Riesen Ludwigsburg schaffen das Wunder nicht

Basketball  Die Basketball-Profis von Alba Berlin lassen sich die verdiente deutsche Meisterschaft von Ludwigsburg zwar nicht mehr nehmen, aber die Riesen kämpfen beim 74:75 im Final-Rückspiel aufopferungsvoll und stellen mit Marcos Knight den wertvollsten Spieler des dreiwöchigen Turniers.

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Riesenfreude trotz verpasstem Titelgewinn: Die Wahl von Marcos Knight (links) zum wertvollsten Spieler des Turniers und ihr absoluter Einsatz machten es den Ludwigsburgern leicht, Alba Berlin mit einem Lachen zu gratulieren.

Foto: imago images/BBL

Auch in den allerletzten Minuten wurde auf der Ludwigsburger Bank noch gejubelt. Marcos Knight stand an der Seitenlinie des Münchner Audi-Domes auf einem schwarzen Klappstuhl und applaudierte seinen Teamkollegen. Die Hände weit über den erhobenen Kopf gereckt.

Nein, der Außenseiter hatte das Wunder gegen das übermächtige Alba Berlin nicht vollbracht. Gratulierte dem starken Hauptstadt-Club wie erwartet zur verdienten deutschen Meisterschaft. Und doch war da dieser unbändige Stolz.

Wieder ohne Anführer Knight

"Wir haben Charakter gezeigt. Das fühlt sich gar nicht so krass an wie eine Niederlage", sagte Riesen-Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann am frühem Sonntagabend nach dem 74:75 (35:42) und einem aufopferungsvollen Kampf. Mit 23 Punkten Rückstand nach dem Final-Hinspiel am Freitag war Ludwigsburg schon vor dem Showdown geschlagen. Erst recht, als klar war, dass der angeschlagene Anführer Knight erneut nicht würde helfen können.

"Es ist immer herzzerreißend, wenn einer unserer Soldaten im Kampf nicht dabei ist - aber wir müssen für ihn spielen", formulierte es Thomas Wimbush bei Magentasport kurz vor den finalen 40 Minuten geradezu martialisch. Auf dem Parkett gelang dem wichtigen Riesen in der hektischen Anfangsphase jedoch kaum Entscheidendes für seine Ludwigsburger. Im Gegenteil. Wimbush war es, der das 11:5 mit einem verpatzten Korbleger verpasste und damit die zunächst unsicheren Berliner Profis aufweckte. Zwei Dreier in Folge fingen sich die Ludwigsburger ein, schluckten einen 2:16-Lauf bis zur Viertelpause. Der Todesstoß für den tapferen Kampf der Riesen? Mitnichten.

Statt das Finale endgültig abzuschenken, steigerte sich nicht nur Thomas Wimbush. Auch die anderen Ludwigsburger wuchs am Ende eines langen Finalturniers über sich hinaus. Gerade die jungen Riesen wie Jakob Patrick und Lukas Herzog waren wieder einmal belebende Elemente. Das Team von Trainer John Patrick bewies titelreife Moral und blieb bis zum 35:42-Pausenstand im Spiel. Auch ein schwächeres drittes Viertel der Ludwigsburger und der starke Berliner Markus Eriksson raubten den Riesen nicht die Nerven.

Kraftintensive drei Wochen in München

Die Titelentscheidung war vor dem letzten Viertel längst gefallen, der Sieger des Spiels aber stand noch nicht fest. Ludwigsburg warf nach drei intensiven Wochen noch einmal alle verbliebenen Kräfte in das Match. Bei den letzten Schritten zur außergewöhnlichen Meisterfeier wackelte Alba, nur noch acht Punkte gelangen den Berliner.

Ludwigsburg war beim 70:73 plötzlich wieder dran. Die Ersatzbank bebte beim 74:75. Tatsächlich hatte Thomas Wimbush den Sieg noch in den Händen. Sein Drei-Punkte-Wurf landete aber nicht mehr im Korb. Trotzdem fand BBL-Chef Stefan Holz freundliche Worte für den Verlierer: "Ludwigsburg war mehr als ein Geheimtipp und hat eine tolle Saison gespielt, vielleicht die beste ihre Geschichte."

Mehr als nur Moral gezeigt

Die Riesen hatten nach der Schlusssirene aber noch mehr gewonnen als nur viel Lob für die großartige Moral, den gelebten Teamgeist. Denn noch einmal durfte Marcos Knight die Hände weit über den erhobenen Kopf recken. Diesmal nicht, um für seine Teamkollegen zu klatschen, sondern um die Trophäe für den MVP in die Höhe zu stemmen.

Von den zehn teilnehmenden Teams hatten fünf Kapitäne für den aufstrebenden 1,88-Meter-Mann aus Ludwigsburg als den wertvollsten Spieler des Turniers votiert - obwohl er im Finale wegen einer Fußverletzung komplett hatte passen müssen. "Das war eine der schlimmsten Situationen in meiner Karriere", sagte Knight nach seiner Wahl mit glasigen Augen.

Berliner Double-Gewinner

Auch bei Alba wurde es emotional. Nach langer Durststrecke holten die einst so mächtigen Berliner erstmals seit 2008 wieder den Titel und sind nun Double-Sieger. Die Krönung für Trainergröße Aito Garcia Reneses beim Hauptstadt-Club. Titelverteidiger Bayern München hatte Ludwigsburg aus dem Weg geräumt - und darf sich nicht nur daher wie ein kleiner Gewinner fühlen. Kommentar "Chance genutzt"


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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