Spomer, Sopa und Tosun: Von kleinen Jungs zu echten Box-Profis

Boxen  Alle drei Faustkämpfer sind von Alexander Seel beim SV Heilbronn am Leinbach betreut worden. Am Samstag stehen sie in der Neckargartacher Römerhalle im Ring.

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Slawa Spomer beim Wiegen: Gut trainiert war der Box-Profi schon als Jugendlicher, nur die Tattoos gab es noch nicht. Foto: privat

Dass sie mal zu dritt das Poster für eine Profibox-Veranstaltung zieren würden - und dann auch noch in Heilbronn - das hätte nicht einmal ihr langjähriger Trainer gedacht. Doch am Samstag ab 18 Uhr werden Hakan Tosun, Kastriot Sopa und Slawa Spomer bei ihren Kämpfen in der Römerhalle tatsächlich ein Heimspiel haben. Damit geht für die Boxer, aber auch für den Cheftrainer des SV Heilbronn am Leinbach, Alexander Seel, ein Traum in Erfüllung. Kaum einer kennt das Trio so gut wie der 48-Jährige. Im Gespräch mit der Heilbronner Stimme erinnert sich Seel an die Anfänge.

Vor 18 Jahren fing für Spomer alles an

Slawa Spomer: Ein Sieg im Duell um den IBO-Intercontinental-Titel gegen den Spanier José Gregorio Suero ließe den 29-Jährigen an einem WM-Kampf schnuppern. "Der Kampf in der Römerhalle ist eine riesige Chance für meinen nächsten Karriereschritt, die ich nicht verspielen darf", sagt Spomer.

Als er vor 18 Jahren erstmals mit seinem Onkel beim Boxtraining in Neckargartach auftauchte, war ein solcher Karriereweg wahrlich nicht vorgezeichnet. "Sportlich war er durchaus", erinnert sich Seel. Schon nach drei Wochen Training nahm er das neuste Küken im Stall mit zu einem Wettkampf nach Neckarsulm. "Am Anfang hat er ein bisschen was abgekriegt, aber das hat ihn motiviert", fielen Seel früh zwei wichtige Eigenschaften eines Boxers auf: Nehmerqualität und Kampfeswille. "Ich habe was in ihm gesehen", sagt Seel.

Die Entwicklung brauchte aber Zeit. Erst im sechsten Anlauf schaffte es Spomer zu einer deutschen Meisterschaft. "Dann holte er aber gleich Bronze", war auch der Trainer überrascht. Überhaupt: Wenn es was zu gewinnen gab, war Spomer motiviert, trainierte fleißig. "Wenn aber gerade keine Meisterschaft anstand, hat er es früher schon schleifen lassen", weiß Seel noch ganz genau. Da brauchte es vom Trainer ab und zu schon mal einen Tritt in den Hintern.

Wechsel an den Olympia-Stützpunkt nach Heidelberg war der nächste Schritt

Zumindest eines Schubers von Seel bedurfte es, um Spomer zum Olympia-Stützpunkt (OSP) in Heidelberg zu bewegen: "Er wollte in Heilbronn bleiben, aber er brauchte bessere Sparringsgegner, um weiterzukommen." Der SV Heilbronn verlor dadurch zwar seinen Team-Leader, sein Zugpferd. Doch Seel weiß, ab wann er einen Schützling aus dem Nest werfen muss: "Mein Job ist es, den Sportler soweit wie möglich zu bringen. Dazu gehört, ihn irgendwann gehen zu lassen."

Sopa bestreitet an seinem 29. Geburtstag seinen vierten Profikampf

Kastriot Sopa: Der gebürtige Stuttgarter kam erst mit 18 Jahren zum SV Heilbronn. "Kasi hat schon früh gelernt, professionell zu arbeiten. Er ist zuverlässig, fleißig, zielstrebig", sagt Seel. Der SVH-Coach stellte den Kontakt zum damaligen Bundestrainer Valentin Silaghi her, Sopa wechselte an den OSP, Seel betreute ihn aber regelmäßig bei Wettkämpfen.

Spomer, Sopa und Tosun: Von kleinen Jungs zu echten Box-Profis

Hakan Tosun als Amateur im Jahr 2019 bei einem Ländervergleich in der Ukraine.

Foto: privat

"Kasi ist ein sehr gut erzogener Junge, er ist immer wieder hierher gekommen, war bei jeder Weihnachtsfeier und hat sich wahnsinnig gefreut, am Samstag hier boxen zu dürfen", sagt Seel. An seinem 29. Geburtstag bestreitet der Halbweltergewichtler seinen vierten Profikampf gegen den Mongolen Bazargur Jugder. "Kasi hat internationales Format, ist bei einer guten Promotion untergekommen. Er kann um große Titel boxen", ist Seel überzeugt.

Tosun war schon deutscher Meister im Thaiboxen

Hakan Tosun: Seine boxerische Ausbildung hat der 27-Jährige in Neckarsulm begonnen, war zuvor aber schon zweimaliger deutscher Meister im Thaiboxen. Mit 18 Jahren wechselte er zum SV Heilbronn. "Ich habe seine Kampfführung umgestellt und wir haben die Gewichtsklasse gewechselt", nennt Seel wichtige Entwicklungsschritte unter seinen Fittichen.

Spomer, Sopa und Tosun: Von kleinen Jungs zu echten Box-Profis

Hakan Tosun als Amateur im Jahr 2019 bei einem Ländervergleich in der Ukraine.

Foto: privat

Bereits Ende 2019 wollte der gelernte Karosseriebauer ins Profilager wechseln. Die Pandemie machte ihm einen Strich durch die Rechnung. "Das war eine schwere Zeit, er war psychisch ganz unten", erinnert sich Seel. Die Motivation sei mit der Aussicht auf das Heimdebüt zurückgekehrt. "Der Junge brennt", ist sich Seel sicher.

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Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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