Warten auf bessere Zeiten bei den regionalen Reitern

Reiten  Alle Reitturniere in der Region sind bis Anfang Juni abgesagt. Schwaigern hofft noch auf einen Nachholtermin in sieben Wochen.

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Siegerehrung mit Möhren für die erfolgreichen Pferde? Das muss noch warten. Nicht nur das für dieses Wochenende in Brackenheim geplante Turnier fällt aus.

Foto: dpa

Brackenheim, Schwaigern, Leingarten, Nordheim, das kleine Turnier in Ilsfeld und dann Weinsberg: Von diesem Wochenende an wäre es bis Anfang Juni in der Region bei einem Reitturnier nach dem anderen rund gegangen.

Doch Frank Uhde, Vorsitzender des Pferdesportkreises Franken, sagt: "Es ist ein Trauerspiel, es ist eine Katastrophe." Wie im Vorjahr fallen alle Turniere wegen der Pandemie aus - wobei der RV Schwaigern sein Muttertagsturnier in den Juni verschoben hat.

Amateuren Sport ermöglichen

"Noch geben wir nicht auf", sagt Oliver Schmiech, der zweite Vorsitzende des RV Schwaigern. Seine Kernmotivation sei es, den Amateuren Sport zu ermöglichen: "Alle warten, dass es wieder losgeht." Mehr denn je: Bei vielen Reitvereinen sind die Mitgliederzahlen trotz Corona gestiegen. "Wir können es uns auch nicht erklären, warum das so ist", sagt Sybille Burtscher, die stellvertretende Abteilungsleiterin des SV Leingarten: Zu den etwa 120 Pferdefreunden seien 2020 "sechs bis acht" hinzugekommen.

Unter den derzeitigen Auflagen sei das Himmelfahrtsturnier in Leingarten nicht zu machen gewesen, weil man das Turniergelände abriegeln müsse. "Zudem ist ein Turnier ohne Zuschauer für uns nicht realisierbar", stellt Sybille Burtscher klar. "Wir sind auf die Einnahmen im Getränke-, Essen- und Kuchenverkauf angewiesen, um wieder investieren und unsere Kredite zurückzahlen zu können." Damit ist nun nichts. Auch nichts mit einem Vereinsleben. Immerhin: "Wenn nichts dazwischen kommt, überstehen wir das Jahr aber."

RV Schwaigern mit 25 Schulpferden gewachsen

In der Pandemie ist der RV Schwaigern mit seinen 25 Schulpferden gewachsen. "Wir haben die 600er-Grenze geknackt", sagt Oliver Schmiech nicht ohne Stolz. "Es sind viele Eltern eingetreten; ich sehe das als Solidaritätsaktion." Was ihn hingegen ärgert: "Warum können sich Profis bei Turnieren nicht mit Corona anstecken, Amateure hingegen schon?" Schmiech spielt darauf an, dass Turniere für Profis durchgeführt werden dürfen, für Otto Normalreiter aber nicht.

Nein, ein Turnier nur für Profis wird es auch beim RV Ilsfeld nicht geben, sagt der Vorsitzende Dieter Melwitz: "Unser Verein lebt von Amateuren, wird von Amateuren getragen." Deshalb wackelt die Durchführung des größten Turniers in der Region, das von 25. bis 27. Juni geplant ist. "Ich habe meine Vorstandskollegen bis Sonntag um ihre Meinung gebeten", sagt Melwitz. "Das Turnier in Ilsfeld lebt von der Stimmung, den Zuschauern und der tollen Gastronomie - ohne das geht's nicht." Ein halbwegs normales Umfeld hält Melwitz, der am Wochenende bei einem Turnier in Pforzheim als Richter im Einsatz war ("Es war so trostlos"), auch in zwei Monaten noch nicht für möglich. Was die Mitgliederzahlen beim RVI betrifft: "Die sind gleich geblieben, obwohl sich unsere Voltigierabteilung aufgelöst hat - beide Pferde sind nicht mehr sporttauglich gewesen."

Schwaigern ist also das große Sehnsuchtsziel der hiesigen Reiterfamilie: von 11. bis 13. Juni mit dem Reitturnier, vom 18. bis 20. Juni mit den Landesmeisterschaften im Voltigieren. Oliver Schmiech ist Optimist, glaubt, dass die Gemengelage in zwei Monaten viel besser ist: "Ich sag's jetzt mal so, dass ich selber daran glaube."


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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