown Anfang November 2020 wurde endlich wieder um eine Meisterschaft geklettert. Für das Trio aus dem Unterland war es dann auch noch ein Heimspiel, war doch die DAV-Sektion Heilbronn am Samstag Ausrichter der Titelkämpfe. Wegen der Coronavirus-Pandemie ohne Zuschauer mit einem auf Kaderathleten begrenzten Teilnehmerfeld und unter strengen Hygiene-Vorschriften. "Wir wurden von allen Beteiligten sehr gelobt, für die Organisation und Durchführung der Veranstaltung, wie auch für unsere Sportstätte", freute sich der Heilbronner Leistungsreferent Claudius Waltz.

Jung ist zufrieden, hat seinen Rhythmus gefunden

"Ich bin sehr zufrieden, da ich nicht erwartet habe, dass es so gut läuft. Das war cool", strahlte Luca Jung, der in Stuttgart Technische Kybernetik (Steuerungs- und Regeltechnik) studiert und auch in der Landeshauptstadt wohnt. "Das passt ganz gut, da ich so auch zweimal in der Woche trainieren kann und inzwischen meinen Rhythmus gefunden habe."

Der aus Cleebronn stammende Bronze-Gewinner musste in der Qualifikation am Vormittag jedoch bange Minuten überstehen, rutschte als Zehnter gerade noch so in den am späten Nachmittag durchgeführten Finaldurchgang. "Ich hatte das nötige Glück", sagte der 19-Jährige erleichtert nach seinem bisher größten sportlichen Erfolg. 2020 war Jung baden-württembergischer Vizemeister der Jugend A geworden. Nun geht es erstmals zu den deutschen Meisterschaften, die im Rahmen der Ruhr-Games am 5. und 6. Juni in Bochum stattfinden. "Dort das Halbfinale zu erreichen, ist für mich ein gutes Ziel", blickte Jung schon mal zuversichtlich voraus.

Waltz plagt sich seit zwei Jahren mit Handgelenkverletzungen herum

"Es war mein erster Wettkampf seit den Süddeutschen im September des vergangenen Jahres", erzählte Helena Waltz, die schon da gehandicapt an den Start gegangen war, aber ebenfalls das Finale erreicht hatte. "Ich bin jetzt seit zwei Jahren an beiden Handgelenken verletzt und musste zu Anfang des Jahres eine zweimonatige Wettkampfpause einlegen, wegen Wassereinlagerungen und überlasteten Sehnenansätzen."

Aktuell sind die Beschwerden noch vorhanden, wenn auch nicht mehr ganz so hinderlich, dafür ist Waltz in der Schule umso mehr geordert. "Ich schreibe gerade mein Abitur", berichtete die 19-Jährige. Am Montag stand die Prüfung in Mathematik an. Selbst am Samstag wurde in den Stunden zwischen Vorkampf und Finale kräftig gebüffelt. In den zurückliegenden drei Wochen waren die Prioritäten somit anders gesetzt, Zeit für Boulder-Einheiten blieb da nicht. "Ich habe lediglich am Dienstag trainiert und den Wettkampf daher rein als Quali für die DM mitgenommen." Rang neun reichte dafür gerade noch so.

Nach dem Abi ist eine intensive Trainingsphase geplant

"Das Finale zu erreichen war mein Ziel, und ich war mir auch sicher, dass das funktioniert", sagte die Noch-Schülerin des Gustav-von-Schmoller-Wirtschaftsgymnasiums in Heilbronn, die mit ihrer Leistung dennoch nicht zufrieden war. "Ich glaube, einen gewissen Anspruch an sich selbst muss man als Sportlerin haben." Nach dem Abi hat sie dann wieder mehr Zeit, "dann kann ich eine intensive Trainingsphase einlegen und hoffe, dass es dann bei den deutschen Meisterschaften endlich wieder richtig gut läuft". Dann wieder mit einem freien Kopf für den Sport.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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