Reifer Auftritt von Slawa Spomer

Boxen  Einstimmiger Punktsieg von Slawa Spomer im 14.Profikampf gegen Javier Francisco Maciel aus Argentinien. Der 28-jährige Superweltergewichtler fühlt sich bereit für einen internationalen Titelkampf.

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Slawa Spomer (rechts) war schon vor der Urteilsverkündung siegessicher. Sekunden später wurde sein einstimmiger Punktsieg gegen Javier Francisco Maciel (links) offiziell bekannt gegeben.

Foto: Stephan Sonntag

Nach dem letzten Gong löste sich endgültig die Anspannung im Pugilist Gym in Bruchsal. Slawa Spomer zog jubelnd durch den Ring, dankte seinen Fans für die lautstarken Anfeuerungsrufe, Manager Thomas Holefeld kletterte ins Geviert, ballte die Hand zur Faust und Trainer Zoltan Lunka - sonst eher ein ruhiger Vertreter - schloss seinen Schützling fest in die Arme und hob ihn sogar hoch. "Ich war einfach glücklich", sagte der Olympia-Bronzemedaillengewinner von 1996 hinterher ein bisschen verlegen. "Slawa hat 97 Prozent von dem umgesetzt, was wir trainiert haben."

Der Sieg war für Spomer eine Meilenstein

Es war tatsächlich ein reifer Auftritt des 28- jährigen . Von der ersten Runde an bestimmte der Superweltergewichtler das Geschehen und das Tempo im Ring. Der acht Jahre ältere Javier Francisco Maciel war durchaus gewillt mitzuboxen, doch der Argentinier kam kaum zur Entfaltung. "Ich habe ihn als Gegner sehr ernst genommen, ernster als jeden zuvor. Das ist ein harter Hund, der in seiner Karriere alles gesehen hat. Er hat das erlebt, wovon ich noch träume", verwies Spomer hinterher auf die vielen internationalen Titelkämpfe seines Kontrahenten. "Ihn besiegt zu haben, dafür klopfe ich mir auf die Schulter. Das war ein Meilenstein und mein bisher stärkster Kampf."

Mit dem ersten Gong schaltete Spomer in den Vorwärtsgang, legte ein hohes Tempo an. Lunka mahnte von außen immer wieder: "Ruhig, ruhig!" Der 51-Jährige sorgte sich, dass sein Schützling überdrehen könnte: "Gerade mit Blick auf Titelkämpfe über zehn oder zwölf Runden ist es enorm wichtig, die Kraft richtig einzuteilen."

Trainingsarbeit am Deckungsverhalten zahlt sich aus

Doch Spomer nahm sich nur kurze Verschnaufpausen, schaltete mal in den Rückwärtsgang, konzentrierte sich darauf auszuweichen, abzutauchen und keine Schläge zu kassieren. Den einen Treffer, um wachgerüttelt zu werden, hatte er am Samstag nicht nötig. Gerade diese Phasen gefielen seinem Trainer. "Wir haben viel an seinem Deckungsverhalten gearbeitet, dass er nicht so viele Schläge nimmt", erklärte Lunka. Und Spomer wusste: "Dem Trainer hat gefallen, was er gesehen hat." Im Übrigen nicht nur seinem aktuellen, sondern auch seinem Jugendcoach. Alexander Seel vom SV Heilbronn am Leinbach war natürlich wie immer live dabei. "Ich freue mich für Slawa. Er ist auf einem guten Weg, und er lebt fürs Boxen."

Ab der fünften Runde schalteten beide Boxer einen weiteren Gang hoch. Beinahe Kopf an Kopf voreinander stehend lieferten sie sich einen Schlagabtausch aus der Nahdistanz - und abgesehen vom einen oder anderen Schlag auf den Hinterkopf, was im Eifer des Gefechts schnell mal passiert, fast ausnahmslos sauber. Gerade der Argentinier demonstrierte zudem gerne, dass ihm Spomers Schläge gar nichts ausmachen. "Mit diesen Psychospielchen wollte er mich verunsichern. Doch das hat nur nochmal zusätzliche Kräfte bei mir freigemacht. Da werde ich zum Inferno", sagte Spomer.

Nächster Kampf voraussichtlich im Herbst

Im Vergleich zu früheren Kämpfen stieg er nur wenig auf diese Mätzchen ein. Zwar ließ er auch mal die Fäuste hängen und wackelte deckungslos vor seinem Gegner hin und her. Doch sobald von Lunka aus der Ecke der Befehl "Hände hoch!" kam, kehrte Spomer zur soliden Kampfführung zurück.

Jetzt ist erst einmal Urlaub angesagt. Seit dem 4. Januar hat Spomer beinahe durchtrainiert, nur nach seinem Kampf im März gönnte er sich eine einwöchige Pause. "Jetzt muss die Belastung erst einmal runter, sonst verbrenne ich", sagte der Familienvater. Im Herbst soll es wieder in den Ring gehen. Dann soll es endlich um einen internationalen Titel gehen.

Wunschgegner Dominik Britsch

In und um Heilbronn würden bestimmt viele Boxfans zu einem Kampf zwischen Slawa Spomer und Dominik Britsch kommen. Spomers Manager Thomas Holefeld betonte am Samstag in Bruchsal nicht zum ersten Mal, dass er großes Interesse hätte, das Duell zwischen seinem aktuellen und seinem Ex-Schützling zu veranstalten. Ob der frühere IBF-Junioren-Weltmeister Britsch (33) hierfür aber seine schon drei Jahre währende Ringpause beendet, bleibt abzuwarten. 

 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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