Pferde-Herpes: Lage auf dem Hof der Schlüsselburgs ist besser, aber noch nicht gut

Reitsport  Mittlerweile sind es auf dem vom aggressiven Virus befallenen Hof bei Ilsfeld elf tote Tiere. Es gibt aktuell keine Hinweise auf eine Verbreitung über den Stall des Kaderreiters hinaus.

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Gegensätze: Das war für Sven Schlüsselburg einer der schönsten Momente (Platz acht in Aachen 2019). Gerade erlebt er ganz schwere Tage.

Foto: imago images/Sven Simon

Womöglich hat tatsächlich alles Schlechte auch etwas Gutes. Im Fall der schwer vom aggressiven Pferde-Herpes-Virus getroffenen Familie Schlüsselburg in Ilsfeld ist es der Rückhalt, den sie bekommt, auch von Menschen, "von denen wir das gar nicht gedacht hätten", wie Romina Schlüsselburg sagt. Ihr Mann Sven ergänzt: "Uns haben unwahrscheinlich viele Leute geschrieben, sogar per Brief."

Das helfe in der Tat "in einer Situation, in der du kurz vor dem Verrücktwerden bist und es nicht so einfach ist, die Kontrolle über sich selber und den ganzen Stall zu behalten", sagt der 39 Jahre alte Springreiter.

Vor dreieinhalb Wochen hat das offensichtlich vom Turnier in Valencia als unsichtbares, tödliches Souvenir mitgebrachte Virus das Kommando im etwa 60 Pferde umfassenden Stall der Schlüsselburgs übernommen. Mittlerweile sind im Pferdeleistungszentrum Engelsberg, nördlich von Ilsfeld, acht tote Fohlen, zwei tote Pferde und ein totes Pony zu beklagen.

Die fast 30 Jahre alte Pepina sei ein Familienmitglied gewesen, "unsere Tochter hat mit ihr ihre ersten Reiterwettbewerbe gewonnen", sagt Sven Schlüsselburg, der trotz des befallenen Stalls ("So eine harte Zeit hatten wir noch nie.") wohlgemerkt nicht jammert.

 

Interview im Morgenmagazin von ARD und ZDF

Dass der Nationenpreisreiter ab und an einer der zahlreichen Interview-Anfragen nachkommt, wie zum Beispiel im Morgenmagazin von ARD und ZDF am Laptop, hat diesen Grund: "Es ist mir wichtig, diese Erfahrung zu teilen. Zu kommunizieren, dass es auch andere Leute treffen kann. Das Herpes-Virus wurde zuvor nie in der Öffentlichkeit groß thematisiert." Es gehe ihm nicht um das Team Schlüsselburg, sondern um die Reitsportfamilie.

Die atmet ein Stück weit auf, weil die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) am Montagabend mitgeteilt hat, dass das wegen der Herpes-Ausbreitung geltende Turnierverbot schon ab 29. März aufgehoben wird (sofern keine Pferde vor Ort eingestallt werden oder übernachten) - der Weltverband FEI hat alle internationalen Turniere in mehreren europäischen Ländern bis zum 11. April verboten. Die FN habe keine Hinweise darauf, dass sich das Virus über die Ställe der Valencia-Rückkehrer hinaus verbreitet habe, sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach in einer Mitteilung. "Das war das Ziel des Veranstaltungsstopps." Laut FEI sind 17 Pferde an dem Herpes-Virus gestorben.

Schlüsselburg: Zahl der positiven Fälle hat sich halbiert

An Turnierteilnahmen ist bei den Schlüsselburgs nach wie vor nicht zu denken. "Ende vergangener Woche hatten sich die positiven Fälle im Stall halbiert", sagt Sven Schlüsselburg. "Es ist besser geworden, aber noch nicht gut. Wir müssen uns mit Aussagen zurückhalten." Elf tote Tiere, das ist schrecklich.

Lässt sich schon abschätzen, wie hoch die durch das Virus entstandenen Kosten sind und wie groß der wirtschaftliche Schaden sein wird? "Das wollen wir im Moment gar nicht so genau wissen", sagt Romina Schlüsselburg. "Es wird aber vermutlich ein hoher fünfstelliger Betrag sein." Der Weg zurück ist für die Schlüsselburgs noch lange nicht zu Ende. "Es wird Monate dauern, bis der Betrieb wieder aufgebaut ist", sagt Sven Schlüsselburg, "bis die Tiere wieder auftrainiert sind, ich wieder Reitstunden geben kann, Pferde verkauft werden können".

Immerhin sind Bud Spencer und Nascari mittlerweile zurück in Deutschland. Beide Ausnahmepferde waren in Doha positiv getestet worden, seien am Samstag in Luxemburg gelandet und nun bei einer Freundin in einem Stallzelt in Quarantäne, sagt Sven Schlüsselburg. Dessen Schwester Gabriela ist nach wie vor bei den beiden Tieren. "Es war nicht einfach, einen Stall zu finden", sagt der Kaderreiter und versichert: "Beide Pferde können das Virus nicht mehr weitergeben. Dennoch ist es wichtig, dass sie separiert bleiben."

 


Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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