Mit mentaler Ausdauer läuft Isabel Leibfried zu Silber

Leichtathletik  Isabel Leibfried aus Offenau hat während der Pandemie unter fehlenden Startmöglichkeiten gelitten und sich kurzfristig für den Start in München entschieden. Sicher nicht die falsche Wahl.

Von Peter Schramm
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Lächelt nach den Strapazen von München: Isabel Leibfried.

Foto: Paul Günther

Zum dritten Mal in Folge hat sich Langstreckenläuferin Isabel Leibfried von der TSG Heilbronn eine Medaille bei deutschen Marathonmeisterschaften (wir berichteten) geholt. 2018 wurde die gebürtige Offenauerin Leibfried, die seit vielen Jahren von der Sporthilfe Unterland Heilbronn-Hohenlohe gefördert wird, nationale Vizemeisterin, im Jahr darauf lag sie mit Bestleistung auf Position drei. In dieser Saison ist der Weg zur Silbermedaille in 2:44,09 Stunden hinter Meisterin Corinna Harrer (2:43,11) in München jedoch ein besonders langer gewesen.

Beim Berlin Marathon war Leibfried ausgestiegen

"Zwei Jahre ist es her, dass ich meinen letzten Marathon in Essen gelaufen bin", sagt Isabel Leibfried nach dem positiv verlaufenen Wochenende in Bayern. "Das Trainingslager in Portugal hat mir in diesem Jahr auch gefehlt, das war immer ein ganz wichtiger Baustein in meiner Vorbereitungsphase auf die Saison." Aufgrund der Corona-Pandemie sind darüber hinaus seit 2020 zahlreiche Läufe ausgefallen, allen voran die Wettbewerbe auf der Straße haben der Unterländerin im Formaufbau gefehlt. Denn hier sammeln die Athleten die entsprechende Härte für die Meisterschaftskilometer.

Nachdem es auch für Isabel Leibfried lange gedauert hat bis sie wieder bei größeren Lauf-Veranstaltungen an der Startlinie gestanden hat, ist die gesamte Vorbereitung auf den Berlin Marathon ausgerichtet gewesen. Dort lief jedoch einiges schief, Leibfried ist vorzeitig ausgestiegen und hat sich daher entschieden, nur zwei Wochen später die noch eingeschobenen nationalen Titelkämpfe in München mitzunehmen. Dafür hat die 30-Jährige, die in führender Position Vollzeit arbeitet, auch auf einen Start bei den baden-württembergischen Meisterschaften über die zehn Kilometer in Heilbronn am Wochenende verzichtet. Schließlich sollten sich ihre gute Form und das Training noch ausbezahlen.

Das Rennen in München war bis in die Schlussphase offen

Auch wenn die Corona-Maßnahmen Meisterschaften komplizierter und in der Vorbereitung organisatorisch aufwendiger gemacht haben, hat sich Isabel Leibfried über die gewonnene Chance gefreut. Das Rennen in München ist nicht auf eine schnelle Zeit ausgelegt gewesen, vielmehr auf eine gute Platzierung - ein typisches Meisterschaftsrennen. "Taktikspielchen mag ich gar nicht, aber dazu ist es gekommen", sagte Leibfried. "Das Rennen war lange offen, auch nach 30 Kilometern war noch keine Entscheidung gefallen." Erst fünf Kilometer später hat sich die mehrmalige deutsche Meisterin über mittlere und längere Distanzen, Corinna Harrer (LG Telis Finanz Regensburg), mit ihrem Tempomacher etwas abgesetzt. Isabel Leibfried hingegen hat sich ohne Hilfe durch die große Zahl von Läufern geschlängelt.

"Mir hat mein Trainer Holger Freudenberger gefehlt, der in Heilbronn als Stadionsprecher fungierte. Wenn er dabei ist, gibt mir das Sicherheit", sagte Isabel Leibfried, die angesichts des lange Zeit völlig offenen Rennverlaufs etwas damit gehadert hat, ob sie sich zu einem früheren Zeitpunkt hätte absetzen sollen.

Dennoch hat sich die trainingsfleißige und sehr diszipliniert lebende Athletin ihre dritte Medaille bei deutschen Meisterschaften gesichert. "Auf die Silbermedaille kann ich durchaus stolz sein - auch wenn Gold zum Greifen nah war." 


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