Wenn 22 Fußballer vor einer Leichtathletin stramm stehen

Leichtathletik  Laura Müller wird in Öhringen vor dem Landesliga-Derby für ihre beiden deutschen Meistertitel geehrt. Viele Geschenke für das deutsche Nachwuchstalent.

Email

Die Fußballer stehen Spalier während Leichtathletin Laura Müller von der Stadt Öhringen und der TSG geehrt wird.

Fotos: Marc Schmerbeck

Es war die Ouvertüre am Mittwochabend. Aber was für eine. Mit leeren Händen betrat Laura Müller den Rasen des Otto-Meister-Stadions. Mit den Armen voller Geschenken verließ sie ihn wieder. Blumen, ein Badetuch sowie Bargeld und einen Scheck bekam die 16-Jährige überreicht. Für Vater und Trainer Wolfgang Müller gab es Wein und einen Gutschein.

Während die Leichtathletin der TSG Öhringen von Stadt und Verein für ihre zwei deutschen Meistertitel bei der deutschen U18 Meisterschaft im Heilbronner Frankenstadion geehrt wurde, standen die Fußballer der TSG und dem TSV Pfedelbach stramm. Das anschließende Landesliga-Derby entschieden die Gäste mit 1:0 für sich.

Einweihung der neuen Flutlichtanlage

"Nachdem wir nächstes Jahr wohl keine Sportlerehrung machen können, weil die meisten Wettkämpfe ja ausgefallen sind, habe ich mir gedacht, wir könnten die Ehrung für Laura Müller vor dem Derby und der Einweihung der neuen Flutlichanlage machen", sagte Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler. Eine gute Idee für einen würdigen Rahmen. "Ich als OB bin sehr stolz darauf, drei so erfolgreiche Sportler in Öhringen zu haben", sagte er. Neben Müller meinte er damit die dreifachen Kunstrad-Weltmeister Serafin Schefold und Max Hanselmann vom RV Öhringen. "Alle freuen sich über deren Leistungen und fiebern mit", sagte Michler.

In Deutschland absolute Spitze und in Europa vorne dabei

Wenn 22 Fußballer vor einer Leichtathletin stramm stehen

Reichlich beschenkt wurden Laura und Wolfgang Müller.

Müller holte sich die U18-Titel im Weitsprung und über 100 Meter. Und wie groß das Talent der Hohenloher Sportlerin des Jahres 2019 ist, zeigen ihre Bestleistungen. 11,63 Sekunden über 100 Meter bedeuten in Deutschland den ersten Platz der Rangliste, in Europa Rang vier und in der Welt Platz acht. Ähnlich sieht es im Weitsprung aus. Mit 6,25 Metern führt sie die deutsche Rangliste an, liegt in Europa und der Welt auf Platz fünf. Kein Wunder, dass die Verrenbergerin, die nach dem Realschulabschluss das Wirtschaftsgymnasium besucht, weiter erstmal zweigleisig bleiben will. "Ich bin zwar im Bundeskader Sprint, will mich aber noch nicht komplett entscheiden. Ich werde die Maßnahmen auch im Weitsprung mitmachen", sagt Müller. Mit dem Deutschen Leichtathletikverband ist dies abgeklärt. So startet sie auch am Wochenende bei den baden-württembergischen U19-Meisterschaften in ihren beiden Lieblingsdisziplinen.

Der Weitsprung und der Sprint sind ihre Disziplinen

"Über 200 Meter könnte ich starten, aber die Lust ist nicht so da", sagt Müller. Nach dem Erfolg bei der DM sind die baden-württembergischen Titelkämpfe ein netter Saison-Abschluss. Denn danach herrscht erstmal Wettkampfpause. Ob es zu Beginn des nächsten Jahres dann eine Hallensaison gibt, ist noch fraglich. "Ich tue aber so als ob sie stattfinden würde", sagt Müller. Denn die Ziele sind da. Vor allem im Freien. "Ich würde gerne bei der Europameisterschaft in Rieti in Italien starten", sagt die 16-Jährige. "Ich würde schon einmal gerne international für Deutschland starten." Und die Chancen dafür sind natürlich groß. In beiden Disziplinen. "So lange es funktioniert, will ich beides machen", sagt Müller. "Die beiden Disziplinen machen mir auch mehr Spaß als der Mehrkampf." Auch dort ist sie zu großen Leistungen fähig. Aber: "Da sind die 800 Meter dabei", sagt Müller. Und diese Strecke mag sie eben gar nicht.

Also versucht sie lieber auch weiterhin mit ihrer härtesten Sprint-Konkurrentin Sina Kammerschmitt aus Worms zu trainieren. Das pusht. "Wir haben in dieser Saison drei Mal zusammen trainiert. Es war schon gut, mal mit einer gleich starken Athletin zu trainieren", sagt Müller. "Es hat so gut funktioniert, dass wir das immer wieder machen wollen."

Denn, erklärt ihr Vater und Trainer Wolfgang Müller: "Man wird nur schnell, wenn man sich auch schnell bewegt. Und dafür braucht man auch Wettkämpfe." Und eben starke Trainingspartner.

 

Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

Kommentar hinzufügen