Stresstest in Hohenlohe für einen speziellen Winter

Skisport  Die DSV-Asse haben in Schwäbisch Hall 25.000 Ausrüstungsteile in Empfang genommen. Die Olympischen Spiele in Peking sind für Trainer und Athleten noch eine Blackbox.

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Pfiffig? Schön? Auf jeden Fall einmalig, nämlich in diesem Winter das offizielle lila-gelbe Outfit der DSV-Athleten, hier von Skispringer Markus Eisenbichler im Hangar des Adolf-Würth-Airports in Schwäbisch Hall präsentiert.

Foto: Lars Müller-Appenzeller

Der Nordische Kombinierer Johannes Rydzek sagte es im zugigen Hangar des Adolf-Würth-Airports in Schwäbisch Hall so: "Mit den fallenden Temperaturen steigt die Vorfreude auf den Winter, zu Hause in den Bergen hat es schon geschneit." In einer Woche legen die Alpinen mit ihrem Weltcup in Sölden los, doch für die deutsche Skisport-Familie hat der neue Winter am Mittwoch und Donnerstag im Hohenlohischen begonnen. Mehr als 700 Athletinnen und Athleten der sieben Nationalmannschaften des Deutschen Skiverbandes (DSV) haben auf dem geräumigen Flughafengelände 25.000 Ausrüstungsteile in Empfang genommen.

"Es ist ein Gefühl wie an Weihnachten", sagte die Alpine Andrea Filser mit einem festlichen Strahlen beim ersten großen Treffen der DSV-Familie in der Corona-Pandemie. Dieser Stresstest mit Kerosingeruch steht symbolisch für den nächsten, erneut sehr speziellen Winter.

"Meine Athleten haben den Stresstest bestanden", sagte Bundestrainer Peter Schlickenrieder mit einem Lächeln. Seine Langläuferinnen und Langläufer waren am Donnerstag um 14 Uhr die Letzten, die sich eindecken durften - und kamen somit erst viel später als von den Trainern erhofft am Abend am Fuße des Dachsteingletschers in Österreich an, wo das nächste Trainingslager stattfindet.

Alle Testwettkämpfe in China sind ausgefallen

Die Coaches hätten sich darüber aufgeregt, die Athleten aber seien entspannt, sagte Schlickenrieder. "Bei den Olympischen Spielen in Peking wird es viele solche Dinge geben." Mehr oder weniger alles um den Saisonhöhepunkt von 4. bis 20. Februar in China sei eine "Blackbox", sagte Hermann Weinbuch, Bundestrainer der Nordischen Kombinierer, neu gewandet im lila-gelben Outfit. Alle normalerweise vorgeschriebenen Test-Wettkämpfe sämtlicher Skisportdisziplinen fielen wegen Covid-19 aus, keiner weiß, wie die Rahmenbedingungen in und um Peking genau sein werden. Doch alle Athleten wollen bei der nur alle vier Jahre stattfindenden Leistungsschau dabei sein. Wobei es nun erst einmal darum geht, in den Weltcups das Ticket zu lösen.

Es sind die Tage, in denen die Skisportler charmant an das erinnert werden, was sie im Winter zuvor geleistet haben: "Ich habe vergangene Woche mein neues Auto bei Audi abholen dürfen", sagte Kira Weidle, die bei der WM der Alpinen im Februar sensationell Abfahrtssilber gewonnen hatte, und schob nach: "Ich habe ein Upgrade bekommen." Welches Modell sie nun fahre? "Ein schnelles, grünes", verriet die gebürtige Stuttgarterin, die aber auch die Farbe Blau sehr mag, wie sie mit Verweis auf die neuen Jacken der Alpinen anmerkte.

Thomas Dreßen startet erst einmal nicht

Auch Abfahrer Thomas Dreßen hat eine besondere Beziehung zu Blau: "Das ist meine Farbe!", sagte der frisch verheiratete Kitzbühel-Sieger von 2018 bester Laune. Er hoffe, dass die Farbe des Outfits den Zustand nach den Weltcup-Wochenenden widerspiegele: dass man zwar blau in den Beinen sei vom Fahren, aber auch etwas blau, weil man was zum Feiern gehabt habe. Wobei es für den 27-Jährigen erstmal nichts zu feiern gibt: Bei den ersten Rennen startet der im Februar am rechten Knie operierte Dreßen nicht. "Ziel ist, dass ich Rennen bestreite. Aber wann und wo? Das steht noch ein bisschen in den Sternen." An Weihnachten, dem am 24. Dezember, weiß man mehr.


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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