TSG Heilbronn ist deutscher Snooker-Meister

Snooker  Die Coronavirus-Pandemie sorgt für einen Saisonabbruch in der Snooker-Bundesliga. Die Hinrundentabelle wird gewertet, das macht die Heilbronner zu Champions.

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Kapitän Richard Wienold freut sich nach zuvor zwei Vizemeisterschaften über den ersten nationalen Mannschaftstitel mit Heilbronn .

Foto: Archiv/Berger

Der Jubel war groß, doch feiern konnten die Spieler und Verantwortlichen miteinander nur digital über Social-Media-Kanäle oder per Telefon. Die Snooker-Bundesliga-Mannschaft der TSG Heilbronn schmückt sich mit dem Titel deutscher Meister. Die Deutsche Billard Union (DBU) hatte am Samstag im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung die im März wegen der Corona-Pandemie unterbrochene Saison 2019/2020 für beendet erklärt. Gewertet wird Tabelle nach der Hinrunde, und die weist TSG als Spitzenreiter aus.

Egal nach welcher Wertung: Heilbronn wäre immer top

"Am Samstag gegen 17 Uhr erreichte uns die Meldung über die offizielle Seite der DBU auf Facebook, dass die Saison jetzt beendet wurde", erzählt ein bestens gelaunter Mannschaftskapitän Richard Wienold. Wäre der Meister nicht über die Hinrundentabelle, sondern anhand des Tabellenstandes zum Zeitpunkt der Aussetzung der Spielrunde nach dem ersten Rückrundenspieltag ermittelt worden, der Meisterwimpel ginge trotzdem in das Billard-Zentrum der TSG Heilbronn am Pfühlpark.

Im dritten Anlauf hat es endlich geklappt. In beiden Jahren zuvor musste sich das TSG-Team in der Tabelle als Vizemeister jeweils dem 1. SC Mayen-Koblenz geschlagen geben. Diesmal drehten die Unterländer den Spieß um. Der direkte Vergleich gegen den Titelverteidiger wurde zwar 3:5 verloren, doch es blieb die einzige Niederlage der Heilbronner. Auch Koblenz hatte beim 2:6 gegen den SC 147 Essen nur eine Niederlage zu beklagen. Am Ende entschied die bessere Bilanz an Einzelspielen (47:9 zu 43:13) für Heilbronn.

"Die Entscheidung kam jetzt doch überraschend schnell, normalerweise lässt sich die DBU da schon etwas mehr Zeit", sagt Wienold. "Aber das ist schön für uns. Natürlich wäre es noch schöner gewesen, hätten wir die Saison zu Ende spielen können, um den Titel vor heimischer Kulisse mit einem Sieg im Rückspiel gegen Koblenz zu gewinnen. Für uns ist das aber auch so ein großer Erfolg", freut sich der Student, der in Heilbronn wohnt und an der hiesigen Hochschule Maschinenbau studiert.

Ein Feiertermin wird schon gesucht

Irgendwann in den nächsten Wochen wird die Meisterfeier nachgeholt. "Die Planungen laufen schon", erzählt Wienold von den Problemen, einen geeigneten Termin zu finden. "Die Spieler unserer Mannschaft sind quer verstreut durch Deutschland daheim. Da ist es nicht einfach, alle zusammen zu trommeln. Aber das klappt schon"

TSG Heilbronn ist deutscher Snooker-Meister

Für den Billard-Abteilungsleiter Frank Haberzettl ist die Meisterschaft verdient, "da wir ja die meiste Zeit Tabellenführer waren". Der Saisonabbruch war jedoch nicht die einzige Option. "Es stand auch zur alternativ Diskussion, die Saison im zweiten Halbjahr 2020 zu Ende zu spielen und mit der neuen Saison erst im Januar 2021 zu beginnen", sagt Haberzettl. Teammanager Pedro Chacon ist überglücklich und analysiert: "Unsere Ausgewogenheit war am Ende ausschlaggebend."

Mit den Deutschen Einzelmeistern der Jahre 2017 und 2018, Richard Wienold und Michael Schnabel, sowie dem DM-Vize Daniel Sciborski und dem erfolgreich ins Team integrierte deutsche Jugendmeister Fabian Haken hatte die Heilbronner Mannschaft schlicht keine Schwäche. Überragend war die Leistung des Heilbronner Top-Spielers Omar Alkojah, der mit 16 Siegen aus 16 Begegnungen erneut bester Spieler der 1. Bundesliga war. Komplettiert wird das Team durch den ehemaligen Main-Tour-Profi Patrick Einsle.

Sie haben den nächsten Titel schon im Visier

"Ich werde auch in der nächsten Saison für die TSG spielen, Ziel ist den Titel zu verteidigen", sagt Wienold. "Die Mannschaft bleibt zusammen, ich habe zumindest nichts anderes gehört." Aktuell ist das Billard-Zentrum am Pfühlpark eine Baustelle. Die Rundumerneuerung haben sich die deutschen Mannschaftmeister verdient. "Wenn unsere neue Spielstätte fertig ist, wollen wir 2021 unseren Titel vor großer Kulisse in einem einmaligen Ambiente verteidigen" blickt Wienold voraus. Auf zwei Vizemeisterschaften sollen zwei deutsche Titel folgen.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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