Tragischer DFB-Held aus Öhringen

Futsal  Trotz des ersten Treffers mit dem Adler auf der Brust: Mert Sipahi steht in Zentrum des bitteren Endes der deutschen EM-Träume. 5:3-Sieg der Futsal-Nationalmannschaft im Rückspiel gegen die Schweiz zu wenig.

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Mert Sipahi (links) und seine DFB-Kollegen schossen gegen die Schweiz aus allen Lagen, am Ende waren fünf Treffer aber nicht genug.

Foto: imago images/Avanti

Nur wenige Zentimeter fehlten Mert Sipahi zum Glück. Der Öhringer hätte am Montagabend zum großen Helden des DFB-Teams werden können. Doch der Torpfosten in der Ludwigsburger MHP-Arena stand dem Happy End bei Sipahis Direktabnahme unmittelbar vor dem Schweizer Kasten im Weg. Nach seinem Treffer zum 5:3 blieb ihm der Doppelpack in den Schlussminuten genauso verwehrt, wie die Ahndung eines groben Fouls an ihm in den letzten acht Sekunden.

So war Mert Sipahi in seinem 15. Länderspiel trotz des allerersten Tores für Deutschland die tragische Figur eines tragischen Sieges. Denn er bedeutete das wohl bitterste Ende der deutschen EM-Träume.

Schweiz wegen einem Auswärtstor mehr in der nächsten Runde

Im Play-Off-Rückspiel der ersten Qualifikationsrunde schaffte es die Truppe von Bundestrainer Marcel Loosveld zwar, das unglückliche 2:4 des Freitagsduells auszugleichen. Die haarsträubende Chancenverwertung des Hinspiels in Siggenthal rächte sich aber dennoch ganz böse. Denn letztlich machte ein Auswärtstor mehr den Unterschied für die Schweiz, die sich nun in Dezember gegen Spanien, Slowenien und Lettland statt Deutschland um den Einzug in die Endrunde streiten darf.

Auch nach einem gemeinsamen Abschlussessen, lobenden Worten des Bundestrainers für seine schmallippigen Spieler und einer Nacht Schlaf lag Sipahi die Sache am Dienstagvormittag noch mächtig im Magen. "Es ist ganz schwer. Vor allem wenn man sieht, dass wir uns selbst geschlagen haben. Wir haben beide Spiele klar dominiert", sagte der 29-Jährige. Die statistischen Werte der Uefa hoben seine Laune nicht: "Bei den Torschüssen steht es 42 zu acht - und die Schweizer haben bei fünf Schüssen aufs Tor dreimal getroffen. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen."

 

 

Frust nach einer nicht genutzten Großchance

Natürlich sei sein erster Treffer mit dem Bundesadler auf der Brust zwei Minuten vor dem Schlusspfiff für ihn persönlich "schön - ich konnte mich aber noch nicht darüber freuen". Viel mehr ärgerte Mert Sipahi sich über seine ausgelassene Großchance, nur wenige Sekunden später: "Man kann schon sagen, dass ich es auf dem Fuß hatte. Ich war bei der Hereingabe zwei, drei Zentimeter zu spät - mit dem Glück der Schweiz wäre der Schuss wahrscheinlich trotzdem von Pfosten zu Pfosten ins Tor gegangen."

Ja, das Schicksal meinte es gut mit den Eidgenossen. Nach dem Deutschen 2:0 schafften sie kurz vor der Halbzeitpause wie aus dem Nichts den Anschlusstreffer. Auch im zweiten Durchgang gelang der Schweizer Doppelschlag zum 3:2 bei deutschem Dauerdruck nicht gerade mit dem Glück des Tüchtigen. Bei beiden Kontern stand Sipahi auf dem Feld und unglücklich auf verlorenem Posten: "Die Gegentore waren viel zu einfach."

Ellenbogenschlag in Sipahis Gesicht nicht geahndet

In einer packenden Endphase gaben sich die Deutschen dennoch nicht auf. "Da haben wir guten Charakter gezeigt", betonte Mert Sipahi. Lohn war der schnelle Ausgleichstreffer. Mit dem deutschen 4:3 "haben wir dann allen wieder Hoffnung gegeben". Mit fünftem Feldspieler statt Torwart ging Marcel Loosveld im Schlussspurt volles Risiko. Doch letztlich fehlten wenige Zentimeter. Ein ungeahndeter Ellenbogenschlag vor dem Schweizer Tor in Sipahis Gesicht acht Sekunden vor dem Schlusspfiff passte zum tragischen Drehbuch.

Ein kleiner Erfolg machte Mert Sipahi dann aber doch ein kleines bisschen glücklich: "Wir haben gezeigt wie actionreich und toll Futsal ist. Dass wir unseren Lieblingssport in dieser Zeit ausführen durften, war dennoch ein Privileg."


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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