Vom Trappensee zu den Olympischen Spielen

Reitsport  Endlich tut sich wieder was. Der britische Springreiter Christopher Frazer startet in Hessen bei Turnieren und hat viel vor.

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Das neue Zuhause im Hintergrund: Christopher Frazer ist im Dezember mit Pferden wie For Ever Fun im Stall des RV Heilbronn am Trappensee eingezogen.

Foto: Andreas Veigel

Pferde haben Anziehungskraft. Vor allem Ponys. Während des Gespräches steuern immer wieder Familien mit kleinen Kindern die beiden Tiere an. "Die Leute sind ganz verliebt in Ponys", sagt Christopher Frazer und lacht. Seit Dezember ist der 37-jährige Brite mit seinen acht Pferden beim Reiterverein Heilbronn eingezogen. Der Springreiter hat trotz Corona mit seiner erfrischenden Art für neuen Wind gesorgt. "Wir bieten "Pony to go" an", sagt er und deutet auf die beiden Ponys, die Interessierten für eine Stunde coronakonform übergeben werden. So entsteht ein Kontakt mit Pferden, mit dem Verein. Daraus kann Großes werden. So wie bei Christopher Frazer. Der Nationenpreisreiter nickt: "Natürlich, Olympische Spiele sind das große Ziel."

Das Corona- und das Pferde-Herpes-Virus sorgen für Stillstand

Nein, dieses Jahr wird es für ihn nichts mehr werden mit den Spielen im Sommer in Tokio. Christopher Frazer aus Wales und seine Freundin Denise Wirth aus Tamm haben viele neue Pferde. Und mit denen wollen sie endlich richtig loslegen, was bisher einfach nicht so richtig ging: Das Corona- und das Pferde-Herpes-Virus haben eine unheilige Allianz gebildet, für Stillstand in der Turnierlandschaft gesorgt. Frazer: "2021 wird ein Aufbau-Jahr." Aber in Hessen finden ab April wieder Veranstaltungen für Profis statt. "Am Gründonnerstag geht es los, nach Darmstadt", freut sich Frazer.

Bei Christopher Frazer ging es mit Ponys los - wobei er auch ein Talent für Rugby, es bis in die Nationalmannschaft geschafft hatte, wie er erzählt. "Doch ich habe mich fürs Reiten entschieden." Kein Wunder. Denn der junge Mann aus Cardiff hatte eine starke Starthilfe: Mutter (für England) und Vater (für Irland) waren international erfolgreiche Springreiter. Es ging voran. Bisher ritt Christopher Frazer drei Nationenpreise für Großbritannien, war unter anderem Bereiter beim Schweden Rolf-Göran Bengtsson in Schleswig-Holstein.

Frazer lobt das starke Vereinsleben am Trappensee

Christopher Frazer sitzt vor dem Stall und erzählt. Vom Rugby ("Mit meinen fast 38 Jahren wäre meine Rugby-Karriere fertig - mit den Pferden bin ich noch nicht einmal halbwegs durch"). Vom Start in Heilbronn ("Es war trotz Corona sehr einfach, hier gibt es ein sehr starkes Vereinsleben, die Verbindung war schnell da"). In bemerkenswertem Deutsch ("Das habe ich erst mit 20 gelernt, seither bin ich in Deutschland; seit ich Geld verdiene, ist Deutschland mein Zuhause".

Christopher Frazer klagt nicht. "Es sind schwierige Zeiten. Durch Herpes sind sie nicht einfacher geworden." Seine Meinung zum Thema Herpes-Impfung: "Letztlich müssen alle Pferde geimpft werden. Aber hundertprozentige Sicherheit wird es glaube ich trotzdem nicht geben." Das wird das Reiten nicht günstiger machen, das schon in den vergangenen Jahren deutlich kostspieliger geworden sei. "Unser Sport ist für die meisten Menschen ein Hobby", sagt Frazer. "Und das erste, was in der Coronazeit abgeschafft wird, sind teure Hobbys." Doch er ist Profi. Und habe ein gutes Team hinter sich. Deshalb das großen Ziel: "Olympia 2024 ist ein Ziel - das man in Ruhe aufbauen muss. Man muss die richtigen Pferde finden." Und halten können.

Es geht darum, dass sich alles wieder normalisiert

Jetzt geht es aber erst einmal darum, überhaupt wieder Turniere zu reiten. Und dass sich das Reisen normalisiert. Er habe gute Kundschaft in Amerika, die ebenso warten müsse wie zwei Reiter aus Indien, die schon vor Weihnachten kommen wollten, um sich bei ihm auf die Asienspiele 2022 vorzubereiten.

"Chris ist ein super Kerl. Er bringt Schüler mit, die Boxen sind voll", sagt Ralf Utz, seit Freitag Erster Vorsitzender des RV Heilbronn. Frazer, der in Tamm wohnt, aber die meiste Zeit im Stall am Trappensee verbringt, gefällt sein neues Zuhause: "Es ist ruhig hier. Die Pferde merken das. So können wir lockerer arbeiten." Doch gut, dass es endlich wieder los, es wieder auf Turniere geht - "Pony to go" funktioniert auch, wenn Christopher Frazer unterwegs ist.

Erste Turnierabsagen für 2021 in der Region

Frank Uhde klingt alles andere als optimistisch. "Es sieht ganz, ganz mau aus", sagt der Vorsitzende des Pferdesportkreises Franken mit Blick auf die in der Region in den nächsten Wochen und Monaten geplanten Turniere. "Wir haben schon Absagen", wie zum Beispiel Ende April in Brackenheim sowie für das Ende Mai in Ilsfeld geplante kleine, ehemalige Jugend-Turnier. Bis Mitte April gehe wegen Corona und Herpes grundsätzlich gar nichts. "Wenn danach nur die Profis reiten dürfen, dann haben wir hier keine Chance, Turniere durchzuführen", sagt der Mann vom RV Ilsfeld.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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