Weltrekord auf dem Laufband

Heilbronn/Nagold  Der Ultraläufer Benedikt Hoffmann simuliert auf dem Laufband einen Bergmarathon mit durchgängig zehn Grad Steigung. Damit erringt er nicht nur einen Weltrekord, sondern sammelt auch Spenden. Kurios: Vor ihm hat noch niemand aus der Laufszene diese spezielle Anstrengung probiert.

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TSG-Heilbronn-Mitglied Benedikt Hoffmann lief in Nagold für den Weltrekord und für das Deutsche Kinderhilfswerk.

Foto: Reiner Jäckle

Seine bisher beste Marathon-Zeit steht bei 2:20 Stunden. Die lief Benedikt Hoffmann im Oktober 2015 in Frankfurt am Main. Dass er am vergangenen Samstag für die 42,195 Kilometer 3:50 Stunden brauchte, hat einen simplen Grund: Er lief sie auf dem Laufband - mit durchgängig zehn Grad Steigung. Ein Versuch, der dem Mitglied der TSG Heilbronn gelang. Das Ergebnis: Weltrekord.

Im Jahr 2017 wurde Benedikt Hoffmann deutscher Meister über die Distanz von 100 Kilometer mit einer Zeit von 6:48 Stunden. Im selben Jahr deutscher Rekordhalter über 50 Kilometer in 2:54 Stunden. Langlauf, Berglauf, Ultramarathon - das sind seine Disziplinen. Und die finden üblicherweise auf der Straße oder im Gelände statt.

Hoffmann hat schon mehrere Spitzenleistungen erreicht

Am vergangenen Samstag entschied sich der 35-Jährige jedoch für das Laufband und überwand darauf über die Marathon-Distanz 4219 Höhenmeter. Übertragen wurde das Vorhaben im Live-Stream. Während Benedikt Hoffmann lief, wurden Sportler aus der Laufszene, wie Ex-Biathletin Laura Dahlmeier, von Moderator Reiner Jäckle interviewt.

Der Grund für das Weltrekord-Projekt auf dem Laufband ist schnell gefunden: das Coronavirus. "Als die Corona-Zeit losging, hatte ich noch gehofft, im Juni oder Juli findet wieder ein Lauf statt, denn gerade jetzt wäre die Zeit der großen Bergläufe in meinem Kalender", sagt Hoffmann.

Als jedoch im April klar wurde, dass zumindest vorerst keine Wettkämpfe stattfinden würden, hätte der Familienvater über Alternativen nachgedacht - und fand Inspiration bei dem Schweizer Läufer Matthias Kyburz, der im April einen Rekord über 50 Kilometer, ebenfalls auf einem Laufband, aufstellte. Das Datum, das Benedikt Hoffmann für seinen Rekordversuch wählte, der 4. Juli, war dabei eher zufällig. "Aber an diesem Tag wäre auch der Zermatt-Marathon gewesen", erklärt er.

Spenden für bessere Bildungsmöglichkeiten

Wie Matthias Kyburz entschloss sich auch Hoffmann den Lauf mit einer Spendensammlung zu verbinden. "Ich bin Lehrer und war damit konfrontiert, dass die Schüler zu Hause sitzen", erklärt Hoffmann. "Für manche hat das funktioniert, für viele jedoch nicht, weil sie den persönlichen Kontakt und die Pädagogik brauchen", meint der Gymnasiallehrer. Die gesammelten Gelder fließen in Projekte zur Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten. "Vor allem in den Bereich Digitales", erklärt er.

Wie viele Spenden genau er für das Deutsche Kinderhilfswerk sammelte, weiß Hoffmann nicht, die genauen Zahlen stehen noch aus. Welche Zahl er weiß, ist die der Zuschauer des moderierten Live-Streams, der sich immer noch abrufen lässt. "Etwa 100 Leute waren live dabei, inzwischen habe ich rund 1000 Klicks auf das Video."

Als erster dieses Vorhaben in Angriff genommen

Doch ist er mit seiner Zeit von 3:50 Stunden zufrieden? "Ja, doch schon", sagt Hoffmann. "Ich habe das Tempo am Anfang vielleicht ein wenig zu schnell gewählt und hätte reduzieren müssen", erklärt er. "Aber ich habe 18 Höhenmeter in der Minute gemacht, das soll mir erstmal jemand nachmachen." Möglich wäre das. Doch Hoffmann war der Erste, der sich an diesem Rekord überhaupt versucht hat. "Wenn ihn jemand schlagen sollte, würde ich nicht ausschließen das nochmal zu machen", meint der Langläufer. "Aber ich würde nicht die Wettkampfsaison dafür aufgeben, ich werde meine Karriere nicht auf dem Laufband beenden."

Zunächst bereitet sich der 35-Jährige jedoch auf die Läufe vor, die im Herbst stattfinden sollen. Etwa auf den Bergmarathon in Oberstdorf im September oder die in Heilbronn stattfindende baden-württembergische Meisterschaft über 10 Kilometer, die im Oktober stattfinden wird - hofft der Weltrekordler wenigstens.


Draskovits

Katrin Draskovits

Volontärin

Katrin Draskovits arbeitet seit Oktober 2019 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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