Perfekter Freitag für NSU-Schwimmer ein Olympia-Feiertag

Schwimmen  Annika Bruhn, Celine Rieder, Marie Pietruschka, Fabian Schwingenschlögl und Henning Mühlleitner: Gleich fünf Schwimmer der Neckarsulmer Sport-Union haben am Freitag binnen kurzer Zeit ihr Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio gebucht.

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Olympia-Teilnehmerin mit 20 Jahren: Celine Rieder hat sich über die längste Becken-Distanz, 1500 Meter Freistil, das Ticket für Tokio gesichert.

Foto: imago-images

Eins, zwei, drei, vier, fünf - Schlag auf Schlag ging es am Freitag. Innerhalb von weniger als 90 Minuten lösen gleich fünf Schwimm-Asse der Neckarsulmer Sport-Union das Ticket für die Olympischen Spiele. Annika Bruhn, Celine Rieder, Marie Pietruschka, Henning Mühlleitner und Fabian Schwingenschlögl dürfen ihre Koffer packen und vertreten Neckarsulm in der japanischen Hauptstadt Tokio. "Das ist für Neckarsulm ein historischer Erfolg", freute sich Bundestrainer Hannes Vitense, der ebenfalls in Neckarsulm lebt.

Da für das finale Qualifikations-Wochenende (Olympia und EM) in Berlin nur die besten deutschen Schwimmer und Schwimmerinnen einen Startplatz erhielten, waren die Starterfelder überschaubar. Der Druck auf fast jeden Teilnehmer war dafür umso größer.

Hirschmann: Besser hätte es nicht laufen können

"Es war der perfekte Tag, besser hätte es nicht laufen können", sagte Christian Hirschmann. Gefeiert wurde gestern Abend (noch) nicht. "Es geht noch zwei Tage und jeder davon hat für uns noch spannende Momente parat." Der Neckarsulmer Trainer gönnte sich aber dennoch ein Feierabend-Bier. "Ich glaube, das darf ich auch, nach solchen Ergebnissen", sagt Hirschmann. Er muss ja nicht schwimmen, nur jubeln und klatschen.

Perfekter Freitag für NSU-Schwimmer ein Olympia-Feiertag

Für Einzel und Staffel nominiert: Annika Bruhn wird in Tokio wohl wieder zu einer Vielstarterin. Über 200 Meter Freistil hat sie die Einzel-Qualifikation geschafft.

Foto: dpa

Den erfolgreichen Anfang am späten Freitagnachmittag gestaltete Henning Mühlleitner über die 200 Meter Freistil. Im Vorlauf am Vormittag verbesserte er seine Bestzeit auf 1:47,77 Minuten. Im Finale wurde er in 1:48, 11 Vierter hinter Lukas Märtens (SC Magdeburg), Jacob Heidtmann (Stadtwerke Elmshorn) und Poul Zellmann. In der Addition aller vier Zeiten knackte das Quartett die DSV-Olympia-Norm für die Staffel. Und somit ist Mühlleitner in Tokio dabei.

Ebenso wie Annika Bruhn, die über diese Strecke als Zweite hinter Isabel Gose (SC Magdeburg) in neuer persönlicher Bestzeit von 1:57,17 gestoppt wurde und damit die Norm (1:57,20) für einen Einzelstart unterbot. Vierte in diesem Rennen wurde Marie Pietruschka, die neben Bruhn als zweite Neckarsulmerin ihren Platz in der Olympia-Staffel über 4 x 200 Meter Freistil zementierte.

Celine Rieder hatte das Ticket fast schon sicher

Perfekter Freitag für NSU-Schwimmer ein Olympia-Feiertag

Ebenfalls in Japan dabei: Marie Pietruschka.

Foto: Jo Kleindl

Celine Rieder wurde über die 1500 Meter Freistil Dritte, schwamm knapp 18 Sekunden langsamer als vor einer Woche in Eindhoven, wo sie in 16:09,00 Minuten persönliche Bestzeit schwamm und die Olympia-Norm klar unterboten hatte. Als insgesamt zweitschnellste Deutsche hinter Vizeweltmeisterin Sarah Köhler hat auch sie ihr Olympia-Ticket sicher. Schon vor dem Start war ihre Reise nach Japan quasi gesichert, da Konkurrentin Lea Boy nicht gemeldet hatte und sich Leonie Antonia Beck (Würzburg) auf das Freiwasserschwimmen fokussiert.

Es war reine Formsache, das Neckarsulmer Olympia-Quintett komplettierte wie erwartet Fabian Schwingenschlögl auf der 100-Meter-Bruststrecke. Der deutsche Rekordhalter in dieser Disziplin kontrollierte das Feld als Sieger problemlos.

Ihr Olympia-Soll haben die Neckarsulmer übererfüllt

Nadine Laemmler kämpfte über 100 Meter Rücken vergeblich gegen die EM-Norm an, versucht sich nun noch auf der 200-Meter-Distanz. NSU-Eigengewächs Bente Fischer greift ebenfalls nach ihrer zweiten EM-Chance auf ihrer Lieblingsstrecke 200 Meter Brust. Über die halbe Brust-Distanz lieferte sie ein starkes Rennen, letztlich fehlten für Budapest aber 16 Hundertstel.

"Bente hat sich über die 100 Meter deutlich, um acht Zehntel, verbessert, mit ihr ist auf den 200 zu rechnen", ist Hirschmann zuversichtlich - nicht nur was die EM-Norm betrifft. An diesem Samstag kämpft Mühlleitner über die 400 Meter Freistil noch um ein mögliches Olympia-Einzelstartrecht. Für Bruhn und Pietruschka geht es darum, ihren Platz in der 100-Meter-Freistilstaffel zu verteidigen. Bruhn hofft zudem auf ihre zweite Einzel-Qualifikation. Doch schon jetzt haben die Neckarsulmer Asse ihr Olympia-Soll mehr als erfüllt.

Sieben Neckarsulmer Asse in Berlin und zwei in Heidelberg am Start

Für die Teilnahme am finalen Qualifikations-Wochenende in Berlin hat der Deutsche Schwimm-Verband interne Normzeiten festgelegt. Nur die Besten sind somit in der deutschen Hauptstadt dabei, wenn es noch bis Sonntag um die letzten Tickets für die Olympischen Spiele in Tokio und die zuvor stattfindenden Europameisterschaften in Ungarn geht. Lediglich 33 Männer und 32 Frauen sind für 22 Wettbewerbe gemeldet, zum Teil mit Doppel- oder Dreifachstarts. Die jeweiligen Starterfelder sind überschaubar. Die Neckarsulmer Sport-Union stellt mit sieben Schwimmern und Schwimmerinnen eine der größten Abordnungen.

Nur die SG Frankfurt (8) ist mit mehr Teilnehmern angereist. Wobei die NSU offiziell nur mit sechs Athleten gemeldet ist. Die Nummer sieben, Marie Pietruschka, ist noch mit der Vereinszugehörigkeit SSG Leipzig vermerkt. Die mehrfache WM- und EM-Teilnehmerin trainiert und lebt aber seit Juli 2020 in Neckarsulm. Da sie nun aber beruflich bei der IT-Firma Bechtle Fuß gefasst hat, läuft der Antrag auf den endgültigen Vereinswechsel. Marlene Hüther und Daniel Pinneker haben sich mit ihren Zeiten nicht für Berlin qualifizieren können und sind für ein Meeting in Heidelberg gemeldet. tok

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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