Ramona Betz fährt für Finnland zur WM

Tischtennis  Die 16-jährige Löwensteinerin darf nächstes Jahr nach Südkorea. An diesem Samstag gibt es aber erst einmal ein Wiedersehen mit ihrem ehemaligen Club Neckarsulmer Sport-Union.

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"Natürlich ist es etwas Besonderes, gegen Neckarsulm zu spielen", sagt Ramona Betz vor dem Drittliga-Duell Stuttgart gegen ihren Jugendverein Neckarsulm.

Foto: privat

Das Sonntagsziel war klar. "Einfach mal wieder Tischtennis schauen", sagte Ramona Betz - und lachte. Mehr als ein halbes Jahr ohne Punktspiel liegt hinter der Löwensteinerin. Am vergangenen Sonntag saß die 16-Jährige als Zuschauerin auf der Tribüne der Neckarsulmer Ballei. Gegnerbeobachtung fürs nächste Wochenende. An diesem Samstag (17 Uhr) trifft Betz mit ihrem Sportbund Stuttgart in der 3. Liga auf die Neckarsulmer Sport-Union, ihren Heimatclub, den sie vor drei Jahren gen Stuttgart verließ. Der besseren Perspektive wegen. "In Neckarsulm hat damals eine starke zweite Mannschaft und die passende Spielklasse für Ramona gefehlt", sagt Vater Rüdiger Betz.

Nun kommt es erstmals zu einem Wiedersehen in einem Punktspiel. "Natürlich ist es etwas Besonderes, gegen Neckarsulm zu spielen", sagt die Gymnasiastin (11. Klasse) vor dem Duell des Drittliga-Aufsteigers mit dem Zweitliga-Absteiger: "Endlich geht es auch für uns wieder los."

Zweisprachig aufgewachsen: Mutter Kaarina ist Finnin

Ramona Betz ist die Nummer drei in der deutschen Rangliste in ihrem Jahrgang. Eigentlich. Denn sie ist nicht mehr Teil davon. Die Unterländerin hat neben dem deutschen auch einen finnischen Pass, für das Land ihrer Mutter Kaarina startet sie international. "Ich habe schon eine besondere Beziehung zu diesem Land, fühle mich mit ihm verbunden." Ramona Betz ist zweisprachig aufgewachsen und hat sich sportlich für Finnland entschieden. "So kann sie sich auf internationalem Level messen", sagt Vater Rüdiger Betz über den Verbandswechsel.

Corona machte jedem Sportler einen Strich durch die Rechnung. Im Fall von Ramona Betz war er besonders dick. Die Team-WM im koreanischen Busan ist aufs nächste Jahr verlegt worden. Es wäre ihre erste Aktiven-WM gewesen, auch wenn Finnland sich nicht mit den ganz großen Nationen messen darf und bei der WM der Kleinen mitmacht. In einer Halle mit Boll und Co. zu spielen, das ist trotzdem kein alltägliches Erlebnis. Selbst wenn die Gegner aus Tischtennis-Entwicklungsländern kommen.

Ein Olympia-Start ist illusorisch

"Ich war schon für die WM nominiert", sagt Betz, die Ende Februar Rang drei bei den finnischen Einzelmeisterschaften der Aktiven belegte. Nun soll die WM nächstes Jahr (28. Februar bis 7. März) stattfinden. So Corona will. In Estland und Ungarn spielte sie schon bei Jugendturnieren für ihr Mutterland, wo Tischtennis nicht zu den Topsportarten gehört. "Es fehlt in der Breite an guten Spielerinnen", sagt Ramona Betz. Die internationalen Einsätze helfen, Erfahrungen auf Top-Niveau zu sammeln. Auf Landes- oder Bundesebene darf sie in Deutschland allerdings nicht mehr antreten. Dafür sind Europa- und Weltmeisterschaften mit Finnland möglich. Eine Olympia-Teilnahme für Finnland ist aufgrund der wenigen europäischen Startplätze illusorisch.

Eine Bilanz von 20:8 steuerte Betz in der Vorsaison in Stuttgart zur Regionalliga-Meisterschaft bei. Ihr Abgang vor drei Jahren hat in Neckarsulm nicht allen gefallen. Der Verlust eines Eigengewächses schmerzt eben. Eine Rückkehr ist aktuell kein Thema, sagt Betz. "Wir haben eine nette Mannschaft, ich fühle mich sehr wohl in Stuttgart."

Trainingsgruppe mit NSU-Ass Wenna Tu in Böblingen

Familie Betz ist viel unterwegs fürs Tischtennis, nicht nur international, sondern auch national. Schule in Obersulm, dazu vier bis fünf Mal die Woche Training in Stuttgart und Böblingen, wo Ramona Betz in einer Trainingsgruppe mit NSU-Spitzenspielerin Wenna Tu an der Technik feilt. Es wird am Samstag also das Aufeinandertreffen alter Bekannter. Auch Simona Horvathova, die neue Nummer drei der Sport-Union, ist für Betz keine Unbekannte, schließlich spielte die Slowakin die vergangenen drei Jahre mit Kaiserslautern in der Regionalliga Südwest - unter anderem gegen Stuttgart. Ramona Betz schaute am Sonntag trotzdem ganz genau hin. Das letzte Punktspiel ist schon sehr lange her.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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