Riesen mit geschlossener Genuss-Gesellschaft

Basketball  Die Ludwigsburger Basketballer betonen vor BBL-Start trotz erschwerten Rahmenbedingungen die Freude am Spiel und wollen sich schnell finden. Was ihre Ziele angeht, sind die Riesen in diesen speziellen Zeiten zurückhaltend.

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Von Jonas Wohlfarth-Bottermann hängt bei den Ludwigsburgern viel ab. Er trägt gemeinsam mit Jaleen Smith als Käpt"n die Verantwortung.

Foto: imago images/Eibner

Geschlossene Gesellschaft? Ja, das können sie in Ludwigsburg nachweislich gut. In der vergangenen Bundesliga-Saison schrieben die Riesen mit der Vizemeisterschaft Vereinsgeschichte - als die erste Corona-Welle zehn Clubs in eine Ausnahmesituation und zu einem Abschluss-Turnier in einer Münchener Blase unter Ausschluss der Öffentlichkeit zwang.

Fünf Monate später bestimmt die Pandemie noch immer den Alltag, wenn Ludwigsburg an diesem Freitagabend (20.30 Uhr) gegen die BG Göttingen in die neue Runde startet. In der MHP-Arena wird es dann wie im Münchner Audi Dome keine Zuschauer und viele Hygienemaßnahmen geben. "Selbstverständlich hätten wir uns einen Heim-Auftakt mit allen oder zumindest Teilen unserer Fans gewünscht. Doch so bitter die leeren Ränge sind: Die Gesundheit aller Beteiligten steht im Vordergrund. Wir haben gelernt, mit der Pandemie umzugehen", sagt der 2. Vorsitzende Markus Buchmann.

Die Ludwigsburger haben gelernt, ihre eigene Stimmung zu machen

Der Ludwigsburger Chefcoach John Patrick stellt ebenfalls klar: "Wir vermissen unsere Fans. Zu Hause hatten wir immer eine wahnsinnige Stimmung." Doch auch der 52-Jährige erinnert sich dabei gerne an den Juni in München: "Da haben wir gelernt, dass wir unsere eigene Stimmung machen müssen. Unterstützung von der Bank und Teamgeist kann ein großer Vorteil sein." Auf dem Weg zur Vizemeisterschaft war er das.

Das Riesen-Team ist allerdings wieder einmal runderneuert, "die Unterschiede zum Finalturnier sind groß - mit neuer Mannschaft ist es immer etwas schwierig", betont Patrick. Da kamen die den Ligaspielen vorangestellten Pokalpartien als Tests unter Wettkampfbedingungen ganz recht. Allerdings lief noch nicht alles rund. Vor allem ein Spieler mit der Mentalität von Marcos Knight schien phasenweise zu fehlen.

Dem Trainer gefällt die bunte Mischung seines Teams

Viel Verantwortung blieb an Jaleen Smith hängen, der wie Jonas Wolfarth-Bottermann von den Stammkräften der vergangenen Saison übriggeblieben ist. Die beiden sind als Kapitäns-Duo auch abseits des Parketts wichtig. "Sie kennen das System am besten, haben eine gute Körpersprache und sind Vorbilder für die jungen Spieler. Was sie sagen, hat Gewicht", sagt Patrick, dem die bunte Mannschaftsmischung aus alt und jung gefällt. Bekannte Gesichter sind die Trainersöhne Johannes und Jacob Patrick, die schon beim Finalturnier dabei waren, sowie Lukas Herzog.

Neu im Ludwigsburger Team sind Ralph Hounnou, Jordan Hulls, Barry Brown, Elias Harris, Yorman Polas Bartolo, Desi Rodriguez, Tremmell Darden, Andrew Warren und Javontae Hawkins. Letzterer, der von den Merlins Crailsheim nach Ludwigsburg wechselte, verletzte sich in der Vorbereitung schwer und wird wohl keine Einsätze haben. Besonders Darden hat John Patrick in der Vorbereitung beeindruckt: "Tremmell hat einen sehr hohen Coach-IQ, er ist gut für unsere Rookies."

Die Riesen halten sich mit Zielen zurück

In den ersten Spielen wird es für die Ludwigsburger primär darum gehen, sich zu finden und einzuspielen. Potenzial ist in der Mannschaft vorhanden. Und auch in den vergangenen Jahren gab es nach Saisonbeginn noch die eine oder andere Nachverpflichtung. Ein Playoff-Rang ist den Ludwigsburgern zuzutrauen. Die Riesen selbst machen sich in der speziellen Saison erstmal klein und verzichten auf klare öffentliche Vorgaben. "Wir tun gut daran, keine großen sportlichen Ziele zu setzen. Das große Ziel ist, weiter spielen zu können", sagt Markus Buchmann. Auch John Patrick ist ohne konkrekte Ambitionen und "froh, überhaupt spielen zu dürfen". Das sei auch seine Mannschaft: "Man hat den Enthusiasmus im Training gespürt. Wir sind heiß."

Die Riesen wollen vor allem genießen. Und geschlossene Gesellschaft können sie ja ohnehin nachweislich gut.

Riesensorgen

Sollten die Beschränkungen wirklich nur im November gelten, ist bei den Ludwigsburgern nur ein Heimspiel betroffen. Vielleicht könnten am 6. Dezember zur dann nächsten Partie in der Arena Zuschauer dem Derby gegen die Merlins Crailsheim beiwohnen. "Wir brauchen kurzfristig oder mittelfristig die Zuschauer in der Arena zurück, sonst wird es schwierig", sagte der 2. Vorsitzende des deutschen Vizemeisters, Markus Buchmann. Bislang sei man dank der Unterstützung von Fans und Sponsoren "mit einem dicken blauen Auge" durch die Corona-Krise gekommen, aber man wisse nicht, wie die Zukunft aussehe. 


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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