Medaillenregen für NSU-Schwimmer in Berlin

Schwimmen  Die Neckarsulmer Asse sammeln bei den nationalen Titelkämpfen viel Selbstbewusstsein. Annika Bruhn holt zwei DM-Titel, Henning Mühlleitner einen.

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Goldiges Lachen: Annika Bruhn hat die nationalen Titelkämpfe in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark Berlin für schnelle Zeiten genutzt.

Foto: dpa

Es ist nicht der perfekte Termin für die deutschen Meisterschaften der Beckenschwimmer, die von Donnerstag bis Sonntag in Berlin ausgetragen worden sind. Nach kräftezehrender Olympia- und EM-Qualifikation im April ist bei vielen Athleten die Luft raus, während die Olympiateilnehmer die DM aus dem vollen Vorbereitungstraining heraus bestreiten. Das trifft auch auf die Asse der Neckarsulmer Sport-Union zu. Dennoch reicht es für das NSU-Team zu drei Titelgewinnen sowie je vier zweiten und dritten Plätzen. Eine bemerkenswerte Ausbeute.

"Man spürt die Arbeit mit Matt. Racing ist ein großer Teil seines Trainings, das zeichnet sich jetzt schon aus", hebt NSU-Macher Christian Hirschmann die Arbeit von Chefcoach Matt Magee hervor und meint ob des ungünstig gewählten DM-Termins: "Wir kommen mit solchen Herausforderungen klar, wie die Ergebnisse zeigen. Alle unsere Athleten haben sehr gute Ergebnisse abgeliefert." Was den Formaufbau der Olympiateilnehmer Annika Bruhn, Fabian Schwingenschlögl und Henning Mühlleitner betrifft, sagt Hirschmann: "Der stimmt, die Daumen bleiben gedrückt." Die beiden weiteren NSU-Olympioniken Celine Rieder und Marie Pietruschka fehlen in Berlin, absolvieren aktuell ein Höhentrainingslager.

Drei Medaillen beflügeln Bruhn auf dem Weg nach Tokio

Herausragend sind aus NSU-Sicht einmal mehr die Leistungen von Annika Bruhn, die wie so oft in den vergangenen Jahren als deutsche Freistil-Meisterin über die 100 wie auch 200 Meter anschlägt und sich auf der 100 Meter Schmetterlingstrecke zudem mit Bronze belohnt. Damit tankt sie Selbstbewusstsein für die Reise zu ihren dritten Olympischen Spielen.

"Ich hatte mir vorgenommen, jedes Rennen voll anzugehen. Doch mich wundert fast, wie schnell ich war, da wir bis auf die Wettkampftage nicht wirklich pausiert haben und vorbereitet waren. Daher macht mir das sehr viel Mut für Tokio, und ich glaube, da ist noch einiges drin", freut sich die 28-Jährige, die am Sonntag zu ihrem zweiten Titel nach einer sensationellen zweiten Bahn über 100 Meter in der ARD sagt: "Je mehr Rennen, desto besser komme ich rein."

Bei Henning Mühlleitner ist die Sicherheit zurück

"Die Sicherheit ist wieder da, ich habe wieder Bock auf Wettkampf", erzählt Mühlleitner nach Bronze (800 Meter Freistil) am Freitag und Silber (200 Meter Freistil) am Samstag, legt am Sonntag aber nach und komplettiert seinen Medaillensatz mit dem Sieg über 400 Meter Freistil. In Abwesenheit der nationalen Hauptkonkurrenten Florian Wellbrock und Lukas Märtens (beide im Höhentrainingslager) feiert der EM-Dritte 2018 über diese Strecke seinen ersten nationalen Einzeltitel auf der langen Bahn. Dafür gibt es viel Lob von Hirschmann: "Er war noch nie so schnell aus dem Trainingsprozess heraus, das hat ihn selbst überrascht." Mühlleiter antwortet im ARD-Interview befragt nach seinen Ziel in Tokio über die 400 Meter: "Ich glaube, es ist nicht zu selbstbewusst, wenn ich sage, dass ich ins Finale kommen will."

Der deutsche Rekordmann über 100 Meter Brust, Fabian Schwingenschlögl, bleibt auch wegen der Vorbereitung auf Olympia ohne Titel, enttäuscht mit den Plätzen zwei (100 Meter Brust) und drei (200 Meter Brust) dennoch nicht. "Er war stark, auch über seine Nicht-Lieblingsstrecke 200 Meter, das gibt Selbstbewusstsein." Disziplinkollegin Bente Fischer hätte über 200 Meter Brust mit ihrer im April geschwommenen Bestzeit von 2:25,90 Minuten DM-Gold geholt, doch reicht es in ihrer Paradedisziplin nur zu einer Zeit von 2:28,04 und Platz zwei. Es siegte Kim Herkle vom SV Cannstatt in 2:27,43. Für Fischer war es die zweite Medaille nach Bronze über 100 Meter Brust.

Pinneker holt Silber über 200 Meter Schmetterling

Nach dem undankbaren vierten Platz zum Auftakt auf der 100-Meter-Schmetterlings-Strecke macht es Daniel Pinneker über die doppelte Distanz besser. Hinter seinem baldigen Neckarsulmer Teamkollegen Ramon Klenz (1:57,87) wird er Zweiter in 1:59,33 Minuten. Klenz gewinnt am langen Schwimm-Wochenende insgesamt drei Titel. "Schade, dass wir seine Medaillen noch nicht dazu addieren dürfen", sagt Hirschmann mit einer gewissen Vorfreude in der Stimme.

Bei der DM 2022 wird die Medaillen-Ausbeute der Neckarsulmer Sport-Union sicherlich noch größer.


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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