Trotz Auftaktsieg gegen Bayern: Ein bisschen zu viel Ludwigsburger Drama für John Patrick

Basketball  Die Riesen Ludwigsburg gewinnen den Auftakt der Halbfinalserie gegen Bayern München. Am Montagabend geht es mit Spiel zwei weiter.

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Sieggaranten: Ludwigsburgs Jamel McLean (links) war mit 27 Punkten kaum zu stoppen und Jonah Radebaugh war stark in der Verteidigung. Foto: Marc Schmerbeck

Den feinen Zwirn hatte Andrea Trinchieri bereits abgelegt. Kurze Hose und Sportjacke passten auch besser zu seinem mürrischen Gesichtsausdruck als der Anzug. Lange ließ der Trainer des FC Bayern München am Samstagabend auf sich warten, bevor er zur Pressekonferenz auftauchte.

Es gab wohl viel Gesprächsbedarf nach der 98:101-Niederlage zum Auftakt des Playoff-Halbfinals bei den Riesen Ludwigsburg. "Wenn du eine Playoff-Serie spielst und mit der Körpersprache der regulären Spielzeit ankommst, kostet dich dies das Spiel", ärgerte sich Trinchieri. "Ich denke, dass sie am Ende der verdiente Sieger sind."

Jamel McLean für Bayern nicht zu bremsen

Ein Blick auf den Statistikbogen ließ ihn noch mehr den Kopf schütteln "Wir waren bei den Zweiern, Dreiern und Freiwürfen treffsicherer, haben mehr Rebounds geholt und mehr Assists gespielt und eine höhere Effektivität gehabt - und dennoch eine Niederlage kassiert. Warum? Weil wir den Ball verloren haben. Das ist relativ einfach. Zudem haben wir keinen Weg gefunden, um Jamel McLean zu stoppen. Dies war der Schlüssel zum Spiel."

Es gehört aber auch zur Statistik, dass die Ludwigsburger viel mehr Würfe nahmen und sich dadurch auch schlechtere Trefferquoten leisten konnten.

Ludwigsburg überrascht München

München hatte das Spiel im ersten Viertel verloren. Weil es sich von der Ludwigsburger Spielweise überraschen ließ. "Die waren bereit und wir haben vielleicht die falschen Lösungen gefunden", meinte Münchens Paul Zipser über die Anfangsphase. Nicht nur, dass die Riesen München in den ersten zehn Minuten zu sieben Ballverlusten zwang, sie deckten die Gäste auch noch mit einem Dreierregen ein und holten sich eine 29:17-Führung. Deutlich besser präsentierten sich die Bayern dann ab dem zweiten Viertel. Nun waren sie auch im Spiel. Doch näher als auf 40:48 und 47:55 zur Pause kamen sie nicht ran.

Die zweite Halbzeit eröffnete Zipser mit einem Dreier, Jordan Hulls konterte. Der Zwischenstand pendelte sich nun zwischen eine Fünf- und Neun-Punkte-Führung der Riesen ein. 76:66 stand es vor dem letzten Abschnitt. Die Gastgeber hatten immer die richtige Antwort parat.

Extralob für Defensivpfeiler Radebaugh

Und sie hatten einen McLean, der am Ende bei 27 Punkten stand. Oder einen Jonah Radebaugh, der immer besser ins Ludwigsburger System findet und von Patrick ebenso ein Extralob bekam wie Lukas Herzog und Jacob Patrick. "Natürlich war die Leistung von Jonah Radebaugh sehr wichtig. Er kam im Winter aus Schweden und es haben sich viele Menschen gewundert, weshalb wir ihn unter Vertrag genommen haben", sagte der Ludwigsburger Chefcoach. "Er war heute der Gamewinner in der Verteidigung."

In Viertel vier entwickelte sich ein dramatisches Finale, mit dem bei einer Ludwigsburger 97:84-Führung zweieinhalb Minuten vor dem Ende keiner mehr rechnete. Doch Wade Baldwin und Dennis Seeley verkürzten - 90:97. Nach Freiwürfen von Vladimir Lucic stand es 30 Sekunden vor dem Ende nur noch 97:95. "In den letzten 90 Sekunden waren wir nervös", sagte Patrick. Doch sein Team hatte Jaleen Smith, der neun Sekunden vor Schluss einen Dreier versenkte.

Barry Brown mit beindruckendem Pass

Noch mehr als vom Wurf, war Patrick vom Pass von Barry Brown beeindruckt, der zum Korb zog, sich im Sprung drehte und zu Smith, der in der Ecke stand, warf - 100:95.

Lucic verkürzte noch mal, Tremmell Darden verwandelte auf der anderen Seite einen Freiwurf und die beiden Dreierversuche von Lucic verfehlten ihr Ziel, so dass die Riesen 101:98 gewannen und in der Halbfinalserie mit 1:0 führen.

"Der letzte Wurf von Lucic war ein bisschen zu viel Drama", meinte John Patrick. Etwas weniger davon würde er sich für Spiel zwei wünschen, das am Montagabend um 19 Uhr in der MHP Arena stattfindet. Ob Jordan Hulls, der sich an der Wade verletzte, mitwirken kann, ist unklar. Und wenn es nach Trinchieri geht, dürften dann seine Spieler den feinen Zwirn gegen die Arbeitsklamotten tauschen.

 


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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