Tischtennis-Turniere erlaubt, Punktspiele verboten

Tischtennis  Kuriose Situation für Tischntennis-Zweit- und Drittligisten wie die Neckarsulmer Sport-Union: Sie dürfen zwar trainieren, aber nicht in einem regulären Wettkampf antreten. Es ist nicht der einzige Widerspruch.

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Florian Bluhm nimmt in dieser Woche an einem Challengerturnier teil. Foto: Alexander Bertok

In der Neckarsulmer Ballei fliegt die kleine weiße Plastikkugel immer noch übers Netz. Eine kleine Gruppe aus Nachwuchs-Kader-Athleten und Spielern der Zweitliga-Männer und Drittliga-Frauen darf regelmäßig trainieren. Sie kommen sich dabei vor wie Feuerwehrleute, die auch nicht wissen, wann der nächste Einsatz ansteht.

Die paradoxe Situation schaut so aus: Training ist für die Zweit- und Drittliga-Akteure erlaubt, zumindest in Baden-Württemberg. Alle Punktspiele sind bis zum 31. Dezember abgesetzt. Wann die unterbrochene Saison fortgesetzt wird, ist ungewiss. Sicher ist hingegen schon: Es wird keine Hin- und Rückrunde geben, sondern nur eine Einfachrunde. "Der Fehler ist gemacht worden, als man gesagt hat, dass man die Runde bis zum 30. November unterbricht", sagt Alexander Mohr, der Sportliche Leiter der Neckarsulmer Sport-Union. Durch die Unterbrechung ist es in der aktuellen Situation nun nicht mehr möglich, den Ligabetrieb zu beginnen.

Alexander Mohr vermisst den absoluten Willen des Verbands

Die verschiedenen Bundesländer kommen zu verschiedenen Einschätzungen bei der Frage: Wer übt Profisport aus? Der bayerische Zweitligist Hilpoltstein darf nicht in seine Trainingshalle, Neckarsulm hingegen schon. "Der Deutsche Tischtennis Bund hätte stärker darauf drängen müssen, den Spielbetrieb fortzusetzen", sagt Alexander Mohr, der den absoluten Willen des Verbandes vermisst, dass höherklassig Tischtennis gespielt werden kann. Lieber ohne Zuschauer als gar nicht, ist das Motto der Neckarsulmer. Zudem hat man im Sommer Hygienekonzepte ausgearbeitet, die viel Zeit, viel Energie kosteten - und auch funktionierten. Der Mannschaftssport Tischtennis ist kein Kontaktsport, Abstandsregeln lassen sich dabei viel eher einhalten als beim Fußball, Handball, Volleyball. Das Unverständnis über die aktuelle Tischtennis-Situation ist dementsprechend groß.

Kurioserweise sind die Zweitligaspieler derzeit ja nicht nur im Training aktiv, sondern auch bei Einladungsturnieren, so wie diese Woche in Ochsenhausen. "Das ist dann durchaus vergleichbar mit einem Zweitligaspiel", sagt Neckarsulms Spitzenspieler Florian Bluhm, der diese Woche bei zwei Preisgeldturnieren im Oberschwäbischen am Start ist. Zu sehen gibt es: acht Spieler wie bei einem Ligaspiel, keinen Seitenwechsel, stets desinfizierte Tische, keinen Handschlag vor oder nach den Einzeln. Jeder Akteur hat seinen separierten Bereich für sich.

Wenn Turniere erlaubt sind, Punktspiele aber verboten

Zweitliga-Trainer Alexander Mohr (rechts) kritisiert das Vorgehen der Verbandsoberen. Wann die Saison fortgesetzt wird, steht in den Sternen. Foto: Alexander Bertok

Punktspiele sind verboten, privat organisierte Preisgeldturniere erlaubt

Bluhms Kontrahenten sind dabei unter anderem Zweitliga-Konkurrenten. Li Qiu aus Jülich oder Fedor Kuzmin aus Berlin. Punktspiele sind verboten, aber privat organisierte Preisgeldturniere erlaubt? "Das ist schon irgendwie ein großer Widerspruch", sagt Student Florian Bluhm, der am Dienstag Rang drei im Achterfeld beim Challenger in Ochsenhausen belegte.

In den ersten Bundesligen bei Frauen und Männern läuft der Spielbetrieb, darunter ruhen die Bälle. "Lebt in der ersten Frauen-Bundesliga tatsächlich mehr als die Hälfte der Spielerinnen von ihrem Job?", fragt sich Mohr beim Thema Profisport. Die Antwort dürfte ähnlich wie bei den Zweitliga-Männern ausfallen: nein.

Statt 18 Partien stehen für Zweitligist NSU nur insgesamt neun an, fünf davon sind schon absolviert. Heißt: Noch vier Saisonspiele sollen bis zum 30. April 2021 stattfinden. Dann muss die Spielzeit abgeschlossen sein, weil unter anderem Wechselfristen einzuhalten sind. Für andere Teams stehen noch sechs, sieben Partien aus. "Das ist ja fast noch eine komplette Halbserie, das wird sicherlich knapp", sagt Florian Bluhm. Neckarsulm liegt mit 5:5 Punkten auf Kurs, der Klassenerhalt ist machbar. Egal, ob die Saison zu Ende gespielt und der Ligaverbleib auf sportliche Art und Weise gelingt oder abgebrochen wird. "Aus rein sportlicher Sicht haben wir kein Nachteil durch die Einfachrunde. Unser Ziel ist es, die Klasse zu erhalten", sagt Florian Bluhm.

Auch die unteren Ligen sind im Wartestand

Fithalten für den Tag x, den Neustart, das ist aktuell auch die Devise beim TSV Neuenstein. Der Hohenloher Landesligist befindet sich ebenfalls im Wartestand. Felix Traub beispielsweise hält sich mit Golfspielen fit für den Tischtennis-Neustart. "Das ist erlaubt, und ich bin an der frischen Luft", sagt Traub.

Andere TSV-Teamkameraden gehen Joggen. Per Whatsapp-Gruppe bleiben alle miteinander in Kontakt. "Die Entscheidung für eine Einfachrunde ist alternativlos", sagt der Neuensteiner, der mit seinen Teamkollegen vier Spiele (6:2 Punkte) absolviert hat. Eine Runde, die gewertet werden kann, ist das Ziel. Nicht nur in der 2. Bundesliga, sondern auch in der Landesliga.

Mindestens zwei Wochen Vorlauf in Sachen Training sollten es sein, "besser drei", sagt Felix Traub über den Neustart, der spätestens Mitte Februar erfolgen sollte. "Sonst wird es schwierig, das alles zeitlich noch hinzubekommen", sagt Felix Traub.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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