Richtige Prophezeiungen und ein dänischer Pyrrhussieg

Sportgeschichte  Ein Zauberer sagte den Ausgang des DFB-Pokalendspiels voraus, ein Vater die Tennis-Dominanz seiner Töchter und ein Uruguayer den dänischen Sieg über Deutschland. Das Sportgeschehen vor 54, 35 und 19 Jahren.

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Das Archiv der Heilbronner Stimme bietet einen nahezu unerschöpflichen Fundus spannender Geschichten. Beim Blick zurück offenbart sich manch historisches Schätzchen. Was bestimmte das Sportgeschehen in der 23. Kalenderwoche vor 54, 35 und 19 Jahren?

1967

Jürgen Wolfgramm alias Mr. Cox hatte es gewusst. Nicht nur das Endergebnis des DFB-Pokalendspiels, sondern auch die Torschützen, sagte der Zauberweltmeister laut HSt vom 12. Juni korrekt voraus. Mit dem 4:0-Pokaltriumph gegen den Hamburger SV im Stuttgarter Neckarstadion schlossen die Münchner Bayern das bis dahin erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte ab. Trotz eines gebrochenen Arms war Gerd Müller mit zwei Treffern der Mann des Tages. Rainer Ohlhauser und Dieter Brenninger erzielten die weiteren Tore. "Wenn am Spielfeldrand ein Pokal thront, dann sind die Münchner nicht zu schlagen", schrieb Siegfried Schilling in der HSt.

Rot-weißer Jubel im Stuttgarter Neckarstadion anno 1967: Es sind aber die Bayern, nicht der VfB.

Foto: imago-images/Werek

Zehn Tage zuvor hatte das Team von Trainer "Tschik" Cajkovski bereits den Uefa-Pokal gewonnen. Entsprechend freudetrunken frohlockte der Jugoslawe: "Wie meine Mannschaft sich gesteigert hat, das war einmalig. Gibt"s nur alle hundert Jahr." Das Pokalfinale war für die Bayern bereits das 75. Saisonspiel. Die Saison ging aber noch eine Woche weiter - mit Freundschaftsspielen. "Müssen Geld verdienen", erklärte Tschik Cajkovski. Schließlich sollte die Vereinshistorie möglichst schnell um noch erfolgreichere Saisons bereichert werden. Das hätte Mr. Cox vermutlich auch voraussagen können.

1986

Mit dem Ohrwurm "Vi er red og white, Danmarks dynamite" wurde das Pseudonym für die dänische Nationalmannschaft geboren. Nach dem Erreichen des EM-Halbfinals 1984 sollte "Danish Dynamite" bei der WM 1986 richtig explodieren. Nach einem 1:0 zum Auftakt gegen Schottland und einem 6:1-Kantersieg gegen Uruguay war das Team des deutschen Trainers Sepp Piontek bereits vor dem Duell mit Deutschland fürs Achtelfinale qualifiziert. "Das ist Fußball aus dem Jahr 2000", schrieb die HSt am 10. Juni anerkennend. Uruguays Enzo Francescoli zog mit Blick auf das 1:1 gegen Deutschland folgendes Fazit: "Die deutschen Spieler waren gegen die Dänen einfach Amateure."

Richtige Prophezeiungen und ein dänischer Pyrrhussieg

Gut gelaunte dänische Fans feiern den 2:0-Sieg ihres Teams gegen Deutschland bei der WM 1986. Die Euphorie sollte jedoch schnell verfliegen.

Foto: imago-images/sportfotodienst

Und tatsächlich, am 14. Juni lautete die HSt-Schlagzeile: "Dänen-Express rollte, DFB-Team zu ängstlich." Durch Tore von Jesper Olsen und Jon Eriksen holten sich die Dänen den Gruppensieg. "Dänemark, das vor Jahren noch als Fußball-Zwerg galt, vermochte gegen den deutschen Nachbarn den ersten Sieg seit 56 Jahren zu landen", wusste die Stimme zu berichten.

Der historische Erfolg entpuppte sich für die Skandinavier aber als Pyrrhussieg. Denn so trafen sie im Achtefinale auf die starken Spanier - und verloren mit 1:5 - während es Deutschland lediglich mit Marokko zu tun bekam und bis ins Endspiel vordrang. "Die Deutschen haben arm gespielt. Sie wollten von vornherein auf Marokko treffen", unkte Piontek hinterher. Ob Franz Beckenbauer tatsächlich wie dereinst Sepp Herberger anno 1954 eine taktische Niederlage einem möglicherweise hart erkämpften Sieg vorzog, offenbarte der Teamchef nicht. Er holte stattdessen zum verbalen kaiserlichen Gegenschlag aus: "Alles Unsinn. Ich weiß nicht, was der Sepp gegen uns hat. Vielleicht sind es Minderwertigkeitskomplexe, die er mit sich herumträgt."

2002

"Nach dem Jahr 2000 werden meine beiden Töchter die Weltrangliste beherrschen und allein um Platz eins kämpfen." Die vollmundigen Worte von Richard Williams bewahrheiteten sich. Seine Tochter Venus Williams war die elfte Frau an der Spitze der 1975 eingeführten Weltrangliste, ihre jüngere Schwester wurde Nummer zwölf.

Richtige Prophezeiungen und ein dänischer Pyrrhussieg

Einer von neun Sister-Acts in Grand-Slam-Endspielen zwischen 2001 und 2017: Paris im Jahr 2002.

Foto: imago-images/ExSpo

Im Jahr 2002 war der "Sister-Act" die Standardpaarung in den Grand-Slam-Endspielen. Die French Open in Paris bildeten da keine Ausnahme. "Schöne Venus gegen starke Serena", titelte die HSt am 8. Juni. Die chancenlose Konkurrenz, allen voran Landsfrau Jennifer Capriati, unkte: "Es sind viele Dinge passiert, die die beiden zur Nummer eins und zwei gemacht haben. Sie sind sehr gut in solchen Planungsdingen." Hartnäckig hielten sich damals Gerüchte, die Ergebnisse in den direkten Duellen würden vorher interfamiliär abgesprochen. "Ich gehe da raus und kämpfe. Ich will diesen Grand Slam gewinnen, genau wie Venus auch", hielt Serena dagegen, die damals den wenig schmeichelhaften Beinamen "Tysonette" trug.

Das Finale beförderte die Unkenrufe aber eher, als das es sie verstummen ließ. 101 unnötige Fehler in 91 Minuten unterliefen den beiden besten Spielerinnen des Planeten, ehe Serena mit 7:5, 6:3 erstmals ein Grand-Slam-Finale gegen ihre ältere Schwester gewonnen hatte. "Ein Finale, das ein Flop war", titelte die französische Sportzeitung "L"Equipe".

Eine Kuh für die Siegerin

Olympiasiegerin Marielle Goitschel schaute bei der Siegerehrung nicht schlecht. Für ihren Slalomsieg abseits des Weltcups in Chamonix erhielt die Französin als Siegespreis eine Kuh. Dies berichtete die HSt am 8. Juni 1967. Die zweitplatzierte Annie Famose bekam ein Kalb, die Dritte Isabelle Mir "zwei kleine Zicklein". Süffisant folgerte die Stimme: "Wenn diese Art der Preise Schule machen sollte, werden sich Marielle, Annie, Isabelle und die anderen französischen Skimädchen wohl bald nach geeigneten Stallungen umsehen müssen." Was mit den Tieren geschah, ist nicht bekannt. 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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