Mit viel Herzblut zu WM-Gold im Kegeln

Kegeln  Yvonne Schneider aus Untergruppenbach feiert mit den deutschen Frauen bei der Weltmeisterschaft in Polen den Titel im Team. Für die 41-Jährige ist das Bestätigung und Ansporn zugleich - schließlich hängt ihr halbes Herz am Kegelsport.

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Guter Zusammenhalt, schöner Erfolg: Yvonne Schneider (obere Reihe, Dritte von links) ist mit dem Nationalteam Weltmeisterin geworden.

Foto: Harald Seitz

Dieser eine Satz verrät viel über Yvonne Schneider: "Wenn man etwas möchte, kriegt man es auch hin", sagt die Frau aus Untergruppenbach. Die 41-Jährige kriegt verdammt viel hin in ihrem durchstrukturierten Alltag. Für die Schwarz-Gruppe arbeitet sie in der IT, der fünfjährige Sohn fordert ihre Aufmerksamkeit - und dann ist da noch eine große Leidenschaft der Yvonne Schneider: fürs Kegeln. Mit acht Jahren kommt sie zu ihrem Sport, seitdem lässt er sie nicht mehr los.

Die Faszination ist nicht nur nachhaltig, sondern auch effizient in der Wirkung. Bei den Weltmeisterschaften im polnischen Tarnowo Podgorne ist Yvonne Schneider vor wenigen Tagen Weltmeisterin geworden. Gold mit dem Team. Nach der Bronzemedaille vor zwei Jahren feiern sie nun den Titel. Im Halbfinale schlägt die Mannschaft den bisherigen Weltmeister Kroatien mit 5:3, im Finale gewinnen die deutschen Frauen 7:1 gegen Tschechien. Yvonne Schneider zählt im Gruppenspiel gegen Frankreich zu jenen Sechs, die im Einsatz sind.

Beim KV Liedolsheim hat Yvonne Schneider ihr spielerisches Potenzial zur Gänze entwickelt

Neid, dass sie bei den anderen Partien zu den zwei Ersatzspielerinnen gehört, kommt nicht auf. "Der Zusammenhalt ist top, wir kennen uns aus dem Effeff", sagt die Frau, die aus Sachsen-Anhalt stammt und in der Bundesliga - wie ihre Nationalmannschaftskameradinnen Jana Bachert, Saskia Seitz und Sandra Sellner - für den KV Liedolsheim im Landkreis Karlsruhe spielt.

Dort hat Yvonne Schneider ihr spielerisches Potenzial zur Gänze entfaltet, hier hat sie sich nochmals weiterentwickelt, nachdem sie zuvor für Feuerbach angetreten ist. International zu spielen, auch im Europapokal, erhöht neben dem Spaßfaktor noch den Erfahrungsschatz. Ein Trumpf, denn genau jene Routine entscheidet auf diesem Niveau oftmals mit.

Ihr halbes Herz gehört dem Kegelsport

Seit neun Jahren lebt Yvonne Schneider in Untergruppenbach, hat sich ein Umfeld geschaffen, das Leistungssport und Job nicht ausschließt - dank ihrem Mann, der sie unterstützt und ihren Chefs, die mit flexiblen Arbeitszeiten Verständnis für ihre sportive Liebe zeigen. "Mein halbes Herz gehört dem Kegelsport", sagt Yvonne Schneider, "würde man ihn mir wegnehmen, ginge es mir nicht mehr gut."

Daher schaufelt sich die 41-Jährige die Zeit frei, um sich körperlich fit zu halten - Kondition ist die Basis für die in ihrem Sport wichtige Konzentrationsfähigkeit. "Mein Kind kennt es nicht anders", sagt Yvonne Schneider.

Auch mit Meditation hat die Keglerin gute Erfahrungen gemacht

Doch auch die mentale Komponente spielt für Schneider einen gewichtigen Part, wenn im Wettkampf insgesamt 120 Wurf - unterteilt in vier Mal 30 Wurf - anstehen. Telefonisch holt sich die Keglerin immer wieder Ratschläge, viele Dinge hat sie sich selbst erarbeitet, auch mit Meditation hat sie gute Erfahrungen gemacht. Nebenbei profitiert die studierte Betriebswirtschaftlerin Schneider auch im Alltag davon, weil "ich in beruflichen Stresssituationen schneller wieder in die Mitte komme".

Die Goldmedaille von Tarnowo Podgorne ist Bestätigung, Erfolgserlebnis und Ansporn, auch künftig hinzukriegen, was man möchte.


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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