Schefold/Hanselmann wollen bei der WM mit Perfektion ans Maximum

Kunstradfahren  Bei der Heim-WM in Stuttgart stehen Serafin Schefold und Max Hanselmann direkt im Finale. Dort zählt für das Duo des RV Öhringen einzig die Titelverteidigung.

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Beim Finale in Albstadt vor einer Woche haben Max Hanselmann (vorn) und Serafin Schefold den Gesamtweltcup gewonnen, nun steht die WM an.

Foto: privat

Plötzlich steht Serafin Schefold mit einer Butterbrezel und einem Schinkenbrötchen da. "Das Buffet schließt gleich", sagt er und reicht Max Hanselmann das Mittagessen samt Serviette. Der grinst, dankt höflich und deponiert die Gabe erst einmal neben sich. Eine Szene, charakteristisch für den Umgang des Kunstrad-Duos. Sie sind wie ein altes Ehepaar: perfekt eingespielt und fürsorglich. "Wir wissen genau, wie der andere tickt", meint Serafin Schefold und meint das nicht nur sportlich.

Bundestrainer Dieter Maute kennt die beiden Leistungssportler, aber auch die Menschen Schefold/Hanselmann inzwischen mehr als eine Dekade und sagt: "Es sind unterschiedliche Typen, die sich aber extrem gut verstehen und kennen. Die Zwei kommen perfekt miteinander zurecht."

Die Porsche-Arena ist ein besonderer Ort für das Duo

Eine Verbundenheit, die sie auf dem Kunstrad harmonisch in Höchstschwierigkeiten umsetzen. Ihre Kür ist gespickt mit bestens bepunkteten Übungen wie dem erweiterten Handstand-Kopfstand. Mit diesem Element haben sie vor einer Woche beim Finale in Albstadt souverän den Gesamtweltcup gewonnen. Weltmeister ist das kongeniale Duo. Drei Mal schon. Weltrekordhalter obendrein. In dieser Saison haben sie den Bestwert beim 3. German-Masters daheim in Pfedelbach nochmals verbessert - auf 173,5 Punkte. Ein magischer Wert. Für diesen Samstag (ab 19 Uhr) ist die Titelverteidigung geplant.

Bei der Heim-Weltmeisterschaft in der Stuttgarter Porsche-Arena. Ein besonderer Ort für die Zwei. Als Kinder sitzen sie 2010 unter den WM-Zuschauern. Sechs Jahre später geben sie hier ihre WM-Premiere als Aktive. "Ich kriege jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an das Einlaufen vor 6000 Zuschauern denke", sagt Serafin Schefold. "Jede WM hat ihre Besonderheit, in Stuttgart ist es die Atmosphäre." Für Max Hanselmann hat sie nochmals einen besonderen Reiz. Gleich nebenan spielt sein VfB, den Stuttgartern gehört seine fußballerische Liebe.

Der 24-Jährige sagt: "Wir wissen, worauf wir uns freuen können." Auch, weil sie reichlich Unterstützung aus der Heimat bekommen werden. Vereinsmitglieder des RV Öhringen. Freunde. Familie. Alle wollen wieder dabei sein. Es wäre bitter gewesen, wäre die WM dieses Jahr nochmal ausgefallen. Lange Zeit haben die Aktiven im Ungewissen trainiert.

Stärkste Konkurrenten haben ihre Karriere beendet

Für ihr gemeinsames Ziel: Gold. Das ist ihr Anspruch. Schefold/Hanselmann fahren gegen sich selbst, die eigene Leistung als härtester Kontrahent. "Aber sie können auf ihre Leistungsfähigkeit vertrauen, sie sind inzwischen so reife Sportler", meint Dieter Maute. Nachdem die langjährigen Rivalen, das Brüderpaar André und Benedikt Bugner, die Karriere beendet hat, ist die nationale Konkurrenz jünger geworden. In Stuttgart kommen Lea-Victoria Styber und Nico Rödiger den Titelverteidigern in Punkten gemessen am nächsten. Sie haben erst vor Corona begonnen in dieser Konstellation zu fahren - und bei ihrem ersten WM-Auftritt nichts zu verlieren.

Ein Weltrekord ist nicht planbar

Pandemiebedingt haben in der Offenen Klasse nur vier Paare gemeldet, die Quarantänebestimmungen schrecken einige Nationen ab. Der Vorkampf fällt daher in Stuttgart aus. "Da verliert für machen eine Medaille an Wert", gibt der Bundestrainer zu, "aber nicht für uns, weil wir das Leistungsniveau kennen." Soll heißen: Auch bei weit mehr Konkurrenz reicht derzeit kein Paar an die Top-Punktzahl der beiden Hohenloher heran. Was allerdings bleibt, ist die Sorge um die Disziplin, die schon vor Corona ein Sorgenkind gewesen ist. Ist es doch international äußerst schwierig, zwei Leistungssportler in einer Region zu finden, die über solch exzellente physische wie psychische Fähigkeiten verfügen.

Wie Serafin Schefold und Max Hanselmann. Sie sind die Favoriten. Den Druck halten sie aus, haben gelernt damit umzugehen. "Wir wollen Weltmeister werden", sagt Max Hanselmann. "Aber bei der WM zu sagen, wir wollen den Titel mit Weltrekord, wäre der falsche Ansatz." Und zu groß die Enttäuschung, wenn es nicht hinhauen würde. Der Mann, der im rheinland-pfälzischen Neustadt wohnt, weiß, Weltrekorde sind nicht planbar. Sie passieren.


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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