Warum Moritz Böhringer aus der NFL zurück zu den Schwäbisch Hall Unicorns wechselt

American Football  Eine fast märchenhafte Reise liegt hinter Moritz Böhringer, der es als Football-Neuling in die beste Liga der Welt schaffte - dem das dort erhoffte Ziel aber nicht gelang. Jetzt ist er zurück in Schwäbisch Hall, wo die Reise einst begann.

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Moritz Böhringer, hier im Trainingsshirt der Minnesota Vikings, lässt die NFL hinter sich. Foto: Imago Images/ Zuma Wire

Er ist wieder da – und nach eigener Aussage bestens in Schuss: "Ich bin so gut wie nie zuvor." Moritz Böhringer kehrt in die German Football League (GFL) und zu den Schwäbisch Hall Unicorns zurück. Dorthin also, wo vor gut fünf Jahren eine Geschichte begann, die als Cinderella-Story Schlagzeilen machte. Ein wahrgewordenes Märchen, allerdings ohne glücklichen Ausgang.

April 2016: Böhringer hat bei den Unicorns gerade eine Saison in der höchsten deutschen Liga absolviert, da wird der Aalener von den Minnesota Vikings im Draft ausgewählt. Beim Draft sichern Klubs die Rechte an Nachwuchsspielern. Von Deutschland in die NFL zu wechseln, die beste Liga der Welt, ist ein riesiger Sprung. Umso mehr, wenn man wie Böhringer ein Senkrechtstarter ist, dessen körperliche Fähigkeiten beeindrucken, der aber erst seit ein paar Jahren Football spielt.

Böhringer ist sogar der erste europäische Spieler, der von einem NFL-Team ausgesucht wird, ohne vorab Football-Erfahrung an einem College gesammelt zu haben.

Böhringers Geschichte macht die US-Medien neugierig

Die Premiere macht US-Medien auf ihn aufmerksam. Auch, weil er zu Beginn den Weg von seinem Zuhause zum Trainingsgelände der Vikings zu Fuß zurücklegt.

Sportlich läuft es nicht so gut. Bei den Vikings landet er im sogenannten Practice Squad. Damit ist er zwar Teil des Kaders, trainiert mit, darf in Spielen aber nicht zum Einsatz kommen. "Im ersten Jahr war noch so viel neu", sagt Böhringer heute. Erfahrungen auf dem hohen College-Niveau hätten durchaus geholfen.

Ein Jahr später, 2017, schafft es der heute 27-Jährige nicht in das Aufgebot der Vikings. Anschließend, bei seinem zweiten Team, den Cincinnati Bengals, landet der Deutsche wieder im Practice Squad. "Die Möglichkeit, es zu schaffen, wäre da gewesen, aber ich habe auch Pech gehabt." So zum Beispiel, als er sich bei einem Vorbereitungsspiel verletzt oder zuletzt, als die Kadergrößen in der NFL von 90 auf 80 Spieler reduziert wurden.

Bei den Haller Unicorns war Böhringer ein fleißiger Punktesammler. Foto: Archiv/Löffler

"Es war nicht das Ziel, gedraftet zu werden. Das Ziel war, zu spielen. Das nicht geschafft zu haben, regt mich ein bisschen auf", sagt Böhringer, der ansonsten findet, das Beste aus sich herausgeholt zu haben.

Ziel ist, das unterbrochene Studium zu beenden

Im Sommer 2020 trennen sich die Bengals von Böhringer. "Ich habe kurz abgewartet, ob sich noch etwas entwickelt. Dann aber schnell entschieden, im Sommersemester wieder studieren zu wollen." Das für die Football-Karriere nach vier Semestern unterbrochene Maschinenbaustudium nimmt der Aalener nun wieder auf, seit zwei Wochen ist er zurück in der Heimat. Für die Unicorns ist die Rückkehr des verlorenen Sohnes ein Coup.

Auch ohne NFL-Einsatz hat sich der 27-Jährige weiterentwickelt. "Mein Körper fühlt sich gut an." In den USA wurde er von der Position des Receiver auf die des Tight End umgeschult, 16 Kilogramm Muskelmasse legte er dafür zu. Klar, dass die Gegner in der GFL-Saison, die im Juni starten soll, ein Auge auf ihn haben. "Einige Teams werden sich auf mich fokussieren. Das ist in Ordnung, es ist der Sinn von American Football, die guten Spieler des Gegners auszuschalten. Die besten wollen aber auch zeigen, dass sie trotzdem abliefern können."

Das will freilich auch Böhringer, der häufiger so wirkte, als sei ihm der Rummel um ihn unangenehm. Ein Lautsprecher ist er nicht. Im Fokus der Medien zu stehen, war seine Sache nie: "Ich will eigentlich nur Football spielen." Und das am liebsten bei den Unicorns. Andere Angebote aus Europa, die genaue Anzahl nennt er nicht, hat er sich zwar angehört, aber schnell ausgeschlagen.

"Ich habe mir schon angehört, was andere Vereine so denken und vorhaben. Doch immer, als ich in der Vergangenheit in Deutschland zu Besuch war, bin ich bei einem Spiel oder Training der Unicorns gewesen. Daher hat die Rückkehr am meisten Sinn gemacht." 

 


Tobias Wieland

Tobias Wieland

Onlineredakteur

Tobias Wieland kümmert sich um die onlinespezifische Aufbereitung eigener und fremder Artikel auf Stimme.de. Er erstellt Zeitleisten, Listicles, Grafiken und mehr.

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