Rekordflug über 1000 Kilometer: "Der Kopf muss frei sein"

Segelfliegen  Segelflieger Manfred Henninger spricht im Interview über Thermik und seinen großen, nein langen Coup: Am Montag ist dem 68-Jährigen ein Flug von 1000 Kilometern gelungen.

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Ein bisschen steif, aber hoch zufrieden nach dem persönlichen Rekordflug: Manfred Henninger neben seinem Segelflieger vom Typ ASW27. Der 68-Jährige ist am Montag bei guter Thermik mehr als 1000 Kilometer weit gekommen.

Foto: Chris Henninger

Dem Segelflieger Manfred Henninger ist erstmals in der Clubgeschichte der SG Möckmühl-Öhringen ein Flug von mehr als 1000 Kilometern gelungen. Im Interview berichtet der 68-Jährige, welche Faktoren dafür passen müssen und wie er seinen persönlichen Rekord erlebt hat.

 

Glückwunsch Herr Henninger, wie lautet denn Ihre Rekordzahl?

Manfred Henninger: Nach unserer Auswertung waren es genau 1000,46 Kilometer. Es war der erste Flug in unserer Region, mit dem 1000 Kilometer erreicht wurden. Mir wäre zumindest nicht bekannt, dass ein Kollege aus Öhringen oder Bad Friedrichshall weiter geflogen ist. In Möckmühl war es ganz sicher der erste.

 

Sind Flugkunst, gutes Wetter und Topform denn die entscheidenden Kriterien für einen Rekordflug?

Henninger: Alles drei - und noch ein bisschen mehr. Der Mensch, die Umgebung, der Flieger, die Luft, das Wetter, alles muss passen. Dazu sollte der Kopf frei sein.

 

Haben Sie denn schon am Boden gespürt, dass etwas in der Luft liegt?

Henninger: Normal gehen wir bei gutem Wetter 600, 700 Kilometer an. Das sind Marken, die wir häufiger geflogen sind. Die 1000 Kilometer hatte ich erst in der achten Stunde im Kopf, als ich gemerkt habe, alles läuft noch gut. Wir sind bereits um 11 Uhr gestartet, um 20.42 Uhr bin ich gelandet. Angesagt war, dass sich gegen 19 Uhr keine Thermik mehr bietet. Aber sie hat eineinhalb Stunden länger angehalten.

 

Haben Sie denn für den Fall der Fälle ein Paket Windeln im Segelflieger?

Henninger: Männer haben Plastiktüten, das ist kein Problem - und alles gut geübt.

 

Haben Sie denn auch Proviant dabei?

Henninger: Natürlich! Manche nehmen Müsliriegel mit, ich bin eher für Konventionelles, hatte eine Seele mit Schwarzwälder Schinken zum Vespern, eine Flasche Wasser und eine Flasche Cola, das war okay.

 

Kein Flug ist gleich. Was war denn am Rekordflug besonders?

Henniger: Die frühere Startzeit. Auf der Schwäbischen Alb geht die Thermik, die wir ja brauchen, früher los. Die können meist schon eine Stunde früher als wir in der Luft sein. Dann die Höhe, die wir sofort hatten. Ich konnte bei 1600 Metern anfangen, das ist eine gute Ausgangsbasis, weil man da viel Luft hat, um Strecke zu fliegen. Zum Schluss hat sich die Wolkenbasis auf 2500 Meter angehoben. Wenn du so hoch bist, kannst du auch entsprechend weit gleiten. Das trägt dazu bei, dass ich schneller fliegen konnte - und gut vorwärtskam.

 

Wo sind Sie überhaupt hingeflogen?

Henninger: Los ging es in Möckmühl. Vom Kocher-Jagst-Gebiet in die Fränkische Alb, dann in den Bayerischen Wald nach Cham. Richtung Tschechien war das Wetter schlechter, daher habe ich umgedreht, bin zurück nach Walldorf ins Rheintal. Da war ich erst bei 500 Kilometern. Von dort ging es ostwärts nach Beilngries und zurück nach Sinsheim. Dann hatte ich um die 900 Kilometer, aber das Wetter war noch gut. Um Möckmühl herum habe ich die restlichen Kilometer gesammelt.

 

Nach knapp zehn Stunden in der Luft - welches Gefühl sind da die ersten Schritte am Boden?

Henninger: Man steht schlecht. Die Bewegungsfreiheit in so einem Fliegerle ist schon gering, da kann man nicht rucken. Beim Aussteigen ist man ordentlich steif - und mit dem Alter wird es nicht besser.

 

Sie sind 68 Jahre alt, aber nun Rekordflieger.

Henninger: Wenn man einen eingetragenen Rekordflug haben möchte, muss man ihn vorher als solchen anmelden. Also ist es nur ein Rekord für mich, die 1000 Kilometer sind aber dokumentiert.

 

Gab es denn zumindest Punkte für die 2. Bundesliga?

Henninger: Nein. Das ist eine ganz andere Sache. Da liegen wir derzeit auf Platz zwölf, dürfen aber nur samstags und sonntags fliegen. Und es gibt eine Wertungszeit von zweieinhalb Stunden. Binnen dieser Zeit muss man möglichst weit fliegen.

 

Gibt es denn einen Flecken in Deutschland, den Sie noch nicht von oben gesehen haben?

Henninger: Vermutlich nicht, aber ich kenne Baden-Württemberg und Bayern deutlich besser als die Ost- oder Nordsee, da bin ich nur mit Motor unterwegs. Da ist die Thermik nicht so gut, daher fliege ich lieber auf die Schwäbische Alb, da ist es weit interessanter.


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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