Neckar-Cup: Wildcards für Molleker und Hanfmann, oder?

Tennis  Vor dem Auftakt des 7. Heilbronner Neckar-Cups gibt es noch Fragezeichen. Am Sonntag geht es mit der Qualifikation los.

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"Hier in Heilbronn hat alles angefangen": Rudolf Molleker, damals 17 Jahre alt, am 20. Mai 2018 nach seinem Finalsieg über Jiri Vesely.

Foto: Archiv/Berger

Die siebte Auflage des Heilbronner Neckar-Cups wird anders als die ersten sechs Kapitel der Erfolgsgeschichte. Ganz anders. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Tennis-Profis aus aller Welt ab Sonntag nach 730 Tagen Pause wieder beim Challenger-Turnier am Trappensee aufschlagen. Wegen der Pandemie hatte der Neckar-Cup 2020 ausfallen müssen. Nun also der zweite Anlauf. Ohne Zuschauer, in einer Blase und mit täglichen Corona-Tests. "Es ist kein gewohnter Aufbau", sagt Tom Bucher am Freitag, der das Sandplatzturnier mit Mine und Metehan Cebeci organisiert. Alles ist anders.

Großes Interesse der Spieler

Unverändert groß ist das Interesse der Spieler am Turnier in Heilbronn. So hat sich eine ehemalige Nummer eins der Weltrangliste gemeldet: "Andy Murray hat um eine Wildcard gebeten", sagt Turnierdirektor Metehan Cebeci. Doch ein zweimaliger Olympiasieger dürfte eine Antrittsprämie verlangen, jedenfalls kommt der Brite, der derzeit Platz 123 belegt, nicht nach Heilbronn. Dafür kommen Yannick Hanfmann, Rudolf Molleker und Mats Moraing - so wie es aussieht.

Metehan Cebeci hat seine letzten Wildcards in Rücksprache mit Bundestrainer Michael Kohlmann fest verplant. In der am Sonntag beginnenden Qualifikation bekommt Mats Moraing (aktuell Platz 268 in der Weltrangliste) eine Chance, im Hauptfeld Rudolf Molleker, der 2018 mit dem Triumph beim Neckar-Cup seinen größten Erfolg feierte.

Michael Kohlmann hält auf den 20-Jährigen nach wie vor große Stücke, sagt: "Wenn Rudi kontinuierlich arbeiten kann, verletzungsfrei bleibt, kann er in nächster Zeit die nächsten Schritte gehen." "Raketen-Rudi", wie die Stimme vor drei Jahren schrieb, wurde immer wieder von Verletzung ausgebremst und steht in der Weltrangliste gerade auf Platz 253. Fünf seiner 13 Matches im Jahr 2021 hat er gewonnen.

Rückkehr dürfte Molleker beflügeln

Die Rückkehr dürfte ihn beflügeln, Selbstvertrauen geben: "Hier in Heilbronn hat alles angefangen", sagte er vor seiner Rückkehr 2019, als er im Viertelfinale im Tiebreak des dritten Satzes unterlag; und auf dem Weg dorthin unter anderem Mats Moraing geschlagen hatte.

Auch Yannick Hanfmann kennt die Anfahrt zur Krummen Steige: Der 29 Jahre alte Karlsruher war bereits 2018 und 2019 auf der Anlage des TC Heilbronn am Trappensee am Start. Wobei er nur bedingt erfolgreich war. Zwei seiner bisherigen drei Matches verlor der Davis-Cup-Spieler: 2018 im Achtelfinale gegen Rudi Molleker, 2019 in der ersten Runde gegen Daniel Masur. Vor Hanfmanns Heilbronn-Auftritt 2021 sind die Vorzeichen gemischt: Einerseits steht er seit Oktober im Ranking so gut da wie noch nie, ist aktuell die Nummer 96 der Welt. Aber er ist angeschlagen.

Letzte Wildcard ist für Hanfmann reserviert

Neckar-Cup: Wildcards für Molleker und Hanfmann, oder?

Hat in München wegen Nackenproblemen im Achtelfinale passen müssen: Yannick Hanfmann. Der Karlsruher hat bereits 2018 und 2019 in Heilbronn gespielt.

Foto: dpa

Vergangene Woche musste Yannick Hanfmann beim ATP-Turnier in München sein Achtelfinale gegen den zweimaligen Neckar-Cup-Sieger Filip Krajinovic (Serbien) wegen Nackenbeschwerden absagen. "Yannick trainiert in München, will mir aber heute nicht zusagen und am Montag absagen", hat Metehan Cebeci am Freitag erklärt. Deshalb ist die letzte Wildcard für Hanfmann zwar reserviert, aber sein Start noch nicht sicher. Ausgelost wird so oder so am Samstag, an dem trainiert, aber nicht wie in der Regel in den Vorjahren gespielt wird. "Dieser eine Tag mehr Vorbereitung hilft uns", sagt Tom Bucher.

Der Auftakt ist anders. Das ganze Turnier ist anders. Der Finaltag ist anders: Nicht wie gewohnt am Sonntag werden Doppel- und Einzel-Finale gespielt, sondern bereits am Samstag. Metehan Cebeci: "Das wurde auf meinen Wunsch hin von der Spielerorganisation ATP genehmigt." So haben die Spieler mehr Zeit, bevor am Montag darauf die Qualifikation für die French Open beginnt - wobei die kürzlich um eine Woche nach hinten verschoben worden sind. Alles ist anders. Überall.

Von Stuttgart gibt es eine Absage

Am Donnerstag kam die Nachricht: Das baden-württembergische Sozialministerium in Stuttgart hat den Antrag des Neckar-Cups und der Stadt Heilbronn auf Durchführung eines Pilotprojektes während des Tennis-Turniers mit Zuschauern abgelehnt. "Begründung ist die momentan geltende Notbremse", sagt Tom Bucher. Die Unterlagen waren am 21. April eingereicht worden; die Stadt Heilbronn hatte sie bereits mehrere Wochen vorliegen

Der Neckar-Cup im Livestream: www.tennischannel.app www.atptour.com

 

Lars Müller-Appenzeller

Lars Müller-Appenzeller

Stv. Leiter Sportredaktion

Fußball, Tennis, Ski alpin: Sport bewegt - Tag für Tag auch Lars Müller-Appenzeller. Der Mann vom Bodensee ist seit dem Sommermärchen 2006 für die Heilbronner Stimme sportlich unterwegs.

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