Rieder und Mühlleitner knacken die Olympia-Norm

Schwimmen  Die Neckarsulmer Schwimm-Asse zeigen sich bei den Qualifikationen für Olympia in Topform. Doch ob die Freistil-Spezialisten Celine Rieder und Henning Mühlleitner auch das Ticket für Tokio erhalten, entscheidet sich erst in Berlin.

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Die Asse der Neckarsulmer Schwimmabteilung haben auch am zweiten Qualifikationswochenende für die Olympischen Spiele in Tokio aufhorchen lassen. Nachdem sich vor einer Woche Fabian Schwingenschlögl über 100 Meter Brust in deutscher Rekordzeit für Japan qualifiziert hat, ist seine Vereinskameradin Celine Rieder am Samstag in Magdeburg nachgezogen. Die 20-Jährige nimmt den weitesten Weg nach Japan und hat über 1500 Meter Freistil - der längsten Distanz im Becken - gute Aussichten aufs Olympia-Ticket.

In Deutschland die Nummer drei

Henning Mühlleitner jubelt. Die Olympia-Qualifikationszeit über 400 Meter Freistil ist unterboten. Doch das Tokio-Ticket hat der Neckarsulmer als aktuell drittschnellster Deutscher nicht sicher.

Foto: Jo Kleindl

Mit Henning Mühlleitner hat zur selben Zeit ein drittes Mitglied der Neckarsulmer Sport-Union in Eindhoven über 400 Meter Freistil in 3:45,55 Minuten die Olympia-Norm unterboten. Der 23-Jährige zittert dennoch um seine Fahrkarte zu den Spielen, da in Magdeburg Florian Wellbrock nach 3:44,35 Minuten in Weltjahresbestzeit und Lukas Märtens (3:45,29) noch schneller angeschlagen haben. Pro Einzeldisziplin gibt es für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) allerdings nur zwei Startplätze für Tokio, daher fällt die Entscheidung am Wochenende beim letzten Qualifikationsmeeting in Berlin.

"Die beiden Konkurrenten hatten in Magdeburg den Vorteil, nebeneinander geschwommen zu sein, während Henning sein Rennen allein gestaltet hat. Es ist aber noch nicht sicher, ob Wellbrock bei Olympia die 400 Meter schwimmt", sagt NSU-Trainer Christian Hirschmann und spekuliert darauf, dass sich der Doppelweltmeister beim Saisonhöhepunkt auf seine Paradestrecken 800 und 1500 Meter Freistil wie über zehn Kilometer Freiwasser fokussiert. Dagegen spricht, dass Wellbrock mit dieser Zeit auch über 400 Meter in Medaillennähe rückt. "Diese Strecke passt in unsere bisherigen Planungen nicht mehr so gut rein, da gäbe es an manchen Tagen Überschneidungen. Aber nach so einer Leistung werden wir uns noch einmal alles genau überlegen", sagte Bundestrainer Bernd Berkhahn über Wellbrock. "Ich freue mich riesig für Henning, dass er sich wieder so zurückkämpfen konnte in die Weltspitze", sagt Bundestrainer und Teamcoach Hannes Vitense.

Rieder steigert sich satte zwölf Sekunden

Rieder und Mühlleitner knacken die Olympia-Norm

Im Sog von Vizeweltmeisterin Sarah Köhler hat Celine Rieder ihre Bestleistung über die 1500 Meter Freistil-Strecke um zwölf Sekunden verbessert und die Norm für Tokio geschafft.

Foto: imago images/Camera 4

Lob findet Chris Hirschmann für Celine Rieder: "Es war jetzt nicht unerwartet, dass Celine die Olympia-Norm packt. Aber es war überraschend, dass sie mit ihrer Zeit so deutlich darunter liegt." In 16:09,00 Minuten unterbot die Neckarsulmerin klar die Verbandsvorgabe von 16:16,00 Minuten. Das Langstrecken-Ass steigert im Sog der als Vizeweltmeisterin bereits qualifizierten Sarah Köhler ihre Bestzeit damit um satte zwölf Sekunden und ist hinter Köhler die Nummer zwei. "Im Schnitt eine Sekunde pro 100 Meter schneller, das ist richtig gut", sagt Chris Hirschmann, betont aber, dass die Ticketvergabe erst nach Berlin feststeht. Dort muss Rieder Lea Boy und Jeannette Spiwoks in Schach halten.

In Eindhoven überzeugt auch Fabian Schwingenschlögl, der erneut unter der Olympia-Norm bleibt. "Sehr positiv waren auch die 100 Meter Freistil von Annika Bruhn - nur fünf Hundertstel über der Norm von Tokio", sagt Hirschmann. Zumindest die Qualifikation für die EM in Budapest hat Bruhn sicher wie auch Vereinskameradin Marie Pietruschka über 100 und 200 Meter Freistil und die 200 Meter Lagen.

Laemmler hat noch eine Chance

Noch nicht geliefert hat Nadine Laemmler. "Sie bleibt aktuell hinter dem zurück, was sie kann. Das gilt für die 100 wie 200 Meter Rücken. Sie muss jetzt in Berlin ihre Chancen nutzen", meint Hirschmann. "Nadine hat sich noch für kein Großereignis qualifiziert." Gleiches gilt für Marlene Hüther und Daniel Pinneker. "Er hat die EM-Norm über 100 Meter Schmetterling knapp verpasst. Über 200 Meter war es deutlich. Auch bei ihm läuft es nicht so gut", sagt Hirschmann. Bente Fischer, die in den Niederlanden für die Brustdistanzen 100 und 200 Meter eingeplant war, hat aus gesundheitlichen Gründen verzichtet. Chris Hirschmann sagt: "Sie hat ein wenig gekränkelt."

Beste Perspektive

Sie sind zwei von neun - und doch das Duo, das den Takt vorgegeben hat. Mit Celine Rieder und Henning Mühlleitner haben die ersten Athleten des Sporthilfe-Perspektivteams Paris 2024 bereits die Verbandsvorgabe für die Spiele in Japan im Sommer geknackt. "Ich freue mich riesig, dass unsere Konzeption des Olympia-Perspektivteams 2024 schon drei Jahre früher Früchte trägt. Eine tolle Leistung der Athleten und eine Bestätigung, dass das Sponsoring unserer Premium-Partner im Perspektivteam positive Auswirkungen hat", sagt der 2. Sporthilfe-Vorsitzende Uwe Ralf Heer.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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