Machtdemonstration in Auenstein

Radsport  Das deutsche Rad-Talent Marco Brenner fährt am Sonntagmittag im U19-Rennen überragend und holt sich die Bundesliga-Gesamtwertung.

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Mit viereinhalb Minuten Vorsprung gewann Marco Brenner das Bundesliga-Rennen der U 19 in Auenstein. Foto: Andreas Öhlschläger

Vollgas, warum auch nicht? Die Beine gaben es her. "Wenn ich diese Form bei der Europameisterschaft gehabt hätte . . .", sagte Marco Brenner gleich nach der Zieldurchfahrt in Auenstein. In überragender Manier hatte er das Bundesliga-Rennen der U 19 in dem Ilsfelder Ortsteil gewonnen. Viereinhalb Minuten Vorsprung, eine ewig lange Solofahrt, eine Machtdemonstration.

Nationales Ausnahmetalent

Marco Brenner ist ein Ausnahmetalent, Deutschlands Bester in dieser Nachwuchsklasse, gar keine Frage. Bei der EM, bei der er gerne die Auensteiner Topform gehabt hätte, wurde Brenner Vizeeuropameister im Zeitfahren und fuhr im Straßenrennen auf den vierten Platz.

Souverän hat sich der 18-Jährige nun den ersten Platz in der Bundesliga-Gesamtwertung gesichert. Die wegen der Coronavirus-Pandemie verkürzte und nach hinten verschobene Saison ist jetzt vorbei. Brenner hat zum Abschied von den Junioren nochmal gezeigt, dass enorm viel in ihm steckt. Er formulierte es so: "Ein geiler Abschied."

Das große Ziel ist die Tour

Der Augsburger hat bereits einen Profivertrag in der Tasche. Er wird künftig für das Team Sunweb fahren. Das Ziel ist klar: die Tour de France. Irgendwann. Ein Sieg in Auenstein ist nicht die schlechteste Ausgangsbasis für eine große Profikarriere. Wer auf dem schweren Kurs vorne ist, kann auch anderswo glänzen.

15 Runden mit je 180 Höhenmetern absolvierten die U19-Junioren am Sonntagmittag. Wenn es hinauf geht zur Burgruine Helfenberg, heißt es: beißen. Es wäre für Marco Brenner also eine Überlegung wert gewesen, es erstmal ruhig angehen zu lassen. Aber: "Ich habe mich gut gefühlt, dann hab ich es gleich gemacht." Vollgas also. Ein Dominanzauftritt, der es ins Geschichtsbuch der traditionsreichen Auensteiner Radsporttage geschafft hat. Es waren schon einige Rad-Talente da, die jetzt bei den Profis zur ersten internationalen Reihe gehören: Emanuel Buchmann, Lennard Kämna, John Degenkolb.

 

Brennende Oberschenkel bei den Konkurrenten

Marco Brenner war mit der Startnummer 1 im Trikot des deutschen Meisters unterwegs. Sowas verpflichtet natürlich auch. Der 18-Jährige hätte aber nicht gar so kraftvoll in die Pedale treten müssen - fanden die, die hinterher fuhren. Daniel Schrag, Mannschaftskollege von Brenner im Team Auto Eder Bayern, der auf Platz drei kam und ein bisschen spät bei der Siegerehrung auftauchte, stöhnte: "Ich war so tot, ich konnte nicht mehr aufstehen. Meine Oberschenkel haben so stark gebrannt." Marco Brenner hatte sich schon auf der Schlussrunde erholen können. Mit mehr als fünf Minuten Vorsprung war er in den letzten Anstieg gegangen.

Bei der Siegerehrung zogen die Fahrer sich ihre Ehrentrikots selbst über. Auch die Pokale wurden nicht mehr überreicht wie es früher üblich war. Küsschen sind in Zeiten des Coronavirus sowieso tabu. Es müssen bei solchen Zeremonien Masken getragen werden.

Herbst statt Frühsommer

Die Gepflogenheiten haben sich durch die Pandemie stark verändert. Immerhin, es gab trotz der vielen, vielen neuen Infektionsfälle in diesem Herbst auch das letzte Bundesliga-Rennen der Saison. In Auenstein hätte schon Ende Juni gefahren werden sollen. Doch das ging dann wegen Corona nicht. Jetzt waren die Bäume an der Zielgeraden herbstlich eingefärbt, ebenso wie die Weinberge am Anstieg zur Ruine Helfenberg. Die Fahrer hatten lange Trikots an. Wenigstens regnete es am Sonntag nicht.

Marco Brenner hatte Spaß an der Sache. Er weiß, was er am besten kann. "Ich bin gut im Zeitfahren und auch am Berg ziemlich stark, beim Sprinten bin ich nicht ganz so gut." Also fuhr er in Auenstein seinen Rivalen kraftvoll davon.

Zwei deutsche Meistertitel beim Bundesliga-Rennen der U 23

Zwei deutsche Meistertitel wurden am Sonntagnachmittag beim Bundesliga-Rennen der U 23 und der Elite-Männer in Ilsfeld-Auenstein vergeben. Michel Heßmann (Jumbo-Visma Development Team) setzte sich im Sprint eines kleinen Feldes durch und sicherte sich den Tagessieg. Christian Koch (Lotto-Kern Haus) ließ sich den Bundesliga-Gesamtsieg nicht mehr nehmen, nachdem er den vierten Platz belegt hatte. Michel Heßmann ist nun deutscher Bergmeister in der U23-Klasse, Elite-Meister am Berg wurde Christian Koch.    

     


Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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