Sven Schlüsselburg träumt weiterhin von Olympia

Reitsport  Der Ilsfelder Springreiter ist wieder bei Turnieren unterwegs und bringt seinen Bud Spencer zielgerichtet in Form. Ist das verkürzte Wettkampfjahr 2020 eine Abkürzung nach Tokio 2021?

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Ist wieder auf dem Sprung: Sven Schlüsselburg, hier am vergangenen Wochenende mit Whitney bei einem Turnier in Würzburg.

Foto: imago images/HMB-Media

Kürzlich saßen Sven Schlüsselburg und seine Frau Romina beisammen und sagten sich: "Mensch, jetzt geht"s wieder los! Wir müssen uns daran gewöhnen, wieder mehr unterwegs zu sein." Dem 38-Jährigen vom Pferdeleistungszentrum Engelsberg und seinen Lieben, also der Familie und allen Pferden, gehe es sehr gut, sagt der Springreiter bestens gelaunt über die Freisprechanlage in seinem Transporter.

Sven Schlüsselburg hat wertvolle Fracht geladen: Von Waldachtal bei Freudenstadt fährt er gerade zurück nach Hause nach Ilsfeld, hat mit drei Pferden bei Andreas Brünz trainiert. "Bud Spencer ist erstmals wieder mit dabei", sagt der Perspektivkaderreiter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung über seinen starken Partner, den in der gesamten (Springreit-)Welt bekannten elfjährigen Schimmelwallach. Sven Schlüsselburg und sein Buddy träumen weiterhin von den Olympischen Spielen, sie haben fast wieder so etwas wie einen Turnierplan.

Vor zwei Wochen habe Otto Becker angerufen, erzählt Sven Schlüsselburg vom Kontakt mit dem Bundestrainer. Der Startschuss: "Jetzt wird Bud Spencer wieder springmäßig locker gemacht, gezielt aufgebaut." Das Pferd, mit dem das Paar vergangenes Jahr unter anderem drei Nationenpreise geritten ist, beim Großen Preis von Aachen Achter und bei der DM Fünfter geworden war, hat eine lange Wettkampfpause gehabt. "Wir haben ihn in der Kraft gestärkt, er ist viel im Gelände gegangen - für mich war wichtig, dass er Spaß und ein ordentliches Fitnessprogramm hat", sagt der stolze Besitzer des Ausnahmeathleten, der richtig gut drauf sei.

Auftritte in Prag, Aachen und Balve geplant

Natürlich, durch die Pandemie ist weiterhin im internationalen Sport viel vage. Aber der Ilsfelder plant mit Bud Spencer Auftritte Mitte August in Prag, anschließend in Aachen (Schlüsselburg: "Es soll ein großes Turnier im Dressurstadion geben") und bei den deutschen Meisterschaften Mitte September in Balve. "Zwei, drei gute Turniere, mehr braucht es dieses Jahr nicht." Ursprünglich war der Turnierkalender 2020 übervoll. Ist das verkürzte Wettkampfjahr eine Abkürzung zu den Olympischen Spielen?

"Tokio habe ich auf jeden Fall im Kopf und im Plan", sagt Sven Schlüsselburg. "Ich werde die Quali machen dürfen. Dann schauen wir mal, wie es weitergeht." Die Qualifikation, das sind normalerweise die DM, Aachen, Nationenpreise. Doch vor den Spielen 2020, die bestenfalls 2021 stattfinden, ist alles anders. Das tierisch gute Team geht die Sache unverkrampft an. Nach dem außergewöhnlichen 2019, als es von null auf 100 ging, ist das außergewöhnliche Jahr 2020 gekommen, wo es bis vor zwei Wochen von 100 auf null ging. Der Stilist sagt mit Blick auf die vergangenen Monate: "Diese Pause ist nur gut für uns. Olympia wäre ein Traum und ist unser Ziel, das wir weiter lockerhalten."

Bizarre Beziehungskiste

Die Reiterei ist eine bizarre Beziehungskiste: Ohne Bud Spencer wird es Sven Schlüsselburg nicht nach Tokio schaffen. So oder so muss es das Ziel sein, hinter Buddy die Lücke zu schließen. "Wir haben zwei Nachwuchshoffnungen", sagt Sven Schlüsselburg, "ein eigenes und ein Sponsorenpferd." Auch in Krisenzeiten werden Pferde verkauft und gekauft: "Die Nachfrage nach guten Pferden ist weiterhin da, sie werden gesucht und gefunden. Man muss halt aktiv sein."

Daher ist Sven Schlüsselburg dankbar, dass er zunehmend zurück im Alltag ist, zunehmend Turniere angeboten werden. Wie am Wochenende in Würzburg. "Das waren bisher gute, nette Veranstaltungen, es hat echt wieder Spaß gemacht", sagt der Profi aus Ilsfeld und stellt sich den vielen Fragezeichen der Zukunft: Findet das Traditionsturnier Stuttgart German Masters wie geplant im November in der Schleyerhalle statt ("Ich kann mir im Moment noch nicht vorstellen, wie das grundsätzlich mit Corona in der Halle gehen soll")? Können die Spiele nächstes Jahr in Tokio durchgeführt werden?

Frau Romina als Dreh- und Angelpunkt der Familie

Egal was kommt, Sven Schlüsselburg und seine Frau ("Sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Familie") haben die Corona-Zeit mit Sohn Maximilian (zwölf) und Tochter Emilia (neun) "gut rumgebracht". Er habe die gemeinsame Zeit mit seiner Familie genossen: "Ich war so viel zu Hause, wie seit Jahren nicht", sagt Sven Schlüsselburg. "Aber es ist schön, jetzt wieder gemeinsam losziehen zu können."


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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