Tote Rennfahrer waren 1964 Normalität

Sportgeschichte  Blick in den Zeitungs-Rückspiegel: Eine Indy-500-Tragödie, ein Traditionsturnier und Hohenloher im Socceroos-Fieber. Das bewegte die Sportwelt vor 14, 28 und 56 Jahren.

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Das Archiv der Heilbronner Stimme bietet einen schier unerschöpflichen Fundus spannender Geschichten. Beim Blick zurück offenbart sich manch historisches Schätzchen. Was bestimmte das Sportgeschehen in der 23. Kalenderwoche vor 14, 28 und 56 Jahren?

1964

Eine von vielen Tragödien bei den 500 Meilen von Indianapolis. Bei diesem Unfall im Jahr 1964 kamen zwei Fahrer ums Leben.

Foto: imago images/Topfoto

Das Indy 500 ist nicht nur das älteste Rundstrecken-Autorennen der Welt, sondern auch eines der gefährlichsten. Mehr als 100 Rennfahrer bezahlten seit 1911 die Teilnahme mit ihrem Leben. Im Jahr 1964 kam es bereits kurz nach dem Start zu einem verheerenden Unfall. Der US-Amerikaner Dave McDonald verlor die Kontrolle über seinen wenig erprobten Prototypen und drehte sich. Vier nachfolgende Autos krachten in ihn hinein und gingen sofort in Flammen auf.

"Zwei Tote beim 500-Meilen-Rennen von Indianapolis in den USA", titelte die Heilbronner Stimme am 1. Juni. Neben McDonald kam auch sein Landsmann Eddie Sachs dramatisch ums Leben. "Er galt als einer der erfahrenen Indianapolis-Fahrer. Achtmal bestritt er dieses Rennen, mehrfach meisterte er auf dem Kurs schwierige Situationen; diesmal aber ereilte ihn das Schicksal vieler seiner Fahrer-Kameraden. Viele verbrannten wie Eddie Sachs bei lebendigem Leibe in ihren Sitzen eingeklemmt."

Trotz dieser Tragödie wurde das Rennen gut eineinhalb Stunden später wieder gestartet. Der US-Amerikaner A. J. Foyt gewann mit dem "Rekorddurchschnitt von 237,130 km/h", wie die Stimme anerkennend konstatierte. Die fragwürdige Entscheidung, das Rennen fortzusetzen, wurde jedoch weder an diesem noch an den folgenden Erscheinungstagen kommentiert. Durchaus erstaunlich, schließlich starben am selben Wochenende noch zwei weitere Fahrer beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring.

1992

Tote Rennfahrer waren 1964 Normalität

Mehr als ein Vierteljahrhundert lang war das Pfingstturnier des TC Bad Rappenau ein fester Bestandteil im regionalen Sportkalender.

Foto: Archiv/Krüger

Viele Jahre war das Pfingstturnier des TC Blau-Gelb Bad Rappenau ein Pflichttermin für Sportbegeisterte aus der Region. Im Jahr 1979 wurde es ins Leben gerufen, ab 1988 erhielt es internationales Flair. Im 40. Jubiläumsjahr "präsentiert der Verein sein Turnier wieder eine Stufe attraktiver", stellte die HSt am 2. Juni 1992 fest. 35 000 DM Preisgeld waren ausgelobt. Der Georgier Vladimir Gabrichidze (Nummer 146 der Weltrangliste) führte die Setzliste an und gewann am Ende auch das Finale gegen den Frankfurter Claus Düppe mit 6:2 und 6:3. Rund 2000 Zuschauer zählten die Veranstalter an den fünf Turniertagen, 700 Besucher sahen allein das Endspiel. "Wir haben wieder etwas dazugelernt", sagte Turnierleiter Hans-Jörg Daubmann und blickte bereits voraus: "Vielleicht werden wir nächstes Jahr das Doppel streichen und dafür die Einzel-Preisgelder erhöhen."

Doch in den Folgejahren wurde es immer schwieriger, genügend Sponsoren zu finden. Bereits 1995 musste das Turnier kurzfristig abgesagt werden, nach einem Neustart 1996 war dann 2006 endgültig Schluss. "Wir haben das Geld nicht mehr zusammengebracht, das vor allem dazu diente, unsere Verbandsligamannschaft zu finanzieren", erinnert sich Ulrich Keim, der dem Verein seit 1996 vorsteht.

2006

Tote Rennfahrer waren 1964 Normalität

Australien-Euphorie im WM-Jahr 2006 in Hohenlohe.

Foto: Archiv/Kümmerle

"Hohenlohe ist im Socceroos-Fieber", schrieb Uwe Ralf Heer am 3. Juni 2006. Die australische Fußball-Nationalmannschaft hatte am Pfingstmontag ihr Quartier für die Fußball-WM in Deutschland bezogen - und zwar im Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe. "Viele Häuser sind mit australischen Fahnen geschmückt. An den Ortseingängen wehen blau-rot-weiße Flaggen, in den Geschäften sind australische Fanartikel ausgestellt, die Restaurants haben die Landesfarben für sich entdeckt. Selbst in den Rathäusern hat man den Eindruck, Hohenlohe sei ein australischer Distrikt", beschrieb Heer die Atmosphäre.

Mehr als 5000 Zuschauer kamen zum ersten öffentlichen Training des Teams von Trainer Guus Hiddink ins Otto-Meister-Stadion nach Öhringen. Nach 32 Jahren WM-Abstinenz tat die Hohenloher Luft dem Team vom fünften Kontinent gut. Das Ziel Achtelfinale wurde erreicht. Dort scheiterten die Socceroos unglücklich durch einen Elfmeter in der Nachspielzeit am späteren Weltmeister Italien.

 

Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig. 

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