Tschüss, kap!

Nachruf  Im Alter von nur 67 Jahren verstirbt der langjährige Stimme-Sportredakteur Klaus Apitz. Chefredakteur Uwe Ralf Heer spricht von einem "herben Verlust".

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Klaus Apitz (rechts) vor 20 Jahren im Gespräch mit dem U20-Nationaltrainer Uli Stielike und dem damaligen Stimme-Sportchef Jürgen Kleine-Kampmann, der bereits 2004 verstorben ist.

Foto: Archiv/Dirks

Es bleibt in unser aller Ohren. Für immer. Dieses laute Telefon-Intro, das durch die Türe wie die Redaktionswand dringt. "Ja, hier isch dr' Klaus." So meldet er sich. An jedem Arbeitstag. Freundlich in der Stimme - und doch zielorientiert. Ohne Überlänge, aber verbindlich.

Ob Tischtennis, Handball, Rollkunstlaufen, Frauenfußball oder Fechten. Klaus Apitz berichtet von 1979 an, zunächst als Volontär, später als Redakteur, über Siege und Niederlagen. In der Nacht zum Samstag verliert er den wichtigsten Kampf - gegen einen unfairen Gegner. Gegen eine hundsgemeine Krankheit, die ihm die Kraft nimmt. Obwohl er sich ihr mutig und optimistisch gestellt hat. Aufhebens darüber macht der Böckinger, der nahe Flensburg geboren wird, nie. So kennen wir ihn, unseren Klaus.

Objektiv, bescheiden, eifrig

Nur wenige Minuten nach seinem 67. Geburtstag verstirbt Klaus Apitz. An diesem Freitag wird unser langjähriger Kollege im kleinsten Familienkreis, nur so erlauben es derzeit die Corona-Vorschriften, zu Grabe getragen. Wir sind sehr traurig und in Gedanken bei seiner Ehefrau Brigitte. "Mit Klaus Apitz verlieren wir einen wunderbaren Kollegen, einen Sportreporter alten Schlages. Für ihn zählten Fakten, seine Objektivität zeichnete ihn ebenso aus wie seine Bescheidenheit und sein Arbeitseifer. Für mich persönlich, der ich vor mehr als 29 Jahren bei Klaus Apitz in der Sportredaktion der Stimme begonnen habe, ist sein Tod ein herber Verlust", sagt Uwe Ralf Heer, Chefredakteur des Medienunternehmens Heilbronner Stimme.

Apitz kam nach Heilbronn, nachdem er sein Englisch- und Geschichtsstudium und die freie Mitarbeit im Sport-Ressort beim "Schwarzwälder Boten" beendet hatte. Jenem Verlag, in dem sein Vater als Setzer gearbeitet hatte.

Orientierung im Nachrichten-Dschungel

Mit Klaus Apitz verlieren wir einen Journalisten wertvollster Güte. Einen Mann, der sein Handwerk beherrscht und die Gabe besessen hat, zu gewichten. Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, heißt, den Menschen im Nachrichten-Dschungel Orientierung zu geben. In seinen Artikeln hat "kap" nie reißerisch geschrieben, dennoch Missstände aufgedeckt, kritisch hinterfragt und Unangenehmes klar ausgesprochen. Der pointierte Kommentar ist ihm ebenso wenig fremd gewesen wie der fundierte Hintergrundbericht und das feinfühlige Portrait.

Viele haben viel von Klaus Apitz gelernt - und seine Ratschläge gerne angenommen. Weil er sie nie mit erhobenem Zeigefinger erteilt hat, sondern als Freund. Von Olympia in Lillehammer schreibt er 1994, seine Liebe aber gehört dem Lokalsport. Wochenende um Wochenende ist er in den Hallen oder auf den Sportplätzen der Region unterwegs. Es entstehen Verbindungen - und doch macht sich Klaus Apitz nie zum Kumpanen von Trainern oder Vereinen. Heinz Nitsche, Vorsitzender des Handballbezirks Heilbronn-Franken, sagt: "Über viele Jahre hat er ausführlich, fair und dabei auch konstruktiv kritisch berichtet." Bis er sich 2012 ganz bewusst in die Altersteilzeit verabschiedet und im November 2015 zum zufriedenen Unruheständler wird.

Karten spielen in Flein

Nicht selten treffen ihn Spieler oder Bekannte in all der Zeit im Biergarten oder beim "Haudi" in Flein. Hier sitzt er beim Bier, plaudert, spielt Karten. Doch auch ein gutes Buch und die Reisen - besonders nach Griechenland - mit seiner Brigitte schätzt er.

All das ist fortan nurmehr in unserer Erinnerung. Das schmerzt ungemein. Und doch wird Kapi ein Teil der Sportredaktion bleiben. Wir layouten weiterhin Fotos und hören ihn im Geiste sagen: "Mach Postkartenformat, das geht immer." Stimmt, lieber kap! Wir denken an dich!


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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