Ohne ihren Anführer haben die Riesen Ludwigsburg keine Chance

Basketball  Alba Berlin gewinnt beim Abschluss-Turnier der Basketball-Bundesliga das Final-Hinspiel mit 88:65. Bei den Riesen Ludwigsburg macht sich das Fehlen von Marcos Knight deutlich bemerkbar.

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Zu selten fanden die Ludwigsburger ein Durchkommen. Jonas Wohlfarth-Bottermann (Mitte) wird von den Berlinern Kenneth Ogbe (links) und Luke Sikma bekämpft. Alba hatte mehr Energie als die Riesen.

Foto: dpa

Die Riesen Ludwigsburg haben mit dem Einzug ins Finale um die deutsche Meisterschaft bereits Vereins-Geschichte geschrieben. So weit kamen sie vor dem Abschluss-Turnier in München in den Playoffs noch nie. Doch schon nach Spiel eins scheint der Titeltraum geplatzt zu sein.

Nach der herben 88:65-Niederlage gegen Alba Berlin, ist es wenig realistisch, dass die Riesen das Duell im Rückspiel am Sonntag (15 Uhr Sport1/Magentasport) mit 23 Punkten Rückstand noch drehen können.

Wohlfahrth-Bottermann versucht Optimismus zu verbreiten

"Es ist nie vorbei", sagte Riesen-Kapitän Jonas Wohlfarth-Bottermann. "Wir haben versucht zu kämpfen und den Rückstand nicht zu groß werden zu lassen, aber Alba hat viel Qualität." Für Trainer John Patrick waren einige Spieler übermotiviert und "wir hatten eine schlechte Ballbewegung, Aber ich bin stolz, dass wir nicht aufgegeben haben."

Es begann in der Geisterspiel-Atmosphäre im Audi Dome am Freitag so stimmungsvoll wie möglich. Die Veranstalter des Final-Turniers der Basketball-Bundesliga hatte sich bemüht, für Stimmung zu sorgen.

Live intonierte eine Opernsängerin die deutsche Nationalhymne. Andächtig lauschten die aufgereihten Spieler vom Favoriten Alba Berlin und dem großen Außenseiter Riesen Ludwigsburg.

Der Ausfall von Marcos Knight drückt Ludwigsburger Stimmung

Eines drückte aber die Final-Euphorie der Ludwigsburger vor der Partie gewaltig: Marcos Knight musste auf der Bank Platz nehmen und war zum zuschauen verdammt.

Der Anführer hatte es nicht geschafft, seine Knöchelverletzung vom Halbfinal-Rückspiel gegen Ratiopharm Ulm auszukurieren. Das Fehlen des Kraftpakets machte sich dann auch deutlich bemerkbar. "Nach dem Spiel gegen Ulm konnte er schon nicht gehen. Es ist schade, er hat eine unglaublich wichtige Rolle in unserer Mannschaft. Aber wir haben andere, die diese Rolle vielleicht kompensieren können", sagte Patrick.

In den vorangegangenen Spielen war es Knight, der in entscheidenden Phasen die Verantwortung übernahm. Teyvon Myers oder Zamal Nixon konnten die Lücke nicht ausfüllen. Die Leistungsträger Thomas Wimbush, Jaleen Smith und Nick Weiler-Babb spielten keine gute Partie. Noch dazu passte es im Prunkstück, der Defensive, nicht zusammen, während Berlin aggressiv verteidigte und Ludwigsburg zu Fehlern zwang.

Nach ausgeglichener Anfangsphase wird Berlin stärker

In der Anfangsphase war es aber zunächst noch ausgeglichen. Berlin fand in der Offensive nicht zum Rhythmus. Kurz vor dem Ende des ersten Viertels zog Alba dann auf 18:8 davon. "Wir müssen besser verteidigen", mahnte Patrick in der anschließenden Auszeit.

Dies gelang nur bedingt. Mit einem 19:13 aus Sicht der Berliner ging es ins zweite Viertel. Dort hatte Berlin dann die totale Kontrolle. Als Lukas Herzog auf 20:22 verkürzte, war für Ludwigsburg noch alles in Ordnung. Doch dann fand Berlin immer besser in den Rhythmus, Ludwigsburg schaffte es nicht mehr zu verteidigen. Nach einer Viertelstunde stand es 30:20. Zur Pause führte Berlin mit 46:29.

Zwei Yongster sind zur Pause die besten Punktesammler

Bezeichnend für die erste Halbzeit der Riesen: Mit Jacob Patrick (16 Jahre) und Lukas Herzog (18) waren zwei Youngster mit jeweils sechs Punkten die besten Werfer. Wimbush bemängelte in der Pause die Disziplin seines Teams und hoffte auf eine bessere Verteidigung in den zweiten 40 Minuten. Es ging vor allem noch darum, sich eine ordentliche Ausgangsposition für das Rückspiel zu erkämpfen.

Doch es gelang nicht wirklich. Berlin spielte mit viel Energie weiter, Ludwigsburg ließ die Dynamik der vergangenen Spiele vermissen. Im bisherigen Turnierverlauf war aber gerade dies ihre große Stärke. Dieser beraubt, bekamen die Riesen den großen Favoriten nicht unter Kontrolle - auch weil Führungsspieler Knight nicht helfen konnte. Berlin baute die Führung immer weiter aus.

Ludwigsburg schien wie gelähmt, war kaum wiederzuerkennen im Vergleich zu den vergangenen Wochen. Über ein 54:31 und ein 63:35 ging es nach einer Machtdemonstration mit einem 69:42 in die letzten zehn Minuten.

Ludwigsburg gibt nicht auf, kann aber kaum verkürzen

Die Riesen gaben zwar nicht auf und versuchten Schadensbegrenzung zu betreiben. Doch es reichte beim 65:88 nicht, um noch eine realistische Chance im Rückspiel zu haben. "Es ist gut für uns gelaufen", sagte der Berliner Nils Giffey. "Wir haben eine sehr gute Energie gehabt und einen guten Puffer für das zweite Spiel herausgeholt."

Nachdem die Ludwigsburger mit ihrem ersten Finaleinzug in der Vereinshistorie Geschichte schrieben, sieht es nicht so aus, als könnten sie am Sonntag im Rückspiel die Geschichte fortschreiben.


Marc Schmerbeck

Marc Schmerbeck

Autor

Marc Schmerbeck ist seit 2009 zuständig für den Sport in Hohenlohe. Als Heilbronner geht sein Blick aber auch über jegliche Grenzen hinweg.

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