So viele Olympia-Starter aus der Region wie noch nie

Sport  Sechs Sportskanonen aus der Region sind für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio qualifiziert, wobei es noch mehr werden dürften. Fünf Schwimmer und ein Ringer sind sicher dabei.

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Maskottchen Miraitowa steht voll dahinter: Am 23. Juli sollen in Tokio die Olympischen Spiele eröffnet werden − so ist der Plan, der Pandemie zum Trotz.

Foto: dpa

Die Olympischen Spiele sind das große Ziel jedes halbwegs ambitionierten Sportlers. Für die allermeisten Athletinnen und Athleten bleibt die Teilnahme am größten Sportfest der Welt allerdings ein ewiger Traum. Auch viele Asse aus der Region trainieren tagein, tagaus für Olympia. Mindestens sechs haben das Ticket für die Spiele der XXXII. Olympiade in Tokio gelöst, so viele wie nie zuvor. Und zumindest ein weiterer dürfte noch folgen - sofern die Sommerspiele wie geplant von 23. Juli bis 8. August in Japan stattfinden können. Und natürlich die Gesundheit mitspielt.

Ein Ticket für die wegen Corona um ein Jahr verschobenen Spiele haben bisher fix: die Schwimmer Annika Bruhn, Marie Pietruschka, Celine Rieder, Henning Mühlleitner und Fabian Schwingenschlögl (alle Neckarsulmer Sport-Union) sowie Ringer Eduard Popp (Red Devils Heilbronn).

Zwei aus dem Olympia-Perspektivteam 2024 schon in diesem Jahr dabei

"Wir von der Sporthilfe Unterland-Hohenlohe sind natürlich begeistert, dass unsere Region durch eine Rekordzahl von Aktiven in Tokio vertreten sein wird", sagt Uwe Ralf Heer, der stellvertretende Vorsitzende der Sporthilfe Unterland-Hohenlohe. "Dass es noch dazu mit Celine Rieder und Henning Mühlleitner zwei Schwimmer aus unserem Olympia-Perspektivteam 2024 geschafft haben, ist eine Bestätigung für unseren ehrgeizigen, stark leistungssportlich orientierten und damit einmaligen Kurs. Gerade in diesen schwierigen Corona-Zeiten haben die Athleten ein beeindruckendes Ausrufzeichen gesetzt."

Ein vorbildliches Sextett. Bisher war ein Quintett 1976 in Montréal die größte olympische Abordnung aus der Region: die Kanuten Hans-Erich Pasch/Rudolf Blass (SV Neckarsulm), die Turner Werner Steinmetz (KTV Neckarsulm/Heilbronn) und Eberhard Gienger (TSV Künzelsau) sowie Schütze Uli Lind (Heilbronner Schützengilde). Angefangen hatte alles 1968 in Mexiko mit Ortwin Czarnowski (Radsport/Wanderlust Heilbronn/Zugvogel Berlin) und Jochen Schneider (Kanu/SV Neckarsulm). Sie waren quasi die olympischen Pioniere des Unterlands und Hohenlohes.

 

Schlüsselburg und Heymann als mögliche weitere Kandidaten

Gut möglich, dass zu den am Wochenende in Berlin so erfolgreichen NSU-Schwimmern sowie Schwergewicht-Ringer Eduard Popp noch weitere Sportskanonen von hier dazukommen: Große Hoffnung, die Qualifikation beziehungsweise die Nominierung für den Kader in ihrem Sport zu schaffen, haben vor allem Springreiter Sven Schlüsselburg aus Ilsfeld und Handballer Sebastian Heymann aus Horkheim.

Kaum von seiner Bänderverletzung genesen, steht Sebastian Heymann auch schon wieder im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft. Beim 26:26-Remis von Frisch Auf Göppingen gegen die HSG Nordhorn-Lingen feierte der 23-Jährige eine gelungene Rückkehr nach zweiwöchiger Verletzungspause. Zwar sah er kurz vor Schluss die Rote Karte, war mit sieben Treffern aber Top-Torschütze seines Teams.

Bundestrainer Alfred Gislason berief Heymann am Montag in sein 21-köpfiges Aufgebot für die EM-Qualifikationsspiele am 29. April in Bosnien und am 2. Mai in Stuttgart gegen Estland. Für die bereits qualifizierte deutsche Auswahl stellen die beiden Partien die Generalproben für das am 24. Juli beginnende olympische Turnier dar. Heymann hat nach seiner bisher starken Bundesligasaison und seinen guten Auftritten beim Olympia-Qualifikationsturnier im März in Berlin beste Aussichten auf die Tokio-Reise. Entscheidend ist, dass der Rückraumspieler gesund bleibt.

Bud Spencer war am Pferde-Herpes-Virus erkrankt

Bei Sven Schlüsselburg kommt es nicht nur auf die eigene Gesundheit an, sondern auch auf die seines kongenialen tierischen Partners Bud Spencer. Der war kürzlich am Pferde-Herpes-Virus erkrankt, weshalb der Wallach wie das andere Toppferd Nascari derzeit in Bayern untergebracht ist. "Ich habe am Wochenende beide besucht und mit ihnen trainiert", sagt der Springreiter, in dessen Stall das Virus gewütet hatte und mehrere Pferde gestorben waren. "Es war ein Alptraum", sagt der 39-Jährige über die mittlerweile fast überstandene Ausnahmesituation.

Sven Schlüsselburg hat wieder sportliche Pläne, wie zum Beispiel den Start beim Fünf-Sterne-Turnier in St. Tropez im Mai. "Vor Wochen war Tokio ganz weit weg, aber jetzt kommt es wieder näher. Jetzt müssen Leistung und wieder gute Runden her", sagt Sven Schlüsselburg, für den vergangene Woche eine Nachricht ein großer Hoffnungsschimmer war: "Ich bin stolz, dass ich für Juni in Stuttgart für die Olympia-Einkleidung benannt worden bin." Was freilich noch nicht bedeutet, dass der große olympische Traum auch wahr wird. 

 

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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