Rennfahrer-Talent aus Wüstenrot vor seinem zweiten GT-Masters-Wochenende

Motorsport  Nach dem Abenteuer auf dem Nürburgring geht Luca-Sandro Trefz mit Rückenwind und wichtigen Ratschlägen eines alten Hasen zum zweiten GT-Masters-Wochenende.

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Maske auf, Rennanzug an: Luca-Sandro Trefz geht gemeinsam mit Christopher Haase in sein zweites GT-Masters-Wochenende.

Foto: Alexander Trienitz/Imago Images

Nein, er nervt nicht. Im Gegenteil. "Hasi freut sich immer, wenn ich mich melde", sagt Luca-Sandro Trefz. Hasi ist nicht etwa die Freundin des 19-jährigen Rennfahrer-Talents aus Wüstenrot. Es ist der Spitzname von Christopher Haase. Einem gestandenen Mann, der im Motorsport schon so manches erreicht hat. Unter anderem den Gesamtsieg beim GT Masters, als die Serie 2007 in den Anfängen seiner Karriere neu gegründet worden war.

Dort ist Haase auch 14 Jahre später in dieser Saison am Start. Im Audi R8 LMS GT3 von Montaplast by Land-Motorsport. An der Seite von Youngster Trefz, mit dem sich der 33-Jährige den Dienstwagen im markanten gelb-grünen Schlangen-Design von Sponsor Mann Filter teilt. Nach dem eher ernüchternden Auftakt in Oschersleben mit den Plätzen 24 und 13 will sich das Duo an diesem Samstag und Sonntag auf dem Red Bull Ring in Österreich (jeweils 13.30 Uhr/RTL Nitro) etwas erfolgreicher durch das leistungsstarke Feld schlängeln. Die Top 15 sind das erklärte Mindestziel.

Für die Werke ist es das wichtigste Rennen des Jahres

Auch, wenn der Highspeed-Kurs in der Steiermark keine Lieblingsstrecke des Audis ist. Doch das Zwischenprogramm beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring hat am vergangenen Wochenende durchaus für Rückenwind gesorgt.

"Ich habe definitiv etwas mitnehmen können - vor allem viel Erfahrung. Jeder Kilometer, jede Runde auf der Nordschleife ist wichtig. Es ist für die Werke einfach das wichtigste Rennen des Jahres", sagt Luca-Sandro Trefz, der im ungewohnten Porsche Cayman GT4 CS von Allied-Racing immerhin zum dritten Platz in seiner Klasse gefahren ist. "Damit kann man noch glücklich sein, auch wenn ich weniger gefahren bin - wir haben das Ziel gesehen, viele andere sind ausgefallen", sagt Trefz zum turbulenten Langstrecken-Klassiker, der wegen Starkregen und Nebel für historisch lange 14,5 Stunden hatte unterbrochen werden müssen.

Die starke Aufholjagd von Haase wird mit Gesamtrang fünf belohnt

Wie sich ein Gesamtsieg beim Mythos in der Eifel anfüllt weiß - na klar - sein GT-Masters-Teamkollege Christopher Haase. 2012 landete er ganz vorne. Damals der Premieren-Triumph für Audi. Auch bei seinem jüngsten Auftritt auf dem Nürburgring kam Haase mit Audi Sport Customer Racing nach einer starken Aufholjagd als besten Audi R8 LMS von Startplatz 25 immerhin noch auf einem beachtlichen fünften Gesamtrang über die Ziellinie.

Obwohl Haase und Trefz mit unterschiedlichen Autos, Teams und Zielsetzungen an den Start gegangen sind, haben sich die beiden auch am Nürburgring ausgetauscht. Zumindest kurz. Und der strebsame Lehrling hört ganz genau zu, wenn der Routinier sein Wissen mit ihm teilt. Versucht alles aufzusaugen.

Die Arbeit hört nach dem Fahren nicht auf, sie hört nie auf

"Christopher Haase ist ein sehr, sehr guter Fahrer mit viel, viel Erfahrung. Ich profitiere vor allem von seiner Ruhe, die sich schon ein bisschen auf mich ausgestrahlt hat. Er bleibt immer entspannt, egal in welcher Situation. Das beruhigt gleichzeitig auch mich, hat gerade beim ersten GT-Masters-Wochenende geholfen", sagt Luca-Sandro Trefz. Harte Arbeit zeichne Haase dennoch aus, betont sein junger Teamkollege: "Bei ihm hört die Arbeit nicht nach dem Fahren auf, sie hört eigentlich nie auf. Wir schauen uns zusammen mit dem Ingenieur ständig Daten und Videos an. Wollen uns immer weiter verbessern."

Die beiden schreiben häufig via Smartphone. "Gerade, wenn ich Fragen habe. Wir sind immer in Kontakt", sagt Trefz. Er ist ein neugieriger, willkommener Schüler. "Wenn einer ein guter Lehrer ist und gerne etwas erklärt, dann ist es der Hasi."

Christopher Haase hilft seinem Mitstreiter, wo er helfen kann. Aus Empathie. Und aus ureigenem Interesse, sagt Luca-Sandro Trefz mit einem Augenzwinkern: "Er will ja auch, dass ich schnell werde. Es geht ja letztendlich auch um seine Punkte, weil wir zusammen auf einem Auto fahren."

Vorne mitmischen

Platz 13 und ein Ausfall zum GT- Masters-Auftakt, drei Punkte in Oschersleben - das ist nicht der Anspruch des Leingartener Corvette-Rennstalls Callaway Competition. Vor der unverschuldeten Kollision in Runde eins des Sonntags-Rennens haben Rückkehrer Marvin Kirchhöfer und sein Schweizer Teamkollege Jeffrey Schmidt aber mit Startplatz vier angedeutet, wo die Reise am zweiten Rennwochenende auf dem Red Bull Ring hingehen soll. "Auch wenn der Ausgang natürlich enttäuschend war, können wir mit den gezeigten Leistungen zuversichtlich in die folgenden Rennen blicken", sagt Teamchef Mike Gramke. Auch Kirchhöfer hat für diesen Samstag und Sonntag "ein gutes Gefühl" und möchte vorne mitmischen. 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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