Mit Fans ist Geldverdienen wieder möglich

Hallensport  Mit einer Mischung aus Hoffnung, Mahnung und auch etwas Enttäuschung haben Handball, Basketball und Eishockey auf die Teilrückkehr von Fans zu den Ligen- und Pokalspielen reagiert. Keine Planänderung gibt es bei den Heilbronner Falken.

Von Stephan Sonntag und dpa

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An der Zulassung möglichst vieler Fans hängen die Existenzen vieler Proficlubs im Handball, Eishockey und Basketball.

Foto: imago-iimages/Zink

"Das bedeutet nicht nur für den Handball, sondern auch für den Basketball und für das Eishockey, dass ein großer Teil des Bereichs, wo wir Geld verdienen, mit Zuschauern und auch mit Sponsoring, dass das wieder möglich ist", sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Handball-Ligaverbandes HBL, am Mittwoch im Interview des TV-Senders Sky.

Am Dienstag hatten sich die Bundesländer in einer Videoschalte darauf geeinigt, dass deutschlandweit wieder Zuschauer in die Stadien und Sporthallen dürfen. In einer sechswöchigen Testphase ist zunächst eine Auslastung von maximal 20 Prozent der jeweiligen Kapazität erlaubt. Ende Oktober soll die Lage neu bewertet werden.

Andere Situation als im Fußball

Wenn es noch ein halbes Jahr ohne Zuschauer gelaufen wäre, "hätte es definitiv keinen Handball, keinen Basketball, kein Eishockey mehr gegeben", betonte Bohmann. Die Vereine dieser drei Profi-Ligen sind wesentlich stärker auf Ticketeinnahmen angewiesen als die Fußball-Clubs.

Hygienekonzept der NSU-Frauen bleibt unverändert

Auf die Heimspiele der Neckarsulmer Sport-Union in der Bundesliga der Handball-Frauen hat die Entscheidung keinen Einfluss. Denn eine 20-prozentige Auslastung der 1200 Zuschauer fassenden Ballei entspräche 240 Zuschauern. "Nach unserem geltenden Hygienekonzept dürfen wir aber bereits 320 Zuschauer zulassen. Insofern erübrigt sich das für uns", erklärte Pressesprecher Sascha Göttler am Mittwoch.

Für den Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, Stefan Holz, ist der Beschluss der Politik "ein erster Schritt zurück in eine Normalität unter Corona-Bedingungen". Wie sein Handball-Kollege Bohmann mahnte aber auch er, dass 20 Prozent Auslastung der Sportstätten auf Dauer bei weitem nicht ausreichen. "Mit 20 Prozent Hallenauslastung verlieren die Vereine bei einem Heimspiel tendenziell Geld. Wir werten es als einen positiven Startpunkt. Als Dauerzustand wäre das schwierig", sagte der BBL-Chef Holz der Deutschen Presse-Agentur.

DEL-Geschäftsführer zeigt sich enttäuscht

Gar enttäuscht von der 20-Prozent-Regel zeigte sich Gernot Tripcke von der Deutschen Eishockey Liga (DEL). "Nach den Gesprächen der letzten Woche hatten wir uns deutlich mehr Unterstützung in diesem für uns wirtschaftlich so existenziellen Bereich erhofft", meinte der DEL-Geschäftsführer.

Stefan Rapp, Geschäftsführer des Zweitligisten Heilbronner Falken, sieht eher die positiven Aspekte, auch wenn die Entscheidung zunächst einmal keine unmittelbaren Auswirkungen auf seinen Club hat. "Wir werden wie geplant mit 500 Zuschauern starten und uns dann Schritt für Schritt an die maximale Belegung herantasten", sagte Rapp am Mittwoch. Am nächsten Freitag (25. September) ist ein erstes Trainings-Heimspiel mit Zuschauern gegen die Schweizer GKC Lions angesetzt. Bereits an diesem Sonntag wollen die Eisbären Heilbronn einen Probelauf mit Zuschauern in der Eishalle unternehmen. "Das Allerwichtigste ist, dass sich jeder Einzelne an die Vorgaben hält. Selbstverantwortung und Selbstdisziplin sind gefragt", appelliert Rapp an alle Besucher.

Basketballer bedauern, kaum Spiele einbringen zu können

Den Probelauf bis Ende Oktober sehen die Ligen durchweg als Chance. "Wir möchten gern beweisen, dass wir verantwortungsvoll umgehen können mit dem Thema Zuschauer und dass man keine Bange haben muss, zu uns in die Arena zu kommen", sagte Bohmann im NDR. Die Handball-Bundesliga, die seit März keine Spiele mehr ausgetragen hat, startet am 1. Oktober in die Saison. Die Basketballer bedauerten, in der Testphase kaum Spiele zu haben. "Wir haben einige Pokalspiele im Oktober, der Ligabetrieb beginnt aber erst am 6. November und damit nach der Testphase", sagte Holz und hielt sich mit Prognosen zurück: "Erst mal muss diese wissenschaftlich begleitete Testphase funktionieren."


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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