Viel Energie im Ludwigsburger Geisterspiel

Basketball  Mit einem 100:73-Sieg gewinnen die Riesen Ludwigsburg den BBL-Auftakt gegen die BG Göttingen. Damit sind die Ludwigsburger der erste Tabellenführer der BBL-Saison. Allerdings deutete sich schon beim Saison-Auftakt an, dass es eine komplizierte Spielzeit werden kann. Gleich drei Partien wurden abgesagt.

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Nicht nur Tremmell Darden überzeugte bei seinem ersten Bundesliga-Auftritt für die Riesen Ludwigsburg. Gegen Göttingen gelang ein 100:73.

Foto: Marc Schmerbeck

Geisterspiele sind für die MHP Riesen Ludwigsburg kein Schreckgespenst. Das bewiesen sie zum Ende der vergangenen Saison, als sie beim BBL-Finalturnier im Münchner Audi Dome ohne Zuschauer auf den Rängen deutscher Vizemeister wurden. Das bestätigten sie am Freitag beim Auftakt zur Bundesliga-Saison mit einem 100:73-Sieg gegen die BG Göttingen. "Ich bin sehr stolz, dass wir gewonnen haben", sagte Riesen-Trainer John Patrick. "Auch auf die Art, wie wir gewonnen haben."

In der Ludwigsburger MHP Arena dominierten die Riesen nach belieben. Gegen ihre konsequente Abwehrarbeit fanden die Gäste kaum Lösungen. Dort, wo sonst rund 4000 Zuschauer den Heimspielen der Riesen beiwohnen, waren insgesamt keine 100 Personen anwesend. Keine Anfeuerungen von Fans, keine Geräusche von Klatschpappen. Dafür waren quietschende Schuhe und Rufe von Trainer und Spielern zu hören. Eine Kulisse, die gewöhnungsbedürftig ist und sich mindestens über den kompletten November zieht. Vielleicht aber auch länger. Bis dahin bleiben für Schaulustige die TV-Übertragungen.

Ungewohnte Atmosphäre

Die Akteure machten aber das beste aus der ungewohnten Atmosphäre. Zumindest die Heimmannschaft zeigte große Spielfreude. "Wir hatten jetzt zwölf Tage kein Spiel. Da war jeder heiß drauf", sagte Patrick. "Wir haben viel Energie von der Bank bekommen. Wir haben die Fans zwar vermisst. Aber es ist nicht so schwierig, ohne Zuschauer zu spielen." Zumindest nicht, wenn ein Team so überlegen ist, wie es die Ludwigsburger gegen Göttingen waren. "Wenn es nicht so gut läuft, bekommt man von den Zuschauern zusätzlich Energie. Da hat man durch die Fans Adrenalin", sagt Patrick. Ohne Fans muss dieser extra Kick eben von den Spielern auf der Bank generiert werden.

Durch den klaren Sieg sind die Ludwigsburger der erste Tabellenführer der BBL-Saison. Allerdings deutete sich schon beim Saison-Auftakt an, dass es eine komplizierte Spielzeit werden kann. Gleich drei Partien wurden abgesagt. Unter anderen die der Merlins Crailsheim gegen die Niners Chemnitz. "Wir müssen einfach froh sein, dass wir spielen können", sagt Patrick. "Es wird kommen, dass auch bei uns oder unserem nächsten Gegner ein Spieler positiv getestet wird und wir pausieren müssen. Aber das ist jetzt eben so. Bis ein Impfstoff da ist, müssen wir eben aufpassen und versuchen, so gut es geht, in einer Blase zu leben und das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten."

Leistung nicht überbewerten

Auch wenn das Ludwigsburger Team überzeugte, wollte Patrick die Leistung und das Ergebnis nicht überbewerten. "Es war ein guter Auftakt, aber bis nicht jeder einmal gegen jeden gespielt hat, kann man noch nicht viel sagen", sagt Patrick. "Es war auch bei uns noch nicht alles perfekt." Aber der Auftritt weckt zumindest den Anschein, dass die neu formierte Mannschaft Potenzial hat. Allen voran überzeugten Routinier Tremmell Darden oder die Guards Jordan Hulls und Jaleen Smith, die das Spiel lenkten und auch kräftig punkteten. In den letzten beiden Minuten konnte sich Patrick den Luxus leisten, mit seinen beiden Söhnen Jacob und Johannes, sowie Lukas Herzog, drei Youngster aufs Parkett zu stellen.

Schon im ersten Viertel waren Hulls und Smith von den Göttingern kaum zu stoppen, sie führten das Team zu einer 26:18-Führung. Bis zur Pause leisteten sich die Gastgeber nur einen Ballverlust - 54:30 hieß es zur Pause. Im dritten Viertel waren die Ludwigsburger dann etwas unkonzentriert, hatten aber vor den letzten zehn Minuten immer noch eine 73:53-Führung auf der Anzeigetafel stehen.

Mit dem letzten Punkt machte Warren den 100:73-Sieg klar und stellte die Riesen vor eine neue Herausforderung. Wie jubelt man in einer Halle ohne Publikum? Ganz einfach, mit etwas Klatschen in Richtung leerer Ränge und der Fernsehzuschauer. Am Ende gab es dann noch eine kurze Gesangseinlage: ein Geburtstagsständchen für Co-Trainer David McCray.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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