Markus Lell ist dankbar für viel Arbeit

Rollkunstlaufen  Nach seinem Rücktritt 2017 steht der Ex-Weltmeister im Rollkunstlauf, Markus Lell, nun im Beruf seinen Mann. Als Trainer ist der 30-Jährige aber auch noch auf der Rollkunstbahn anzutreffen.

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WM-Empfang für Markus Lell und Trainerin Klaudia Rieger-Katzmaier nach dem Titel 2014, nun trainiert der 30-Jährige selbst den Nachwuchs. Foto: Archiv/Veigel

Der Mann hat Stress. Und er ist glücklich darüber. Markus Lell ist angekommen in der Berufswelt. Der Informatiker berät Firmen, "SAP-technisch", sagt der Neckargartacher. Im Dezember ist er eingestiegen und "super dankbar - auch, dass so viel zu tun ist. In der aktuellen Zeit ist das nicht unbedingt gesichert."

Eingespannt zu sein, ist eine Situation, die Markus Lell nicht unbekannt ist. Als Rollkunstläufer des REV Heilbronn gelingt ihm über Jahre die Doppelbelastung Leistungssport und Schule oder Studium. Er ist nie einer, der sich darüber beschwert oder gar gezetert hat. Auch verwöhnt ist Markus Lell nie gewesen.

Ob Trainingseinheiten auf der zugigen Bahn am Europaplatz oder selbst mitfinanzierte Fernreisen zu Weltmeisterschaften - wer in einer Randsportart zu Hause ist, hat häufig wenig Lobby. Die Hoffnung, dass sein Sport irgendwann noch ins olympische Programm aufgenommen wird, hat Markus Lell schon früh "für mich abgeschrieben".

Markus Lell erlebt Höhen und Tiefen

An seinem Ehrgeiz ändert dies nie etwas. Zwei Jahrzehnte steht er auf den Rollen, feiert mit Trainerin Klaudia Rieger-Katzmaier sechs Weltmeister-Titel - den ersten 2009, nachdem er im Jahr zuvor weltbester Junior ist -, holt vier Mal EM-Gold, dazu Silber bei den World Games 2013. Lange Jahre wird er von der Sporthilfe Unterland gefördert, vom Verband erhält er die Ehrennadel in Gold.

Markus Lell erlebt Höhen, erleidet aber auch manche Tiefen. Als er im Spätsommer 2017 kurz vor seinem 27. Geburtstag den Rücktritt erklärt, hat dies maßgeblich gesundheitliche Gründe. Der Rücken ist immer wieder seine Schwachstelle.

Heute zwickt es hier und da noch

Und heute? Ohne die enormen Kräfte, die bei den Sprüngen wirken, "hat sich der Körper recht schnell regeneriert", sagt Markus Lell, "klar zwickt es hier und da noch. Wenn ich faul bin, werde ich direkt daran erinnert. Gerade, wenn ich so viel sitze." Doch der Unterländer treibt weiter Sport. Nicht mehr in der Intensität von einst, dafür gerne mit Anderen. Wären da nur nicht Corona und Homeoffice. "Wenn man vom Bett an den Schreibtisch seine 20 Schritte macht, muss ich mich gerade bei dem Wetter doch mehr überwinden", sagt Markus Lell und lacht.

Auch auf der Rollschuhbahn ist er weiterhin anzutreffen - vorausgesetzt wegen Corona ist die Sportstätte nicht geschlossen. Nun aber als Trainer. "Wir haben ein fähiges Team, das sich um die Kinder kümmert", meint Markus Lell. Bei den Lernenden ist der Vorzeigeathlet des Vereins sehr beliebt. Er motiviert seine Eleven zwar nicht mit seiner üppigen Medaillensammlung ("die hänge ich nicht so raus"), dafür besticht er mit Erfahrung. "Die Kinder sagen immer, mach mal das oder das vor, aber da muss man sehr vorsichtig sein, denn natürlich ist man nicht mehr auf dem Level von einst. Wenn ich dann mal alleine im Stehen auf die Nase falle, ist das Gelächter natürlich groß."

Die Pandemie trifft die Randsportarten stärker

Die Pandemie aber sorgt den 30-Jährigen. Den Corona-Knick, fürchtet Markus Lell, trifft die Randsportarten noch härter. "Gerade, weil der Aufbau komplett wegfällt." Selbst ein sportiver Ausgleich ersetze das Training auf der Bahn nicht. "Uns wirft es schon stark zurück", meint Lell.

Ein Lautsprecher ist er nie gewesen, eher der stille, fleißige Arbeiter, der mit Taten statt Worten glänzt. Umso mehr hat ihn Mitte März Platz drei bei der erstmals ausgetragenen Sportlerwahl-Kategorie "2000er Stars der Region" überrascht. Geschmeichelt und geehrt hat es ihn, "dass nach den Jahren noch so an mich gedacht wird. Alleine da erscheinen zu dürfen, damit hätte ich niemals gerechnet."

 

 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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