Noch ein bisschen Hoffnung auf Olympia

Karate  Die Coronavirus-Pandemie bringt auch für Karateka Lena Mayer viel Ungewissheit mit. Doch die 24-Jährige versucht die Lage so gelassen wie möglich zu nehmen.

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Lena Mayer feilt mit viel Eifer an ihren Kata-Küren.

Foto: privat

Lena Mayer ist das Leben aus dem Koffer gewohnt - den weißen Kampfanzug mit dem deutschen Adler auf der Brust dabei stets ganz oben im Gepäck. Für ihren Passion reist die Profi-Sportlerin und Studentin regelmäßig um die Welt. Normalerweise. Doch die Zeiten sind gerade auch im Karate alles andere als normal.

"Der Wettkampfbetrieb ist natürlich komplett abgesagt. Bis September ist alles gestrichen und danach ist auch noch nicht klar, wie es weitergeht", schildert Lena Mayer die Einschränkungen durch das Coronavirus. Doch: Die Pandemie ist für sie eine Problem und eine Gelegenheit zugleich.

Finden noch Qualifikationsturniere statt?

Die Olympischen Spiele in Tokio sind für 2020 abgesagt worden. Mit der geplanten Verschiebung auf Juli 2021 hat sich für Lena Mayer ein letzter Hauch Hoffnung auf den großen Traum der Teilnahme in Japan gewahrt. Ein Vorteil. "Allerdings je nachdem, was überhaupt noch für Qualifikationsturniere stattfinden werden. Wenn es die kleinste Chance gibt, nutze ich diese natürlich", betont die 24-Jährige.

Doch sie ist Realistin und weiß, dass die Wahrscheinlichkeit auf Olympia "sehr gering" ist. Nur einen Startplatz gibt es pro Nation, wenn der finale Wettstreit um die zehn Disziplinen-Tickets für Tokio steigt. Und der scheint in Deutschland schon seit Jahren fest vergeben.

National die Nummer zwei

Lena Mayer steht als Nummer zwei im Bundeskader. Hinter ihrer schärfsten Konkurrentin Jasmin Jüttner. So war die Reihenfolge auch Anfang März bei den Deutschen Meisterschaften, eine der letzten Kata-Veranstaltungen, die noch stattgefunden haben. "Im Finale war es gar nicht so weit auseinander, von den Punkten relativ nah beisammen. Für mich war das Ergebnis wirklich in Ordnung, auch wenn es das Ziel war, zu gewinnen. Aber es war klar, dass es gegen sie sehr schwer werden wird", schaut Lena Mayer zurück auf ihre Vizemeisterschaft und das jüngste Duell mit Jüttner.

Beim Blick nach vorn sieht sie viel Ungewissheit. Über die Weltrangliste hat sie kaum noch Chancen, weil Lena Mayer in den vergangenen eineinhalb Jahren auf zu wenigen Wettkämpfen starten konnte. Keiner weiß, wie viele internationale Wettkämpfe es noch geben wird, um sich zu empfehlen. Zwei Turnier in Paris und Istanbul wurden bereits abgesagt. Ohne Ankündigung eines Ersatztermins. Lena Mayer bleibt nur das geduldige Warten. Und das Feilen an der eigenen Kata. Jene komplexe Küren, die alte japanische Meister einst erarbeitet haben und wie eine Mischung aus Kampf und Tanz wirken,

Besinnen auf die Grundlagen

"Es tut auch mal ganz gut, eine Wettkampfpause zu haben und sich nochmal ein bisschen mehr auf die Grundlagen zu besinnen, daran intensiv zu arbeiten. Wenn man sonst nur von Wettkampf zu Wettkampf hetzt, bleibt das öfter mal auf der Strecke", sagt die Obersulmerin. Ihren Koffer hat sie aber schnell gepackt, sollte sich eine Chance bieten, doch noch für Tokio zu qualifizieren.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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