Negatives Corona-Testergebnis fürs positive Spielergebnis

Tischtennis  Warum der Neckarsulmer Josef Braun als sportlicher Berufspendler aus Tschechien derzeit vor besonderen Problemen steht.

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Josef Braun braucht einen negativen Corona-Test, um am Samstag in Passau für die Neckarsulmer Sport-Union an den Tisch gehen zu können. Foto: Archiv/Bertok

Seit 24 Jahren pendelt Josef Braun zwischen seiner Heimat, dem tschechischen Frydek-Mistek, und Neckarsulm. Mit der hiesigen Sport-Union pflegt er eine intensive Wochenend-Beziehung und kämpft auch im Alter von 51 Jahren noch um Zweitliga-Punkte. Braun kennt die Zeiten, als es in Tschechien kaum Autobahnen gab, Zollkontrollen an der Grenze normal waren. "Da musste man noch eine Stunde warten, bis man in Deutschland war", erinnerte sich Josef Braun vor zwei Jahren an die Anfänge 1996.

Jetzt ist die Grenze auf einmal wieder da, gezogen wird sie vom Robert-Koch-Institut (RKI). Der Vorhang von einst ist nicht mehr eisern, sondern besteht aus Zahlen. Seit dem 25. September ist Tschechien als Risikogebiet ausgewiesen. Aufgrund sehr hoher Corona-Infektionszahlen gibt es eine Reisewarnung für Tschechien. Am Samstag (14 Uhr) gastieren die Neckarsulmer beim TTC Fortuna Passau.

Fünf verschiedene Stellen, sechs verschiedene Auskünfte

Darf Josef Braun dann mit dabei sein? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Diese Frage hat Alexander Mohr als Trainer und Sportlicher Leiter der Neckarsulmer Zweitliga-Männer in den vergangenen Tagen natürlich umgetrieben. Ihn viel Zeit, Nerven und einen Vormittag am Telefon gekostet. "Man ruft fünf verschiedene Stellen an und bekommt sechs verschiedene Auskünfte", sagt Mohr, der sich bei Landratsämtern und Ordnungsämtern durchfragte. "Jeder weiß es gar nicht - oder besser als der andere", sagt Alexander Mohr. Unterm Strich gibt es aber ein positives Ergebnis, das von einem negativen abhängt. So hat es das Ordnungsamt Passau mitgeteilt. 

Am Donnerstag hat sich Braun einem Corona-Test unterzogen. Seit Freitagmittag liegt das negative Test-Ergebnis vor. Es darf bei Spielbeginn nämlich nicht älter als 48 Stunden sein und ist vom 51-Jährigen immer mit sich zu führen. Braun machte sich am Freitag auf den 580-Kilometer weiten Weg gen Passau – und übernachtet kurz vor der Grenze. Sich am Samstag in Passau vor Ort beim Ordnungsamt zu melden, das ist nicht möglich.

DTTB hilft den Vereinen kaum

So darf der tschechische Jugend-Nationaltrainer dann direkt aus seiner Heimat nach Passau reisen. Sich am Samstag vor Ort beim Ordnungsamt zu melden, das ist nicht möglich. Am Wochenende hat das Passauer Ordnungsamt geschlossen. "Wir hoffen, dass alles wie geplant klappt", sagt Alexander Mohr. Und der Verband?

"Wir können schwer etwas für die Vereine machen und Rücksicht nehmen. Die Spieler sind da oder nicht. Aus welchen Gründen sie verhindert sind, das können wir nicht beeinflussen. Ob es ein gebrochenes Bein oder eine Reiseverhinderung ist, das ist von uns als Verband nicht zu verantworten", sagt Patrick Festel, der Spielleiter der 2. Bundesliga beim Deutschen Tischtennis-Bund.

Wer für die Testkosten aufkommt, ist noch offen

Negatives Corona-Test-Ergebnis fürs positive Spiel-Ergebnis

Simona Horvathova kommt aus der Slowakei nach Neckarsulm. Foto: Bertok

Eine Woche später ist dann fürs nächste Zweitliga-Heimspiel in Neckarsulm übrigens erneut ein negativer Covid-19-Nachweis zu erbringen. Wer für die Testkosten aufkommt, ist noch offen. Ende Oktober wird es dann eventuell ganz kompliziert: Neckarsulm gastiert dann bei Hertha BSC in der Bundeshauptstadt Berlin, die als Risikogebiet ausgewiesen ist. "Darum kümmere ich mich nächste Woche", sagt Alexander Mohr, der sich von Verbandsseite etwas allein gelassen fühlt. "Die Vereine wünschen sich natürlich mehr Unterstützung, aber uns sind da auch die Hände gebunden", sagt Verbandsmitarbeiter Festel: "In erster Linie ist unser Ziel, den Spielbetrieb aufrechtzuhalten."

Auch die Konkurrenz ist betroffen von der momentan fragilen Situation. Kaum ein Team in Liga zwei kommt ohne Ausländer aus. Passau beispielsweise setzt auf vier Legionäre. Reise- und Risikofreiheit ist folglich auch dort ein Problem. Das Passauer Quartett besteht aus einem Engländer (Tom Jarvis), Ungarn (Csaba Andras), Kroaten (Tomislav Kolarek) und Polen (Jakub Folwarski). Neckarsulms Neuzugang Sanil Shetty, im Vorjahr noch ein Passauer, sitzt immer noch in Indien fest.

Aus der Slowakei reist am Freitag Simona Horvathova gen Neckarsulm. Die Drittliga-Frauen gastieren am Samstag (14.30 Uhr) im bayerischen Wombach. Die Slowakei ist nur teilweise RKI-Risikogebiet, auch die Durchreise durch Österreich nach Neckarsulm ist möglich. "Ich hoffe, das bleibt so", sagt Trainer Frank Hessenthaler. Horvathova kommt per Fahrgemeinschaft und hat sich vom Verein eine schriftliche Bestätigung schicken lassen, dass sie als Sportlerin unterwegs ist. Verrückte Zeiten für Berufspendler.


Florian Huber

Florian Huber

Autor

Florian Huber ist seit 2007 bei der Heilbronner Stimme. Als Sportredakteur ist er seitdem unter anderem zuständig für Fußball. Auf Sportplätzen der Region und in den großen Stadien der Republik.

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