Startklar für das nächste Abenteuer

Radsport  Die Elite-Amateure der RSG Heilbronn haben in ihrer ersten Bundesliga-Saison Lehrgeld zahlen müssen und haben ihre Lehren gezogen. Gut verstärkt haben sie ihr zweites Jahr in der höchsten Klasse in Angriff genommen. Und wurden vorerst ausgebemst.

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Mit Nathan Müller (li.) ist dem Team Sigloch einer der besten Amateurfahrer des Landes erhalten geblieben, sechs Neue sind hinzugekommen.

Foto: Archiv

Die letzte Etappe des ersten Abenteuers alleine hätte ausgereicht, um erstmal genug zu haben. Ein Jahr Bundesliga - und gut. Doch Radrennfahrer haben eine etwas höhere Schmerztoleranz. Der Dämpfer auf der Sauerland-Rundfahrt im Herbst hatte die Elite-Amateure des Teams Sigloch der RSG Heilbronn nach der ersten Saison auf höchster Ebene nicht davon abbringen können, ein zweites Mal das Abenteuer Bundesliga zu wagen. Der Reiz war am Ende zu groß.

"Die Jungs sind von sich aus auf uns zugekommen und haben gefragt, ob sie auch in dieser Bundesliga fahren dürfen", berichtet Vorsitzender Harald Suberg.

Der Radzirkus hängt in der Warteschleife

Ganz leicht war das freilich nicht, weil sich nach dem Tod von Hauptsponsor und Namensgeber Helmut Sigloch 2019 die Rahmenbedingungen verschlechtert hatten, die Radsportgemeinschaft neue Geldgeber brauchte. Am Ende schafften es Suberg und Co. indes, den Wunsch der Fahrer zu erfüllen. "Wir waren startklar für eine weitere Bundesliga-Saison", sagt Suberg. Dann bremste ein Virus alles aus.

Der Radzirkus hängt seitdem in einer Warteschleife, analog wird angesichts der derzeitigen Beschränkungen vor August nichts gehen. Immerhin virtuell wird in der Bundesliga zuweilen gefahren, Christoph Brandt ließ erst vor Kurzem mit einem zwölften Platz aufhorchen. Bei 350 Startern.

Brandt gehört zu insgesamt sechs Fahrern, die zu dieser Saison neu zum Team gestoßen sind. Darunter sind mit Jonas Engel und Simon Laib zwei ehemalige Profis. "Da sind viele starke Fahrer mit viel Potenzial dabei", sagt Benjamin Schlubkowski, der mit Nathan Müller auch einen der besten fünf Amateurfahrer Deutschlands im Team weiß.

Viele Fahrer mit viel Potenzial dabei

Die RSG hat ihre Lehren gezogen. "Wir haben in unserem ersten Jahr Lehrgeld zahlen müssen", sagt der Teamleiter. Auf der Sauerland-Rundfahrt mit ihrem erbarmungslosen Profil mit Anstiegen von 30 Prozent war das besonders zum Tragen gekommen. "Wir waren nach 30 Kilometern aussortiert und haben am Ende auch nur einen Fahrer ins Ziel gebracht", sagt Schlubkowski.

Dass das letzte Rennen des Abenteuers den Fahrern nicht gleich die Lust auf ein weiteres Jahr Bundesliga vermiesen konnte, lag auch dran, dass die Unterländer ihr Unterfangen von Beginn an realistisch eingeschätzt hatten. "Wir wussten, bei welchen Rennen wir mitfahren können und bei welchen wir auf die Mütze bekommen", sagt Schlubkowski, der Vater geworden ist und wie Jens Rustler nicht mehr fahren wird. In der Summe stand ein zwölfter Platz. Bei 24 Teams ist das auch deswegen beachtlich, weil auf den sechs ersten Plätzen die Profi-Teams lagen.

Ein paar neue Quellen angezapft

Auch wirtschaftlich habe das Bundesliga-Jahr die RSG "nicht umgehauen", sagt Suberg. Für die neue Runde hat der Verein ein paar neue Quellen angezapft, musste aber auch auf Reserven zurückgreifen. "Daher suchen wir immer noch einen größeren Sponsor", sagt Suberg. Denn seine Fahrer werden sich auch von einem Virus sicher nicht die Bundesliga streitig machen lassen wollen.


Martin Peter

Martin Peter

Autor

Über Umwege ist Martin Peter im August 2017 bei der Heilbronner Stimme gelandet. Der gebürtige Norddeutsche lebte davor lange Zeit am Alpenrand und berichtet nun über Eishockey und das sportliche Geschehen im Kraichgau.

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